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Atomstrom Check 2010

Etikettenschwindel beim Strom!

Infoseite - 15 Februar, 2011
Nur selten ist bei der Wahl unseres Energieversorgungsunternehmens (EVU) wirklich klar erkenntlich, welche Energiequellen für den Strom wir mitfinanzieren. Wird unser Geld in den Bau von Windkraft, Biomasse-Verstromungsanlagen oder Kleinwasserkraft investiert? Oder landen unsere Euros beim Bau oder der Lebenszeitverlängerung von Kohle- und Atomkraftwerken?

Greenpeace hat auch 2010 wieder recherchiert, aus welchen Energiequellen der Strom in Österreich stammt, und die aufschlussreiche Entdeckungen in "Der Strommix der österreichischen Energieversorgungsunternehmen (EVU)"

Update 04.2011: Die beiden Energieversorger EVN und BEWAG haben glaubhaft nachgewiesen, dass sie im Untersuchungszeitraum keinen Atomstrom in ihrem Strommix hatten. Nach Überprüfung der Werte wurden die Web-Grafiken dementsprechend aktualisiert.

Update 09.2011: Greenpeace hat einen erneuten Atomstrom-Check unternommen, die Ergebnisse von 2011 sind hier zu finden.



Wien Energie
EVN
BEWAG
Energie AG
Salzburg AG
STEWEAG
KELAG
TIWAG
VKW
Ökostrom AG
AAE Naturstrom
Stand 04.2011
Bitte einen Energieversorger aus der Liste wählen!

Die Situation in Österreich

In Österreich gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Stromversorger, die leider diverse Schlupflöcher zur Verschleierung des Atomstromanteils offen lässt. Greenpeace hat deshalb eine Hochrechnung der Strom­zu­sammen­setzung aller herkömmlichen Stromfirmen durchgeführt.

Eines vorweg, die entscheidende Frage im Rahmen der Untersuchung ist nicht, woher der Strom kommt (prinzipiell aus dem nächstgelegenen Kraftwerk), sondern wohin das Geld geht. Die EVU's haben einerseits eigene Kraftwerke, andrerseits kaufen sie zur Bedarfsdeckung teilweise Strom vom Markt ein. Unterstützen also die Euros deiner Stromrechnung im Endeffekt saubere Energie, oder finanzieren sie Atomkraft mit?

Im Rahmen der Greenpeace-Berechnungen zeigte sich (siehe Grafik unten), dass alle Energieversorger Atomstrom in ihrem Strommix haben (8 bis 28 Prozent), dieser jedoch in viel geringerem Ausmaß aufscheint. Grund dafür ist die Möglichzeit zur „Stromwäsche“ mittels RECS-Zertifikaten (Renewable Energy Certificate System). Durch diesen Etikettenschwindel können die Energieversorger im Ausland eingekauften Atomstrom „grünwaschen“ und als Wasserkraft kennzeichnen. Dies ist durch eine Lücke im EU-Gesetz zur Stromkennzeichnung möglich.

 

Die Untersuchungsmethode

Greenpeace ist bei den Berechnungen von der Situation ausgegangen, dass der nicht deklarierte Anteil der Strombezüge über Börsen, kurzfristige Lieferverträge usw. bezogen wird, und dass die Herkunft dieses Stroms nicht bekannt ist. Für diesen nicht deklarierten Anteil wurde daher der europäische Durchschnitts-Strommix (der sogenannte UCTE-Mix: Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity) angenommen.

Es könnte natürlich sein, dass ein Unternehmen genau weiß aus welchen Quellen dieser Stromanteil stammt, und dass es sich tatsächlich um Wasserkraftstrom handelt – was bedeuten würde, dass der Strommix in Wirklichkeit „sauberer“ ist, als hier dargestellt. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich, also dass der Strommix noch „schmutziger“ ist als hier angegeben. Da die Unternehmen keine genaueren Angaben machen wollten, ist Greenpeace vom UCTE-Mix ausgegangen. Die Berechnungen basieren auf dem Stromabsatz in Österreich.

Greenpeace fordert: Stromkennzeichnung verbessern!

  1. Ende des Etikettenschwindels: die EU muss den Handel mit Zertifikaten ohne den  dazugehörigen Strom unterbinden. Nur Zertifikate aus Ländern, die die EU-konforme Stromkennzeichnung umgesetzt haben, sollen anerkannt werden. Wirtschaftsminister Mitterlehner muss sich auf EU-Ebene dafür einsetzen.
  2. Nachvollziehbarkeit: Wirtschaftsminister Mitterlehner muss verfügen, dass Importe von RECS-Zertifikaten erfasst und öffentlich einsehbar werden.
  3. Transparente Stromkennzeichnung: Wirtschaftsminister Mitterlehner muss die Energieunternehmen dazu verpflichten, offenzulegen wie viele Zertifikate sie kaufen, aus welchem Land und von welchem Kraftwerk.
  4. Für Lieferungen aus Strombörsen müssen die Stromfirmen zumindest den Atom- und Fossilstromanteil ausweisen, der dem durchschnittlichen Mix der europäischen Gesamterzeugung lt. UCTE entspricht.

 

Hintergrund zur Auswahl der Anbieter

Viele Anbieter in Österreich

Auf dem österreichischen Markt gibt es viele unterschiedliche größere und kleinere Energieanbieter. Den Strommix all dieser Firmen zu berechnen würde einen sehr großen Aufwand darstellen, und daher hat sich Greenpeace auf die „klassischen“ Landesenergieversorger sowie auf zwei unabhängige Ökostromanbieter beschränkt.

Das „Öko-Mäntelchen“

Verschiedene große Energieversorger bieten neben dem konventionellen Strommix auch sogenannte „Wasserkraft“, „Naturstrom“, „Grünstrom“ etc. an. Aus der Sicht von Greenpeace ist es sehr problematisch, wenn ein Teil des Stroms (zum Beispiel aus Wind- oder Sonnenenergie) an umweltbewusste Kunden und Kundinnen verkauft wird und parallel dazu der Strom aus Kohle- oder Atomkraft an zum Beispiel Industriebetriebe verkauft wird.

Was wirklich dahinter steckt

Denn damit bleibt nicht nur der Gesamtstrommix gleich, sondern durch solche Spezialprodukte wird verschleiert, das umweltbewussten Kunden und Kundinnen vielleicht ohne es zu wissen die zweifelhaften Geschäfte des Energieversorgers mit Kohle- oder Atomstrom subventionieren.

Warum einige nicht mit dabei sind

Da Greenpeace derartige Produkte sehr kritisch sieht, wurden diese bei der Bewertung nicht inkludiert. Auch beispielsweise der Verbund ist ein Unternehmen, das mit „Verbund-Wasserkraft“ ein vermeintlich ökologisch einwandfreies Produkt anbietet, aber aus den oben erwähnten Gründen scheint es in der Greenpeace-Bewertung nicht auf. Der Verbund handelt nämlich über andere Geschäftszweige auch mit Strom aus nicht erneuerbaren Quellen, und damit auch mit Atomenergie.

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