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Chemtrails

Ein Himmel voller Verschwörer

Infoseite - 22 Mai, 2004
Für eigenartige Wolkenphänomene kann es nur einen Grund geben, glaubt eine wachsende Zahl von Menschen: geheime US-Experimente mit dem Klima. Greenpeace hat den Hintergrund der so genannten Chemtrails recherchiert. Nach unseren Erkenntnissen gibt es jedoch aus der Wetter- und Klimaforschung keine Hinweise auf deren Vorhandensein. Wir wissen auch von keinem Chemtrail-Projekt, das realisiert wurde.

Hinweise auf das Vorhandensein von Chemtrails werden aus beobachteten Kondensstreifen abgeleitet. Kondensstreifen entstehen durch den Flugverkehr und dessen Zunahme verursacht auch mehr Kondensstreifen in der Atmosphäre. Das Auftreten von Kondensstreifen ist für uns in keiner Weise ein Indiz für Chemtrails.

Wir halten es für wichtig, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen, das heißt, das Verbrennen von Öl, Kohle und Gas zu verringern. Nur so lässt sich der Klimawandel noch verlangsamen und schlimmere Auswirkungen langfristig verhindern. Der Ausstoß des Treibhausgases CO2 muss in den kommenden Jahrzehnten um 80 Prozent reduziert werden. Hier sehen wir unsere Aufgabe und hier legen wir den Schwerpunkt unserer Klimaarbeit, weshalb wir uns mit Theorien zu Chemtrails und Geo-Engineering derzeit nicht beschäftigen. Wir arbeiten mit Nachdruck an der Energiewende - weg von der Verbrennung von fossilen Energien hinzu dem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Ausführlicher Bericht aus dem Greenpeace Magazin 5.04

Der Tag, an dem Werner Altnickel das ganze Ausmaß der Weltverschwörung aufging, begann, wie es der Wetterbericht für diesen 5. März 2004 versprochen hatte: Nach Auflösung von Frühnebelfeldern klar und sonnig; trotz des Nachtfrosts würde sich die Luft auf sechs Grad aufwärmen und gegen Mittag, erstmals für dieses Jahr, in Oldenburg einen Hauch von Frühling verbreiten.

Altnickel installierte eine Solaranlage auf einem Hausdach in der niedersächsischen Stadt, als er am Himmel einen Kondensstreifen sah. Später bemerkte er, dass der Streifen erstaunlicherweise nicht verschwunden war, ja sogar dass ständig neue dazukamen, die sich am Firmament schließlich „zu einer schlabberigen Masse verwoben, wie am Himmel eingerührter Milchschaum“.

Für Werner Altnickel stand fest, „dass so was nicht normal sein kann“. Schließlich steht der selbständige Solartechniker seit 15 Jahren auf Dächern zwischen Frankfurt und Wilhelmshaven und hat zahllose Kondensstreifen aufquellen und verschwinden sehen. Allerdings hatte er einige Monate zuvor einen Artikel über obskure Wolkenerscheinungen gelesen: Die US-Regierung, stand in der Januar-Ausgabe der Esoterik-Zeitschrift „Raum und Zeit“, ließe durch Flugzeuge Chemikalien in der Luft versprühen – weltweit und streng geheim. Washington wisse, dass die Erde auf eine verheerende Klimakatastrophe zusteuert, wolle aber trotzdem nicht Energie sparen oder den American Way of Life ändern. Stattdessen traktiere die Supermacht den Himmel mit der chemischen Keule – wobei das Gebräu aus Metalloxiden und Kunststoffverbindungen nicht nur das Wetter beeinflusse. Es mache auch die Menschen krank, auf die das alles irgendwann herunterregne.

Genau dieses Horror-Szenario will der Solar-Handwerker am 5. März am heimischen Himmel entdeckt haben. Er schoss 1500 Fotos von den überirdischen Vorgängen, dann musste er „zum ersten Mal seit Jahren richtig heulen“. Seither widmet sich Altnickel, zweimaliger Gewinner des Oldenburger Umweltschutzpreises und Träger des Deutschen Solarpreises 1997, mit voller Kraft dem Kampf gegen Chemtrails.

Er ist nicht der einzige. Unter dem Suchwort „Chemtrails“ fand die Internet-Suchmaschine Google Anfang August 79.100 Treffer; einen Monat zuvor waren es noch 28.500. Das Thema entwickelt sich zur Mutter aller Verschwörungstheorien: Ob Ufos oder CIA-Versuche mit Bewusstsein verändernden Drogen – nichts scheint zu weit hergeholt, als dass es sich nicht in das finstere Weltbild des um sich greifenden Kondensstreifen-Kults integrieren ließe.

„Die Sache mit den Chemtrails hat sich unglaublich schnell ausgebreitet“, stellt auch Thomas Hagbeck fest, bis vor kurzem Sprecher des Umweltbundesamtes und nun in gleicher Funktion im Umweltministerium. Jedenfalls haben sein Ministerium, Politiker, Bundesnachrichtendienst, Forschungsanstalten und nicht zuletzt Greenpeace in den letzten Wochen Hunderte besorgter Anrufe und E-Mails erhalten, die unisono von „kriminellen Experimenten in der Atmosphäre“ berichten.

Während die meisten Politiker und Wissenschaftler die E-Mails als „Chemtrail-Spam“ (der Meteorologe Jörg Kachelmann) in den Papierkorb werfen, hat die deutsche SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn immerhin eine parlamentarische Anfrage zum Thema versprochen.

Wissenschaftlichen Fakten

Mit diesen wissenschaftlichen Fakten antworten das deutsche Bundesamt und Greenpeace:

  • Ja, manche Kondensstreifen bleiben länger sichtbar. Das war schon immer so und lässt sich mit unterschiedlicher Luftfeuchte und natürlichen Verwirbelungen der Atmosphäre erklären.
  • Ja, theoretisch kann man das Klima durch in der Stratosphäre versprühte Chemikalien beeinflussen. Doch es gibt keinerlei Hinweis, dass dies wirklich geschieht. Ohnehin müsste ständig gesprüht werden, um überhaupt einen Klimaeffekt zu erzielen, was Tausende Flugzeuge, Zehntausende Mitwisser und Milliarden-Euro-Etats erfordern würde – eine kaum geheim zu haltende Mammutoperation.

Werner Altnickel ficht das nicht an. „Man darf nicht vergessen, wer alles bei der Vertuschung mit im Boot ist“, sagt er und macht eine schier endlose Liste auf: UN und WHO, Geheimdienste von CIA bis BND, das Klimaforscher-Gremium IPCC, Fluggesellschaften, Politiker und Medien. Ohne deren Hilfe, argumentiert er in Umkehrung der Beweislast, ließen sich Chemtrails ja nicht geheim halten – „und dass es sie gibt, habe ich ja mit eigenen Augen gesehen“.

Der Wetterbericht meldete für den 5. März übrigens auch ein heranziehendes Tief, das sich später am Tag über Oldenburg mit zunehmender Schleierbewölkung bemerkbar machte. Kein Wunder, glaubt Altnickel: „Der Wetterdienst steckt auch mit drin.“

Quelle: Greenpeace Magazin, Marcel Keiffenheim

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