Die Industrie und
die Probleme der CO2-Zertifikate

Infoseite - 27 Dezember, 2010
In Österreich ist die Industrie für 26 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Damit steht sie an erster Stelle aller Emittenten im Land!

Vor allem die Stahl-, Zement- und Papierindustrie sind für die Emissionen hauptverantwortlich. Allein die Voestalpine AG in Linz hat rund 10 % der österreichischen Treibhausgas-Emissionen zu verantworten.

Das Recht, wie viel CO2 ausgestoßen werden darf, wird über die so genannten CO2-Zertifikate geregelt: Jedem Industrie-Unternehmen wird eine gewisse Menge an Zertifikaten zugeteilt – dem erlaubten Treibhausgas-Ausstoß ent­sprechend. Denn der Gedanke des Kyoto-Protokoll war ursprünglich, über die Zertifikats­zuteilung die Treibhausgas-­Emissionen zu verringern.

Da die Industrie aber sehr viele Zertifikate, die dazu noch gratis waren, zugewiesen bekam, ist es bislang zu keiner Verringerung der Treibhausgas-Emissionen gekommen. Nach wie vor wehrt sich die Industrie erfolgreich dagegen, für die Zertifikate zu zahlen. Will man die Treibhausgas-Emissionen dennoch reduzieren, würde das aber bedeuten, dass das andere Bereiche wie etwa Haushalte oder Stromerzeugung deutlich mehr beizutragen hätten.

 

Stahl

Die Stahlindustrie gehört zu den größten Verursachern von Treibhausgas-Emissionen. Insgesamt werden in Österreich rund 19 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht, von denen allein mehr als die Hälfte – rund zehn Millionen Tonnen also – auf das Konto der Stahlindustrie gehen. Und dabei sind wiederum die Emissionen der Voestalpine AG in Linz und in Donawitz mit Abstand die größten.

Die Stahlindustrie wehrt sich heftig gegen eine Klimaschutz-Politik, die ihre Treibhausgas-Emissionen beschränken will. Behauptet wird dabei, dass dann ins Ausland abgewandert werden müsste, um so die Produktion in Staaten mit weniger Umweltschutzverpflichtungen am Laufen halten zu können – zum Beispiel in Rumänien oder gar in China. Dabei wird aber gern vergessen bzw. verdrängt, dass diese Staaten bald den gleichen Klimaschutz-Bestimmungen unterliegen werden wie Österreich. Dennoch hat die Politik die Stahlindustrie bislang aber von sämtlichen Klimaschutz-Verpflichtungen weitgehend verschont.

Wenn wir es mit dem Klimaschutz jedoch tatsächliche ernst meinen wollen, dann wird auch die Stahlindustrie ihren Beitrag leisten müssen. Einiges davon wird vermutlich sogar "von selbst" geschehen – zum Beispiel also, dass die Autos leichter werden und somit um einiges weniger Stahl in der Produktion benötigen.

 

Zement/Zellstoff/Chemie

Auf die Stahlindustrie folgen weitere Industriesektoren wie die Zement- und die Papierindustrie mit ihren Treibhausgas-Emissionen: Die Zementindustrie verursacht knappe drei Millionen Tonnen davon und die Papierindustrie etwas mehr als zwei Millionen.

Bei der Zementindustrie hängen die CO2-Emissionen mit den chemischen Prozessen zusammen, die notwendig sind, um Zement zu erzeugen – nachdem Kalzium aus Calciumkarbonat gewonnen wird, und die Kohlenstoffverbindungen daraus als CO2 freigesetzt werden. Die Emissionen der Zementindustrie können also nur verringert werden, indem man die Produktion zurückfährt. Und tatsächlich folgt ja auch die Nachfrage nach Zement und Beton nicht gerade einem Naturgesetz: Brauchen wir also wirklich beispielsweise noch mehr Autobahnen?

Die Emissionen aus der Papierindustrie sind hauptsächlich auf dem Energieaufwand zurückzuführen, womit sich auch hier letztlich dieselbe Frage wie bei Zement stellt: Benötigen wir denn tatsächlich so viel Papier? Besonders problematisch wird es mit der Papierindustrie dort, wo der Rohstoff Holz noch dazu aus nicht nachhaltiger Forstwirtschaft bezogen wird.

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