Erdölunfälle in der Nordsee

Infoseite - 17 August, 2011
Schwere Erdölunfälle sind auch in der Nordsee möglich. Dies zeigen die Ereignisse der letzten Woche, die schlechte Erinnerungen an die Erdölkatastrophe in „Deep water horizon“ im letzten Jahr wecken.

Greenpeace/Martin Langer, 2010

Der Unfall bei "Gannet Alpha"

Bereits am Mitwoch den 10.08.2011 wurde an der Erdölplattform „Gannet Alpha“ 180 km vor der britischen Küstenstadt Aberdeen ein Leck an der Verbindungsstelle zwischen Ölquelle und Plattform entdeckt. Erst am Freitag unterrichtete das verantwortliche Unternehmen Shell die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Katastrophe. Das erste Leck scheint unter Kontrolle, ein zweites wurde am 16. August bekanntgegeben. Wie viel Öl ausgetreten ist, weiß nur Shell genau, aber allein das erste Loch verursachte den größten Ölteppich in der Nordsee seit 10 Jahren. Offiziell wurde am Montag von einer Menge von 216 Tonnen ausgetretenem Öl gesprochen, davon eine Tonne an der Meeresoberfläche. Diese Zahlen beziehen jedoch noch nicht den Austritt aus dem zweiten Leck ein. Dieses befindet sich an einer komplizierteren Stelle mit viel marinem Wachstum. Bisher liegt kein Bericht vor, nach dem auch diese undichte Stelle geschlossen werden konnte.

Karte: Ölplattformen in der Nordsee; Stand 2005

Das Unternehmen behauptet derweilen die Situation unter Kontrolle zu haben. Es bestünde keine Verschmutzungsgefahr für die Küste, da das Ausmaß begrenzt sei und der Ölteppich durch Wind und Wellen zerschlagen und verteilt werden würde. Diese Aussage gibt jedoch keinesfalls Anlass zur Beruhigung, denn auch auf offener See kann es zu Beeinträchtigungen des Ökosystems kommen. Die mangelhafte Informationspolitik des Unternehmens Shell lässt zudem Vermutungen aufkommen, dass das Unternehmen mehr Schwierigkeiten im Umgang mit seiner undichten Leitung hat, als zugegeben. Der deutsche Ölexperte Jörg Feddern ist über die Unfallstelle geflogen und berichtet von einer frischen Ölfahne, die darauf hindeutet, dass nach wie vor Öl austritt.

Der Unfall und der Umgang damit durch das Unternehmen selbst, ist höchst besorgniserregend, wird doch deutlich, dass Katastrophen wie diese nicht mal in der sonst so „sicheren“ Nordsee verhindert werden können. Umso kritischer sind die Pläne Shells zu betrachten, wonach Plattformen in der arktischen Beaufort Sea errichtet werden sollen, einem Gebiet in dem unter extremen Umweltbedingungen weitaus weiniger regulativ eingegriffen werden kann. Dieses Ereignis gibt nicht nur ein eindeutiges Signal für Kritik an den Plänen in der Arktis, sondern zeigt vor allem, wie wichtig es ist, dass die Plattformbetreiber endlich verpflichtet werden, ihre Pläne für dramatische Notfälle öffentlich darzulegen. Nur so ist überprüfbar, ob wirklich alles Erdenkliche unternommen wird, um Katastrophen größeren Ausmaßes zu verhindern.

Podcast von Greenpeace Deutschland - #15, Ölleck in der Nordsee

GreenBites, der Podcast von Greenpeace

Greenpeace-Überflug über die Nordsee in 2010

 

Chronik

Der Unfall vor der Küste Aberdeens ist nicht der erste seiner Art in der Nordsee, wird jedoch als der größte in der Region seit mehr als einem Jahrzehnt beschrieben.

Seit 1971 werden in der Nordsee Ölbohrungen durchgeführt.

Bereits 1977 strömen durch das fehlerhafte Wechseln eines Ventils innerhalb von sieben Tagen rund 31.000 Tonnen Öl und Gas von der norwegischen Bohrinsel „Bravo“ in die Nordsee vor die Küste Stavagengers. Ein Ölteppich von der zweifachen Größe Vorarlbergs bedeckt das Wasser.

1988 ereignet sich auf der US-Ölplattform „Piper Alpha“ das bis dahin schwerste Unglück in der Geschichte der Ölförderung. Bei einer Explosion auf der Plattform und anschließenden Bränden sterben 167 Menschen. Da das Öl-Gas-Gemisch aus den Bohrlöchern aber zum größten Teil abbrennt, bleibt eine größere Umweltkatastrophe aus.

Nicht nur von der Förderung, sondern vor allem auch von dem Transport von Erdöl geht Gefahr aus.

1966 fließen bei einem Zusammenstoß des norwegischen Öltankers „Anne Mildred Brovig“ mit einem Küstenmotorschiff westlich von Helgoland rund 16.800 Tonnen Öl in die Nordsee. Hunderte ölverschmutzter Vögel werden an die Strände gespült

1978 stößt der Öltanker „Eleni V“ im Nebel vor der britischen Grafschaft Norfolk mit einem französischen Frachtschiff zusammen. Rund 5.000 Tonnen Schweröl laufen ins Wasser

1993 kam es gleich zu zwei Unfällen.

Im Januar sank der Öltanker „Baer“ vor den schottischen Inseln. Bis zu 98.000 Tonnen Öl laufen aus dem Leck aus, hunderte seltener Vögel verenden im Ölschlick. Im Juni des gleichen Jahres kollidiert der Tanker „British Trent“, der bleifreies Benzin geladen hat, im dichten Nebel mit einem Frachtschiff aus Panama und fängt Feuer. Obwohl viel Benzin verbrennt, laufen mehr als 5.000 Tonnen in die Nordsee.

Auch ohne größere Unfälle laufen durch kleiner Lecks und Verschmutzungen im Herstellungsprozess jährlich ca. 10 000 t Erdöl in die Nordsee, wobei von höheren Mengen ausgegangen werden kann, berechnet man die Mengen ein die illegal durch Schiffe in die See entlassen werden.

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