Verkehr: eine verkehrte Entwicklung

Infoseite - 27 Dezember, 2010
Der Verkehr gehört zu den Bereichen, in denen die Entwicklung in Atem beraubendem Tempo in die völlig falsche Richtung geht.

Fast überall gibt es beim Verkehr stets wachsende Zahlen:

  • im Güterverkehr,
  • im Personenverkehr,
  • im Flugverkehr.

In den wohlhabenden Ländern steht der Verkehr bei den Verursachern des Treibhauseffekts ganz oben auf der Liste, doch Schwellenländer wie Indien holen rasch auf. Schnell verlaufen auch die Entwicklungen im Flugverkehr – unter anderem, weil es auf Kerosin, anders als auf Benzin oder Diesel, keine Treibstoffsteuer gibt.

Emissionen des Verkehrs in Österreich an zweiter Stelle

Der Verkehr steht in Österreich mit knapp 26 Prozent bei den Treibhausgas-Emissionen an zweiter Stelle. Knapp die Hälfte davon wird vom Güterverkehr verursacht, die andere durch den PKW-Verkehr. Die hohen Emissionen beim LKW-Verkehr sind zu einem guten Teil ein haus­gemachtes Problem: Diesel ist hierzulande im Vergleich zu den Nachbarstaaten nämlich billig, und deshalb fahren viele LKW zum Auftanken durch die Alpenrepublik. Und die aus diesem „Tanktourismus“ resultierenden Treibhausgas-Emissionen werden dann Österreich angerechnet.

 

Güterverkehr

Der LKW-Verkehr verursacht in Österreich – ganz ähnlich dem PKW-Verkehr – etwa ein Achtel der gesamten Treibhausgas-Emissionen. Zum Teil handelt es sich dabei um Transit­verkehr, also Transporte quer durch Österreich, doch sehr viele LKW sind auch nur innerhalb von Österreich unterwegs. Denn seit vielen Jahren ist der Anteil der Bahn am Güter­transport rückläufig, und es wird immer mehr auf den Straßen transportiert.

Das LKW-Problem ist zu einem großen Teil hausgemacht, nachdem der Straßengüterverkehr in Österreich auf verschiedene Weisen bevorteilt wird:

  • der Diesel ist hierzulande um einiges billiger als in den meisten Nachbarstaaten, weshalb der Transitverkehr gern durch Österreich gelenkt wird, um hier die Tanks kostengünstig zu befüllen.
  • die Mauten sind viel zu niedrig, um den Gütertransport von der Straße in Richtung Bahn zu lenken.
  • immer mehr Autobahnen werden gebaut, wodurch es auf Strecken, auf denen früher die Bahn die schnellste Verbindung bot, inzwischen um einiges schneller geht, die Güter via LKW zu befördern. Da Österreich zudem mitten in Europa liegt, ist es so zu einer LKW-Verkehrsdrehscheibe für die internationalen Gütertransporte geworden.
  • der LKW-Verkehr wird viel zu wenig kontrolliert, um die Regeln für Geschwindigkeitsbeschränkungen, Lenk- und Ruhezeiten, Sozial-Abgaben, etc. auch tatsächlich einzuhalten.

 

Personenverkehr

Der PKW-Verkehr verursacht in Österreich etwa ein Achtel aller Treibhausgas-Emissionen. Es gibt kaum einen anderen Bereich, in dem es so einfach wäre, Energie zu sparen, wie beim Autobau. Denn obwohl ein durchschnittlicher Pkw immer noch sieben Liter Sprit pro Hundert Kilometer benötigt, ist es bereits seit vielen Jahren keine besondere technische Herausforderung mehr, Autos mit nur drei Litern Verbrauch zu konstruieren. Doch die Autoindustrie verdient mit größeren Wagen deutlich mehr Geld als mit kleineren und hat deshalb nicht das geringste Interesse, kleinere und somit sparsamere Autos anzubieten. Und da die Politik auch in dieser Frage äußerst zurückhaltend bleibt, ist hierbei Jahre lang kaum etwas weitergegangen – also auch eine Form von Energieverschwendung.

Und ganz abgesehen vom Klimawandel: Wenn der Spritverbrauch so hoch bleibt wie zurzeit, wird es in vierzig Jahren schlichtweg kein Erdöl mehr geben. Dabei wird dieses nicht einmal ausschließlich als Rohstoff für Treibstoffe verwendet, sondern beispielsweise auch für Kunststoffe. Wenn wir also vermeiden wollen, dass wir ziemlich bald ohne diesen wichtigen Rohstoff da stehen, müssen wir auch dafür sorgen, dass Autos möglichst rasch sparsamer gebaut und angeboten werden.

 

Flugverkehr

War das Fliegen vor drei Jahrzehnten noch das Privileg einiger weniger, wird in Europa mittlerweile bereits für kurze Strecken zunehmend das Flugzeug genommen. Und der Beitrag des Flugverkehrs am Treibhauseffekt ist auch um einiges größer, als man aufgrund der direkten Emissionen vermuten würde.

Diese machen nämlich nur einige Prozent unseres gesamten Treibhausgas-Ausstoßes aus, sind viel wirksamer, weil die Flugzeug-Abgase im Schnitt in rund zehn Kilometer Höhe abgelassen werden. Und damit kommt der Flugverkehr schon wieder auf rund acht Prozent aller Treibhausgas-Emissionen, bleibt aber dennoch von allen Verpflichtungen ausgenommen, seinen Ausstoß zu senken. Es gab zwar immer wieder einmal Bestrebungen, eine Kerosinsteuer einzuführen, doch konnte bislang keine Einigung darüber erzielt werden. Die Zustimmung verweigern nämlich vor allem die zahlreichen Länder, die vom Tourismus abhängig sind.

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