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Holz ist nicht gleich Holz!

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Nach Schätzungen des World Resource Institutes sind nur mehr 22% der Urwälder unserer Erde intakt. Von den ursprünglich nahezu 62 Millionen km2 Wald am Beginn der Menschheitsgeschichte sind etwa die Hälfte völlig verloren und etwa ein Viertel zu Nutzwald umgewandelt.


Dieser Baumbestand kann die ökologische Funktion des Waldes jedoch nur mehr eingeschränkt erfüllen. Zwei Drittel der verbliebenen Waldfläche der Erde (ca. 68%) teilen sich Russland, Kanada und Brasilien. So verschieden diese Länder auch erscheinen mögen, gemeinsam ist ihnen die Unfähigkeit, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften.

Tropische Regenwälder

Als besonders gefährdet gelten heute die tropischen Regenwälder. Zum einen sind die tropischen Regenwälder äußerst empfindliche Ökosysteme auf größtenteils nährstoffarmen Böden - zum anderen liegt das Gros der Regenwälder in Ländern, die gerade erst am Beginn ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stehen. Einer Entwicklung, die noch immer stark auf Raubbau ausgerichtet ist.

Wurden einst rund 15% der Erdoberfläche von tropischen Regenwäldern bedeckt, sind es heute nur noch 6%. In den letzten Jahren ging pro Jahr die unglaubliche Fläche von mindestens 137.000 km2 in den Tropen verloren - mehr als die Fläche Österreichs und der Slowakei zusammen.

Urwälder sind mehr als nur ein Ort mit Bäumen. Sie stellen eine enorme biologische Reserve für die Erde dar. Fast die Hälfte aller bekannten Landlebewesen finden sich im Regenwald. Gemeinsam mit den Abermillionen unentdeckten Tieren und Pflanzen bilden sie ein genetisches Reservoir unermesslichen Reichtums.

Das Verschwinden der Regenwälder birgt große Gefahren für das Weltklima: Zum einen droht durch die CO2-Emissionen der brennenden Wälder Gefahr - zum anderen durch die Störung des komplexen Wasser-Kreislaufs. Jährlich werden etwa 5 Milliarden Tonnen CO2 bei Waldbränden freigesetzt, was etwa 17% des gesamtglobalen CO2-Ausstosses entspricht.

Der Süßwasservorrat im Amazonasbecken beträgt etwa 20% des weltweiten Vorrates. Wo Regenwald abgeholzt wird, steigen die Temperaturen an, und die Niederschläge gehen zurück. Da die Meeresströmungen unter anderem von den Unterschieden der Salzgehalte abhängen – können sich durch das Abfließen weniger Wassers aus dem Amazonas die Strömungen wesentlich verändern. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf das Weltklima.

Finger weg von Urwaldholz

Bäume sind eine erneuerbare Ressource - Urwald ist es nicht! Urwaldgebiete sind - zumindest in menschlichen Zeiträumen - nicht erneuerbar. Urwälder als Ganzes mit allen ihnen verbundenen Arten sind unwiederbringlich. Mit dem Verschwinden der Urwälder würden Millionen Tier- und Pflanzenarten für immer aussterben.

Ein neues Holz-Bewusstsein

Jede/r einzelne, die Holz verwendet, sollte sich der Knappheit der Bio-Ressource "Urwald" bewusst sein. Holz kann noch für Jahrtausende ein wichtiges Baumaterial und ein wertvoller Energieträger bleiben. Voraussetzung dafür sind intakte Wälder und ihre naturnahe Bewirtschaftung. Die verbliebenen Urwälder müssen in ihrer biologischen Funktion vollständig erhalten bleiben.

Jede KonsumentIn hat ein Recht auf gesicherte Information, um die richtige Kaufentscheidung in Sachen Holz treffen zu können. Doch Industrie und Handel lassen die KäuferInnen absichtlich im Dunkeln tappen. Über Holz in Brettern, Möbeln oder Leisten weiß man weniger als über jeden Kaugummi. Eine Lösung für dieses Problem würde ein weltweit anerkanntes, nachvollziehbares Gütesiegel für ökologisch akzeptables Holz darstellen. Die Holzindustrie in Europa weigert sich jedoch, solch ein verbindliches Gütesiegel einzuführen. Solange die Wirtschaft nicht von selbst reagiert, muss die treibende Kraft dazu von den KonsumentInnen ausgehen.

Einziges weltweit anerkanntes und nachvollziehbares Gütesiegel für Holz ist derzeit das FSC-Zertifikat. 1993 wurde das FSC (Forest Stewardship Council; Weltforstrat) gegründet, um Holz unabhängig von den Interessen der Industrie unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten zu zertifizieren. Obwohl es noch zahlreiche Anlaufschwierigkeiten gibt, und das Gütesiegel bereits des Öfteren gefälscht wurde, genießt das FSC die Unterstützung aller großen Umweltschutzorganisationen. Bis zu einer für jede KonsumentIn leicht erkennbaren, aussagekräftigen und allgemein eingeführten Kennzeichnung gilt es, selbst initiativ zu werden. Verlangen Sie als Käufer von Ihrem Händler die Garantie, dass Ihr Holz nicht aus Urwäldern stammt.

Im Zweifel helfen zwei Faustregeln:

  • Kaufe heimisches Holz!
  • Kaufe kein Tropenholz!

Die heimische Holzwirtschaft

Eine wirklich naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes im mitteleuropäischen Klima ist längst machbar. Trotzdem wird auch hier nicht immer naturnah bewirtschaftet. Zum einen fehlt vielfach das entsprechende Know-How in den Betrieben - zum anderen gibt es auch ökonomische Hindernisse: Arbeitskraft ist teuer, und größere Investitionen in den Waldbau werden - liegt der Holzpreis niedrig - gescheut. Überkapazitäten der Sägeindustrie und phantasielose Vermarktung fördern ebenso wenig die Nachhaltigkeit im Wald.

Die Holz-Importe aus Raubbau tragen das ihre zum Preisverfall bei. Zu Dumpingpreisen wird Holz aus Russland oder den Tropen angeboten und hält die heimischen Holzpreise im Keller. Scheinbar zum Nutzen der KonsumentInnen hier wie dort aber tatsächlich zum Schaden der Wälder. In der Ferne schwinden die letzten Urwälder, und in den heimischen Wäldern wird ökologisch nachhaltige Waldbewirtschaftung "unrentabel".

In zulässiger Vereinfachung kann man trotzdem von der Annahme ausgehen, dass ein Großteil des heimischen Holzes ökologisch verträglich gewonnen wird. Zum einen sorgt ein relativ strenges Forstgesetz für einen nachvollziehbaren Standard der Bewirtschaftung - zum anderen kommen die begünstigte klimatische Lage und die guten Böden der Nachhaltigkeit entgegen. Insgesamt beträgt die Waldfläche in Österreich etwa 3,9 Mio. ha (47% der Staatsfläche) - zwei Drittel davon sind nutzbarer Wald.

Ohne Unterstützung durch die KonsumentInnen bliebe die Zukunft des Waldes zunehmend auf den guten Willen einzelner Forstbetriebe angewiesen. "Kauft 100% heimisches Holz" hilft den Wäldern in Österreich und leistet Unterstützung in der Bewahrung der letzten Urwälder in der Ferne.

Was du tun kannst

Alternativen zu Urwaldholz gibt es für alle Holz-Anwendungsbereiche. Ein bewusst sparsamer Umgang mit Holz, ein verstärktes Recycling und die Verwendung von Frischholz aus den weitaus schonender bewirtschafteten mitteleuropäischen Wäldern sind etwa solche Alternativen. Folgende Punkte helfen dir in deiner Kaufentscheidung:

  • Frage deinen Händler nach der Herkunft des Holzes!
  • Bestehe auf Holz, das nicht aus Urwäldern stammt!
  • Frage nach der Bewirtschaftungsmethode!
  • Schenke nicht jeder Holzkennzeichnung Glauben!

Infos zu den Holzarten findest du im Holzführer des deutschen Greenpeace-Magazins, das du nachfolgend als pdf-Dokument dowloaden kannst.

Zum Download:

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