Infos zu Tunfischarten

Infoseite - 27 Dezember, 2010

Tunfisch ist nicht gleich Tunfisch: Es gibt allein acht verschiedene Arten, die zur Gattung der eigentlichen Tunfische (Thunnus spp.) gehören. Manche Tunfische enden als kostspieliges Gourmet-Sushi, andere auf einer Pizza Tonno, und doch haben sie eines gemeinsam: In Österreich dürfen sie alle lapidar unter dem gleichen Handelsnamen als "Tunfisch" gehandelt werden.

Auch die Fangmethoden sind dieselben: Ringwade, Langleine oder Treibnetz. Allen Methoden ist jedoch gemeinsam, dass sie meist unselektiv fischen und so hohe Mengen an Beifang töten - darunter Haie, Schildkröten, Seevögel oder auch Jungfische.

Obwohl einige Tunfisch-Arten inzwischen auf der "Roten Liste der bedrohten Tierarten" der Weltnaturschutzunion IUCN stehen, finden sie sich wie selbstverständlich immer noch auf einer anderen Liste wieder: unserer Speisekarte. So ist die begehrte Ware nur im Preis zu unterscheiden: je gefährdeter, desto teurer. Besonders deutlich wird dies beim Blauflossen-Tunfisch aus dem Mittelmeer - dem "König der Ozeane".

Nördlicher Blauflossentun (Roter Tun, Großer Tun)

Engl.: Northern Bluefin Tuna
Lat.: Thunnus thynnus

Biologie: maximal 5 Meter lang und 700 kg schwer; maximal 30  Jahre alt, mit fünf Jahren geschlechtsreif; größte Tunfisch-Art, die extrem weit wandert und den ganzen Nordatlantik in wenigen Tagen durchquert; weltweit nur zwei Laichgebiete, im Golf von Mexiko und im Mittelmeer rund um die Balearen.

Vorkommen: im Nordatlantik; es werden zwei Bestände unterschieden (Westatlantik: Golf von Mexiko, Karibisches Meer bis Kanada; Ostatlantik: Norwegen bis Kanarische Inseln, Mittelmeer).

Bedrohungsstatus: stark überfischt; laut Roter Liste der IUCN ist der westatlantische Bestand "vom Aussterben bedroht" (auch Mittelmeer), der ostatlantische Bestand ist "stark gefährdet"; Anzahl der erwachsenen Fische in den letzten 20 Jahren um 82 Prozent gesunken; Verdoppelung der Population dauert bis zu 14 Jahre; ohne wesentliche Schutzmaßnahmen wird ein kommerzielles Aussterben der Mittelmeer-Population im Jahr 2012 vorhergesagt.

Fangmethode: Ringwaden

Wirtschaftliche Bedeutung: Teuerste Tunfischart für Delikatess-Sushi; Hauptabsatzmarkt in Japan; tiefdunkelrotes Fleisch; Fanglänge inzwischen unter zwei Meter; rapide sinkende Fangzahlen, daher immer mehr Tunfischmast im Mittelmeer, in denen kleinere, oft illegal gefangene Jungfische gemästet werden.

Südlicher Blauflossen-Tun

Engl.: Southern Bluefin Tuna
Lat.: Thunnus maccoyii

Biologie: maximal 2,50 m lang; maximal 260 kg schwer; Alter bis zu 40 Jahren, erst mit acht bis elf Jahren geschlechtsreif.

Vorkommen: gemäßigte bis kalte Meere der Südhalbkugel, ziehen zum Laichen aber in die Tropen, weit wandernde Art.

Bedrohungsstatus: Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als "vom Aussterben bedroht" gelistet.

Fangmethode: Überwiegend Langleinen; 65 Prozent der Fänge im Indischen Ozean, 25 Prozent im Südpazifik.

Wirtschaftliche Bedeutung: sehr teurer Delikatess-Fisch, größtenteils Frischfisch-Vermarktung für Sushi und Sashimi in Japan; findet sich nicht in Dosen.

Großaugen-Tun

Engl.: Bigeye Tuna
Lat.: Thunnus obesus

Biologie: maximal 250 cm lang und 210 kg schwer; Alter bis elf  Jahre, mit drei Jahren geschlechtsreif

Vorkommen: in tropischen und subtropischen Gewässern, Atlantik, Indischer Ozean und Pazifik, nicht im Mittelmeer, Tiefwasserfisch bis 250 m

Bedrohungsstatus: laut Roter Liste der IUCN "gefährdet"

Fangmethode: große Exemplare mit Langleinen, kleine Fische mit Ringwaden

Wirtschaftliche Bedeutung: durch hohen Fettgehalt attraktiv für japanische Sashimi-Produkte, ansonsten als Frischfisch (Filet), junger Großaugen-Tun v. a. in Dosen

Gelbflossen-Tunfisch

Engl.: Yellowfin Tuna
Lat.: Thunnus albacares

Biologie: maximal 240 cm lang und 200 kg schwer; Alter < 8 Jahre; charakteristische ausgeprägte, lange gelbe Rücken- und Schwanzflosse; oft in Gesellschaft von Delfinen; weit wandernde Art.

Vorkommen: weltweit in allen tropischen und subtropischen Meeren zwischen 45ºN und 45ºS; kommt aber nicht im Mittelmeer vor.

Bedrohungsstatus: laut Roter Liste der IUCN "nicht gefährdet", Bestände sind allerdings in schlechtem Zustand; nun drohen sie auch im Zentral- und Westpazifik zusammenzubrechen.

Fangmethode: meist mit Ringwaden, aber auch  Fangleinen-Fischerei

Wirtschaftliche Bedeutung: für die Fisch-Industrie zweitwichtigste Tunfischart; vor allem Dosenprodukte; Hauptmärkte in USA,  Australien, Japan; Achtung: im östlichen tropischen Pazifik Ringwadenfischerei mit Beifängen an Delfinen und Jungfischen!

Weißer Tun

Engl.: Albacore Tuna
Lat.: Thunnus alalunga

Biologie: maximale Größe 140 cm; maximales Gewicht 60 kg; Alter bis zu 20 Jahre, mit vier bis sechs Jahren geschlechtsreif;  charakteristisch: lange stachelige Rückenflosse und große Brustflossen; extrem weit wandernde Art.

Vorkommen: in tropischen und mäßigen Gewässern aller Ozeane einschließlich des Mittelmeeres.

Bedrohungsstatus: auf der Roten Liste der IUCN aufgrund "ungenügender "Datengrundlage" gelistet; die Situation der Bestände ist weitgehend unklar.

Fangmethode: vor allem Langleinen-Fischerei, 40 Prozent der Fänge im Pazifik.

Wirtschaftliche Bedeutung: Der Weiße Tun ist ein wertvoller Speisefisch und die Fischerei nach ihm wirtschaftlich bedeutsam. Er ist der Dosen-Tunfisch mit der höchsten Qualität, wird aber auch frisch und tiefgekühlt vermarktet. Hauptabsatzmärkte: USA, Kanada, Japan, Spanien

Skipjack-Tunfisch (Echter Bonito)

Engl.: Skipjack Tuna
Lat.: Katsuwonus pelamis

Biologie: maximale Länge 108 cm; maximales Gewicht 34,5 kg; maximales Alter: zwölf Jahre; charakteristisch: vier bis sechs dunkle Streifen an der Seite.

Fangmethode: meist Ringwaden unter Verwendung von sog. Fischsammlern (FADs), die als schwimmende Fischereihilfsmittel Skipjack-Tunfisch anlocken, aber eben auch Jungfische anderer Arten. Hohe Beifangraten auch anderer Tiere z.B. Haie, Schildkröten.

Vorkommen: weltweit in tropischen und warmgemäßigten Gewässern zwischen 45ºN und 45ºS.

Widerstandsfähigkeit: mittel; Verdoppelung der Population dauert 1,4 bis 4,4 Jahre.

Bedrohungsstatus: nicht in der roten Liste der IUCN; im Pazifik kann für diese Art von nachhaltiger Fischerei gesprochen werden, während die Bestände im Atlantik komplett ausgebeutet sind.

Wirtschaftliche Bedeutung: in den Tropen wirtschaftlich bedeutendster Tunfisch; Vermarktung vor allem als Dosen-Tunfisch, aber auch frisch und geräuchert; Hauptabsatz in Japan, USA und Europa.

Anmerkung: nicht verwechseln mit Unechtem Bonito (Sarda sarda)

Skipjack-Tunfisch bitte nur kaufen, wenn er mit Angel gefangen wurde (Pole & Line, Trolling) oder mit  Ringwade unter Verzicht auf Fischsammler (FADs) gefangen wurde!

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