Nachhaltige Fischerei

Infoseite - 19 Oktober, 2012
Laut Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind 87 Prozent der wirtschaftlich wichtigen Fischbestände bereits komplett ausgebeutet, überfischt oder erschöpft.

Traditionelle Fischerei im Senegal © Clément Tardif / Greenpeace

Die Greenpeace-Prinzipien für eine ökologische und sozial verantwortliche Fischerei zeigen einen Weg, die weltweite Fischereikrise in den nächsten Jahren in den Griff zu bekommen.

Für Greenpeace ist Fischerei dann nachhaltig, wenn sie den Bestand der Zielart auf einem gesunden Niveau hält ohne andere Arten des Ökosystems negativ zu beeinflussen. Andere Arten werden weder getötet noch wird ihre Nahrungsquelle oder ihr Lebensraum zerstört.

Dies schließt auch den Menschen mit ein. Nicht selten zerstört die industrielle Fischerei vor den Küsten ärmerer Länder die Lebensgrundlage gerade der Kommunen, die traditionell von lokalen Fischvorkommen abhängen.

Entscheidende Kriterien für ein nachhaltiges Fischereimanagement sind:

  • Vorsorgeprinzip - Regelung aus ökologischer Sichtweise
    Grundlage jedes Fischereimanagements sollte das Vorsorgeprinzip sein. Meeresbelastungen sollen vermieden werden und nicht nachträglich notdürftige Schäden "repariert". Mit abnehmender Zuverlässigkeit der wissenschaftlichen Daten sollte die Vorsorge zunehmen.
  • Einführung eines Netzwerkes aus Meeresschutzgebieten
    Sie sind ein entscheidendes Werkzeug, um die Ozeane in ihrer Vielfalt zu bewahren oder zu regenerieren. Mindestens 40 Prozent der Meeresfläche müssen zur Sperrzone für jegliche industrielle Fischerei erklärt werden. Damit können sich überfischte Bestände nachhaltig erholen und wertvolle Ökosysteme wie z.B. Fisch-Laichgebiete bleiben geschützt. Paradoxerweise wird vor allem die Fischindustrie davon profitieren, denn die Bestände von Nutzfischen werden außerhalb der großflächigen Schutzzonen rasant zunehmen.
  • besonders empfindliche Arten und Lebensräume schützen
    wie z.B. die Tiefsee und seine Bewohner.
  • Bestände innerhalb der biologisch vertretbaren Grenzen erhalten.
  • selektive Fischereimethoden benutzen
    ein gutes Beispiel dafür ist der Fang von Tunfisch mit Angelrute & Leine. Im Gegensatz dazu stehen Fangmethoden, bei denen eine große Menge an Beifang anfällt (mehr als 25 Prozent des Gesamtfanges nach Gewicht) wie z.B. zerstörerische Grundschleppnetze.
  • Artenvielfalt erhalten
    Fischereimanagement sollte nicht nur den Schutz der Zielart gewährleisten, sondern aller Arten, die mit der Zielart assoziiert oder von ihr abhängig sind. Dieser Ökosystemansatz sieht vor, die Auswirkung von Fischerei auf das Ökosystem als Ganzes zu untersuchen - nicht nur in Bezug auf die Zielfischart.
  • soziale und ökonomische Gerechtigkeit
    Nur durch eine nachhaltige Nutzung kann die Eiweißressource Fisch gesichert und Armut vermieden werden. Fischereirechte müssen in Übereinstimmung mit den kulturellen Praktiken und wirtschaftlichen Bedürfnissen von Gemeinden vergeben werden, die abhängig vom Erhalt ihrer lokalen Fischerei sind.
  • vollständige Transparenz
    vom Fang bis zur Anlandung für jeden Fisch. Dies sieht auch eine ausreichende Kennzeichnung für den Konsumenten vor.


Die Verwirklichung der Greenpeace-Prinzipien soll zu einer Fischerei führen, die die natürlichen Abläufe im Meer nicht wesentlich verändert. Fischerei-Management darf nicht mehr auf kurzfristige Profite zielen, sondern muss für die Zukunft vorsorgen. Greenpeace fordert Regierungen, Industrie und Handel weltweit auf, diese Prinzipien sofort umzusetzen.

Die Greenpeace-Anforderungen an eine nachhaltige Fischerei basieren auf dem von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) formulierten Leitfaden für eine verantwortungsbewusste Fischerei. Er wurde 2002 von den Regierungen weltweit verabschiedet mit dem Ziel, ihn bis 2015 umzusetzen.

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