Unterwasser-Abbau

Eine neue Bedrohung

Infoseite - 5 Juli, 2011
Die Menschheit hat nahezu seit Anbeginn der Zivilisation den Rohstoffabbau an Land angetrieben. Aber durch das Erschöpfen der landbasierten Mineralien und Brennstoffe hat die Suche nach neuen Quellen den Meeresgrund entdeckt.

Eine große Fechterschnecke (Eustrombus gigas) am Meeresboden nahe Looe Key im Golf von Mexiko.

© Todd Warshaw / Greenpeace

Der Rohstoff-Abbau am Meeresboden war öko­nomisch einst unerschwinglich. Nun, durch technische Weiterentwicklungen und steigenden Preisen beim konventionellen Abbau, wird es für Konzerne immer relevanter - sowohl die Er­for­schung als auch der Abbau von Rohstoffen am Meeresboden beginnen deutlich zu steigen.

Besondere Sorge gilt dem Abbau von Mineral­lagern in oder nahe von verletzlichen Meeres­öko­systemen, wie etwa der Abbau von Sulfide-Lagern - für Kupfer, Gold, Zink und Silber - in der Nähe von unterseeischen hydro­thermalen Quellen. Diese beherbergen einzigartige Meeres­spezien und Ökosysteme.

Eine tote edle Steckmuschel neben stark abgegrasten Neptungräser im Mittelmeer.

© Greenpeace / Roger Grace

Aktuelle kommerzielle Unterwasser-Unternehmungen, wie das "Nautilus Minerals Solwara 1 Project" im Manus-Becken, sind genau für den Abbau dieser Sulfide-Lager im Territorialgewässer von Papua Neu Guinea tätig. Zwischen der Inselkette von Neu Britannien und Neu Irland. In diesem Gebiet ist das Auftreten aktiver hydrothermalen Quellen, bei denen eine neue Ozeankruste durch unterseeische Vulkanaktivitäten entsteht, bekannt. Zusätzlich zu den fragilen Lebensformen die diese unterstützen, könnten diese Organismen bis jetzt unentforschte pharmazeutische und biotechnologische Anwendungen mit sich bringen.

Bis in die 60er Jahre waren Ozeane nicht als Quelle für das Erforschen von Mineralien-Ressourcen bedacht. Dann wurden Manganknollen, die am Meeresboden gefunden wurden, als potentiell lukratives Geschäft von Abbaufirmen entdeckt. Die USA etablierte die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA), um den Tiefsee Meeresbodenabbau unter der UN Konvention des Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) zu regulieren. In den 70er Jahren erklärte die UN Generalversammlung, dass Meeresboden außerhalb der staatlichen Zuständigkeiten und dessen Ressourcen ein gemeinsames Welterbe sind. Diese Erklärung wurde später im UNCLOS eingearbeitet, gemeinsam mit Maßnahmen zum Schutz der Umwelt.

Diese Maßnahmen beziehen sich allerdings nicht auf den jeweiligen Festlandsockel - der sich bis zu knapp 600km von der Küste ausdehnen kann. Im Moment bleibt die potentielle ökologische Beeinflussung von verletzlichen Meeresökosystemen durch Meeresboden-Abbau größtenteils unkontrolliert. Die Prozesse des Abbaus und Baggerns zerstört Meeresböden und kann verheerende Einwirkungen auf Ökosysteme im Meer haben, sowohl auf deren Arten als auch deren Lebensräume. Möglicherweise greift der Abbau in ökosystematische Prozesse ein und hat auch Auswirkungen auf andere Aktivitäten wie etwa das Fischen, durch ein Zerstören wichtiger Fisch-Lebensräume.

Nur durch die Implementierung von einem angemessenen Regulierungssystem und einem Netzwerk an vollständig geschützen Meeresschutzgebieten können die Staaten gewährleisten, dass Unterwasser-Abbau der Meeresfauna und -flora nicht unsäglichen Schaden zufügt.

Zum vollständigen Greenpeace Report (engl.)

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