Überfischung

Infoseite - 12 Mai, 2014
Wir haben nur wenige Jahrzehnte gebraucht, um mit unseren modernen Fangmethoden die globalen Fischbestände um bis zu 80 Prozent zu dezimieren. Die illegale Piratenfischerei tut ein Übriges.

Vor allem die Fischgründe des Nordatlantiks und des Mittelmeers sind mit gigantischen Schleppnetzen inzwischen praktisch leergefischt. Viele Fischarten wie etwa der Rote Thun sind sogar vom Aussterben bedroht, Millionen Tonnen Jungfische und andere Meeresbewohner verenden als nutzloser Beifang.

Die Fangflotten der Industrieländer sind mittlerweile gezwungen, weite Reisen zu unternehmen, um die enorme Nachfrage der Bevölkerung zu bedienen. Damit wird aber vielen Millionen Küstenbewohnern Afrikas die Existenzgrundlage entzogen und das Nord-Süd-Gefälle verstärkt. Greenpeace setzt sich daher für eine nachhaltige Fischereiwirtschaft, gegen die internationale Piratenfischerei sowie für realistische Fangquoten ein, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren müssen und sich nicht am Bedarf orientieren dürfen. Sonst bleiben spätestens ab dem Jahre 2050 die Fischereiflotten in den Häfen – und unsere Teller leer. 

Weniger wäre mehr

Seit 1960 hat sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt und gleichzeitig mehr Appetit auf Fisch entwickelt. Um unser aller Appetit auf Fisch, Garnelen und Muscheln zu stillen, gehen täglich Millionen Boote auf Fang, von der kleinen Piroge über den durchschnittlichen Kutter bis zum XXL-Trawler mit integrierter Fischfabrik. Industrielle Fischereiflotten sind das Hauptproblem: Auf ihren Raubzügen orten sie große Schwärme per Echolot, Radar oder Hubschrauber. Mit kilometerlangen Leinen und gigantischen Netzen fangen sie in kurzer Zeit riesige Mengen. So wie der weltgrößte Thunfischfänger "Albatun Tres" aus Spanien, der auf nur einer Fischreise bis zu 3.000 Tonnen Fisch erbeuten und lagern kann.

 

Netze, die bis zu 12 Jumbojets fassen können, und 100 km lange hakenbewehrte Leinen räumen ab, was ihnen in den Weg kommt.

 

Verschwendung von Leben

Einer der schlimmsten Auswüchse der Fischerei ist der Beifang: In den riesigen Netzen verfangen sich neben kommerziell verwertbaren Fischen auch andere Lebewesen, unter anderem Jungfische, Vögel, Schildkröten und sogar Haie und Wale. Tot oder schwer verletzt gehen diese Tiere wieder über Bord. So werden weltweit jedes Jahr bis zu 30 Millionen Tonnen Leben verschwendet. Extrem viel Beifang – bis zu 80 Prozent – erzeugt die Jagd nach Tieren, die im oder auf dem Boden leben, darunter Scholle, Seezunge und Krabben. Dabei werden Grundschleppnetze mit schwerem Geschirr über den Meeresboden gezogen. Sie nehmen alles mit, was dort wächst und krabbelt.

Auch die Treib- und Stellnetzfischerei verursacht unerwünschten Beifang. Eines der Opfer: Schweinswale, die in Europa am stärksten bedrohte Walpopulation. Allein in der dänischen Stellnetzfischerei sterben über 5.000 Schweinswale pro Jahr. Bei der Industriefischerei, in der Nordsee auch Gammelfischerei genannt, werden zum Teil noch lebende Fische, z. B. Sandaal und Sprotte, zu Fischmehl und Fischöl verkocht. Jedes Jahr enden so über 20 Millionen Tonnen Fisch als billiges Futter für Hühner, Schweine oder auch Garnelen und Lachse in der Aquakultur. Für die „Produktion“ von nur einem Kilogramm Lachs können bis zu vier Kilo Fischmehl oder Fischöl nötig sein.

Versagen der Politik

Gesetzliche Fangquoten lagen oft weit über den Empfehlungen von Wissenschaftlern. Weltweit ist die Fangfähigkeit der Flotten zweimal größer als die Fischbestände vertragen können, zerstörerische Fangmethoden werden nicht verboten. Zudem sind Fischereikontrollen auf See und in den Häfen zu selten und die Strafen bei Vergehen zu gering. So unterstützt die Politik das kurzsichtige Verhalten vieler Fischer und der Fischindustrie. Kurzfristiger Profit steht vor langfristigen Erwägungen. Auch im internationalen Fischereimanagement ist das Thema Nachhaltigkeit noch immer die Ausnahme. Und in vielen Regionen der Hohen See, außerhalb der 200-Seemeilen-Zonen vor den Küsten, fehlt ein umfassendes Fischereimanagement. Seit die Küstenmeere leergefischt sind, ist die Hohe See immer häufiger das Ziel von Fischtrawlern.

Fischer, ein Beruf mit Zukunft?

Weltweit sind rund 540 Millionen Menschen in der Fischbranche beschäftigt, EU-weit rund 260.000, bundesweit cirka 40.000 Menschen. Neben den knapp 6.500 Fischern sind das Mitarbeiter von Aquakulturen und Verarbeitungsbetrieben, Beschäftigte im Einzelhandel und in der Verwaltung. Diese Jobs werden zunächst nicht alle zu halten sein, wenn wir in Zukunft verantwortungsvoller mit der Ressource Fisch umgehen wollen. Doch später kann die Zahl der Arbeitsplätze in der Fischerei wieder steigen, denn wir könnten mehr Fisch aus dem Meer holen, wenn wir die Fischbestände nachhaltig nutzen. Wichtig ist die langfristige Sicherung des Nahrungsmittels Fisch, vor allem für Menschen, die es als Grundnahrung benötigen. Das ist in erster Linie die Küstenbevölkerung ärmerer Länder, zum Beispiel Westafrikas.

Mit der systematischen Vernichtung der globalen Fischbestände setzen wir unsere eigene Zukunft aufs Spiel. Greenpeace kämpft für eine nachhaltige Fischwirtschaft und realistische Fangquoten zum Schutz der Weltmeere – dem letzten großen Gemeingut der Menschheit.

Video: Überfischung

Report: Export der Ausbeutung

Der Greenpeace-Report "Export der Ausbeutung" beschreibt die widersprüchliche Fischfangpolitik der EU. Lesen Sie mehr..

Greenpeace-Fischratgeber

Wenn wir morgen noch Fisch essen wollen, brauchen wir heute Meeresschutzgebiete und eine ökologisch nachhaltige Fischerei! Zum Fischratgeber.

 

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