Gefahren für Wale

Infoseite - 15 November, 2010

Das Ökosystem Meer ist aus der Balance geraten, darunter leiden auch die prominentesten Bewohner unserer Meere: Wale und Delfine. Die meisten der Probleme sind direkt vom Menschen verursacht, die Liste ist lang: Verschmutzung, Überfischung und illegale Fischereimethoden, massiver Schiffsverkehr und Unterwasserlärm, Klimaerwärmung und Zerstörung der Ozonschicht, industrielle Ausbeutung bespielsweise durch die Öl- und Gasbohrungen und das Verschwinden ganzer Lebensräume.

Betroffen sind alle der mehr als 80 bekannten Walarten. Einige Walarten befinden sich inzwischen am Rande der Ausrottung wie z.B. der Vaquita oder der Nördliche Glattwal. Der Chinesische Flussdelfin, auch als Baiji bekannt, ist die erste Walart, die aufgrund der verheerenden Umweltsituation von der Menschheit für immer ausgerottet wurde: Der scheue Delfin aus dem Yangste-Fluss gilt seit 2006 als ausgestorben.

Jagd auf große und kleine Wale

Trotz des weltweiten kommerziellen Walfangverbotes ist die tödliche Jagd auf Wale noch nicht Geschichte. Pro Jahr töten norwegische Walfänger mehrere hundert Zwergwale im Nordostatlantik. Japans Walfänger machen unter dem Deckmantel der Forschung im antarktischen Walschutzgebiet jedes Jahr Jagd auf etwa tausend Zwerg- und Finnwale und fangen zudem im Nordpazifik die extrem bedrohten Seiwale sowie Pott- und Brydewale. Im Sommer 2003 nahm auch Island den Walfang wieder auf: Trotz massiver Proteste standen seitdem mehrere Hundert Wale auf der Abschussliste.

Aber auch Delfine und Kleinwale werden gezielt bejagt: Japanische Fischer sind verantwortlich für das Abschlachten von rund 20.000 Kleinwalen pro Jahr z.B. in der Bucht von Taiji. Hunderte Pilotwale sterben in den Treibjagden ('Grindatrap') an der Küste der dänischen Färöer-Inseln.

Als Beifang in den Tod

Jährlich sterben 300.000 Wale, Kleinwale und Delfine als Beifang in der Fischerei. Dabei geht es nicht nur mehr um "delfinsicher" gefangenen Dosentunfisch aus dem tropischen Pazifik. Auch an der französischen und englischen Küste werden jedes Frühjahr hunderte tote Delfine angeschwemmt. Sie sind Opfer der europäischen Fischtrawler, die mit ihren Schleppnetzen auf Seebarsch-Fang gehen. In Nord- und Ostsee ertrinken jährlich Tausende der nur 1,50 Meter großen Schweinswale als Beifang in Stellnetzen. Allein in der Nordsee sterben so jedes Jahr 7000 Schweinswale einen qualvollen Tod.

Der Raubbau an den weltweiten Fischbeständen verschärft die Situation der Wale: Sie verlieren durch Überfischung ihre Nahrungsgrundlage. Häufig werden sie auch als unliebsame Konkurrenten von Fischern getötet.

Wale als Sondermüll

Schwermetalle und Dauergifte aus Industrie, Mülldeponien, Tankerunfällen, Luftverschmutzung und chemische Dünger verschmutzen die Meere zunehmend. Wale stehen am Ende der Nahrungskette und sind den gefährlichen Dauergiften (POPs, Persistent Organic Pollutants) am stärksten ausgesetzt. Gerade in der fettreichen Speckschicht der Meeressäuger reichern sich die langlebigen Gifte an.

Unterwasserlärm

Unterwasserlärm wird verursacht durch Schiffsschrauben, Ölbohrungen, seismische Erkundungen sowie neuartige Ortungssysteme für superleise U-Boote. Der Lärm im Ozean stört die Orientierung der Meeressäuger und ist höchstwahrscheinlich die Ursache für mehrere Massenstrandungen in den letzten Jahren. Wale sind auch bei ihrer Kommunikation untereinander auf ihr Gehör angewiesen. Lärm kann sich negativ auf ihr Beute-, Fortpflanzungs- und Wanderverhalten auswirken. Sehr lauter Unterwasserlärm, wie vom Militär genutzt, kann Wale mit fatalen Folgen in Panik versetzen: Sie tauchen zu schnell auf und sterben an der "Taucherkrankheit" und Muttertiere werden von ihren Jungen getrennt.

Klimawandel und Versauerung

Die negativen Folgen des Klimawandels sind für die Meere bereits zu spüren. Vor allem die Polarregionen werden massiv von dem vorhergesagten Temperaturanstieg des Meerwassers betroffen sein. Die weißen Wale der Arktis - Beluga und Narwal - werden den vorhergesagten Temperaturanstieg des Meeres langfristig wohl nicht überleben. Vom Rückzug des Packeises, das ihnen bisher einen sicheren Schutz bot, profitieren schon jetzt ihre größten Feinde - der Mensch und der Killerwal. Mit ihrer hohen Rückefinne konnten Orcas bis jetzt nicht unter dem Eis in die Arktis vordringen, das ändert sich nun.

Ein bisher fast noch unbekanntes Phänomen ist die Versauerung der Meere: Die steigenden CO2-Werte in unserer Atmosphäre werden auch vermehrt im Meerwasser gelöst. Als Säure behindert das Kohlendioxid allerdings die Schalenbildung des Planktons, das als Grundbaustein allen Lebens im Meer auch die Hauptnahrung für die großen Wale ist z.B. den Blauwal. Greenpeace war 2010 mit einer Schiffsexpedition diesem Phänomen der "Osteoporose im Meer" auf der Spur.

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