Japans Walfang

Infoseite - 15 Februar, 2010
Waljagd unter dem Deckmantel der Wissenschaft

Eine japanische Walfangflotte tötet einen Wal, 2005

Jeden Winter von November bis April ist die japanische Walfangflotte auf dem Weg ins antarktische Walschutzgebiet, um dort nahezu 1000 Wale zu töten. Zusätzlich zu etwa 935 Zwergwalen stehen auch Finnwale auf der Abschussliste, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet gelistet sind. Tatsächlich ist es der japanischen Walfangflotte iim Winter 2009/2010 nun gelungen, 506 Zwergwale und einen Finnwal zu töten. In der Fangsaison 2008/09 wurden 680 Wale in der Antarktis gejagt und zu Walfleisch verarbeitet.

© Greenpeace / Jeremy Sutton-Hibbert

Die Gewässer rund um die Antarktis wurden 1994 durch einen Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC) zum Walschutzgebiet erklärt. Bereits seit 1986 gilt ein weltweiter IWC-Fangstopp für den kommerziellen Walfang. Seitdem tarnt Japans Fischereibehörde die kommerzielle Jagd als Forschung. Denn eine Gesetzeslücke in der „Internationalen Konvention zur Regulierung des Walfanges“ (ICRW) ermöglicht Japan, den im Grunde kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft weiterzuführen: Den Regeln der Konvention zufolge darf jedes IWC-Land Ausnahme-Genehmigungen für wissenschaftliche Untersuchungen erteilen.

Japans "wissenschaftlicher“ Zweck ist, zu „erforschen“, ob die Wale für den Rückgang der Fischbestände in den Ozeanen verantwortlich sind. Tatsächlich ist diese Annahme absurd: Verantwortlich für die weltweit schwindenden Fischbestände die Überfischung durch die Fischfang-Industrie. Es wurde bereits ausreichend - wissenschaftlich untermauert - dargelegt, dass sich die von Japan getöteten Zwergwale hauptsächlich von Krill-Krebsen ernähren - und nicht von Fisch.

Regelmäßig im November läuft das 7.440 Tonnen schwere Fabrikschiff Nisshin Maru in Begleitung von drei Fangschiffen zur Jagd aus. Im April kehren die Walfänger mit mehreren Tausend Tonnen Walfleisch nach Japan zurück, wo es verkauft wird. Die Preise reichen bis zu 300 Euro pro Kilo. Walfleisch ist in Japan somit ein Luxus-Lebensmittel. Dennoch hat die japanische Regierung als PR-Aktion auch Schulkantinen etc. gesponsert, um die junge Generation wieder auf den Geschmack von 'Wal-Burgern' zu bringen.

Die japanische Regierung behauptet, das Walfleisch in Japan ein traditionelles Nahrungsmittel ist. Die japanische Bevölkerung sieht das inzwischen ganz anders: Nur vier Prozent essen regelmäßig Walfleisch. 53 Prozent der Japaner haben seit ihrer Kindheit kein Walfleisch mehr gegessen und 33 Prozent noch niemals.

Im Frühjahr 2008 konnten zwei japanische Greenpeace-Aktivisten aufdecken, dass seit Jahren in der Walfangindustrie Walfleisch zur persönlichen Bereicherung unterschlagen wird. Greenpeace fordert, dass dieser Walfleisch-Skandal offiziell untersucht wird

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