Islands Walfang

Infoseite - 8 Juni, 2009
Island macht Jagd auf hunderte Zwerg- und Finnwale

Seit einigen Jahren haben die isländischen Walfänger ihre kommerzielle Jagd auf Wale wieder gestartet. Dabei werden sowohl Zwergwale als auch geschützte Finnwale gejagt. Island ist damit neben Norwegen eines von nur zwei Ländern weltweit, die offen kommerziellen Walfang betreiben, da sie einen offiziellen Vorbehalt gegenüber dem weltweiten kommerziellen Walfangverbot eingelegt haben (Japan jagt dagegen Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft). Für den Sommer 2010 hat Islands Regierung 200 Zwerg- sowie 175 Finnwale zum Fang freigegeben. Das ist die höchste Quote seit Jahren. Im Sommer 2009 wurden von Islands Walfänger 126 Zwergwale und 81 Finnwalen getötet.

Das Fleisch soll vor allem exportiert werden, da im Land selbst kaum Bedarf besteht. Mögliche Zielländer sind Japan, Norwegen oder die Färöer-Inseln. Im April 2010 fingen Greenpeace-Aktivisten im Hafen von Rotterdam ein Ladung Walfleisch ab, dass nach Japan verschifft werden sollte. Das Fleisch wurde von den niederländischen Behörden entladen, bevor das Containerschiff auslief.

Die von der isländischen Regierung unterstütze Waljagd könnte nicht nur den Ruf des Landes beschädigen, sondern auch einen EU-Beitritt gefährden: Anfang Juli 2010 hat das EU-Parlament in einer Resoultion Island unmissverständlich aufgefordert, dass der Walfang vor einem geplanten EU-Beitritt beendet werden muss. EU-weit gilt ein striktes Walfangverbot.

Wale lebend mehr wert als tot

Besonders entsetzt über die Waljagd zeigte sich auch Islands Ökotourismus-Verband: Seit dem Start der Jagd auf Wale hätten die Walbeobachtungsschiffe Schwierigkeiten Wale zu finden und müssten viel weiter hinausfahren. Für die Tourismusindustrie könnte dies zum finanziellen Disaster werden.Walfang ist keine Lösung für Islands derzeitige Wirtschaftskrise - im Gegenteil, ein auch nur leichter Zuwachs an Touristen, die Island besuchen um Wale zu beobachten, würde deutlich mehr Jobs schaffen und mehr Einnahmen sichern als der Walfang.

Im Jahr 2008 haben 115.000 Touristen an Walbeobachtungsfahrten in Island teilgenommen, über 20 Prozent davon haben eine Expedition zu den Walen als den ausschlaggebenden Grund für ihren Aufenthalt in Island angegeben. Weitere 115.000 Menschen haben bei Greenpeace ein "Versprechen" unterschrieben: Man wolle das Land gern besuchen, aber nur, wenn Island den Walfang stoppt. Das entspricht Tourismuseinnahmen im Wert von 116 Millionen US-Dollar.

Greenpeace fordert die isländische Regierung auf, den Walfang sofort zu beenden.

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