LD-Schlacke

als Straßenbaumaterial

Infoseite - 8 September, 2015
Greenpeace-Stellungnahme zur Frage der Umweltverträglichkeit des Einsatzes von LD-Schlacke als Straßenbaumaterial

Was ist LD-Schlacke und was passiert bisher damit?

LD-Schlacke (=Stahlwerksschlacke) fällt beim sogenannten Linz-Donawitz-Verfahren als unvermeidbares Neben- bzw. Abfallprodukt bei der Stahlerzeugung an. Sie besteht überwiegend aus unbedenklichen mineralischen Bestandteilen (wie Calcium, Silizium und Magnesium), Eisenresten und zu einem kleineren Teil aus Nicht-Eisenmetallen wie z.B. Chrom, das über chromierten Schrott in den Produktionsprozess gelangt. In Österreich fällt diese Schlacke bei den beiden Stahlwerken der voestalpine in Linz und Donawitz an, pro produzierter Tonne Stahl fallen circa 120 bis 150 Kilogramm dieser Schlacke an.

Seit Jahrzehnten wird in Österreich rund ein Drittel der anfallenden LD-Schlacke im Straßenbau verwendet, konkret in gebundener Form in Deck-, bzw. Tragschichten als Alternative zu Hartgestein. Die überwiegenden Mengen an LD-Schlacke wurden dabei im Nahbereich der Stahlwerke in Oberösterreich bzw. der Steiermark verwendet. Die restliche LD-Schlacke wurde auf werkseigenen Deponien der voestalpine abgelagert, wobei diese Deponierung in einer Art erfolgte, dass das Material jederzeit als Baustoff wieder verwendet werden kann.

Das mögliche Problem beim Einbau in Straßendeckschichten

Im Herbst 2012 gab es zahlreiche Medienartikel, die von einer großen Umweltgefahr durch den Straßeneinbau von LD-Schlacke warnten. Konkret wurde behauptet, dass aus dieser Schlacke große Mengen an hochgiftigem, unter anderem krebserregendem, sechswertigen Chrom („Chrom-VI“) entweichen und Österreich daher flächendeckend vergiftet werde.
Im Sinne des Vorsorgeprinzips stoppten daraufhin einige Bundesländer sowie der Autobahnbetreiber ASFINAG den weiteren Einbau von LD-Schlacke. Da jedoch Zweifel an der Sachlage bestanden, wurde Greenpeace um eine unabhängige Meinung gefragt.

Greenpeace-Recherchen

Daraufhin von Greenpeace durchgeführte umfangreiche Recherchen in der österreichischen und internationalen Literatur ergaben keinerlei Hinweise auf eine mögliche Umweltgefährdung durch Chrom-VI. Allerdings gab es auch keine entsprechenden Laboruntersuchungen, die eine konkrete Gefährdung belegen oder ausschließen können. Greenpeace machte daher den Vorschlag, dass das renommierte Umweltbundesamt in Wien mit entsprechenden Untersuchungen beauftragt werde, um die offensichtliche Datenlücke zu schließen.

Beauftragung des Umweltbundesamtes

Im Mai 2013 beauftragte die ASFINAG schließlich das UBA mit der Untersuchung. Konkret wurden 10 Muster von LD-Schlacke sowie vier Straßenbohrkerne, davon jeweils zwei mit und ohne LD-Schlacke analysiert. Das Hauptinteresse lag dabei auf der Frage, wieviel Chrom-VI aus den jeweiligen Proben herauskommt („Eluat-Test“). Um sicherzugehen, nichts zu übersehen, wurden jedoch alle Proben auch auf viele andere giftige Schwermetalle untersucht, die möglicherweise in der Schlacke vorhanden sein könnten. Ebenso wurde der Gesamtgehalt vieler Schwermetalle bestimmt. Um die Unabhängigkeit der Untersuchung zu gewährleisten, war Greenpeace in alle Details der Ausgestaltung der Untersuchung eingebunden.

Die Ergebnisse des Umweltbundesamtes und die Greenpeace-Interpretation

Wie erwartet konnte Chrom-VI im Eluat von allen 10 LD-Proben, jedoch auch in allen vier
Straßenbohrkernen, nachgewiesen werden. Die gefundenen Konzentrationen sind jedoch äußerst gering und lagen bei allen Proben deutlich unter 0,1 mg/kg fester Probe. Interessant war auch, dass ein Bohrkern ohne LD sogar einen höheren Chrom-VI Wert ergab als ein Bohrkern mit LD. Dies ist darauf zurückzuführen, dass auch natürliches Gestein kleine Mengen an Chrom enthalten kann.

Die genauen Zahlen finden sich im Analyseprotokoll des Umweltbundesamtes (PDF).

Trotz des minimalen Nachweises von Chrom-VI kann die Verwendung von LD-Schlacke in gebundener Form als Straßenbaumaterial aus Umweltsicht aus folgenden Gründen akzeptiert werden:

  • Die gefundenen Chrom-VI-Konzentrationen sind als sehr gering zu bewerten. Eine relevante Belastung des österreichischen Grund- und Trinkwassers durch den Einsatz von LD-Schlacke als Straßenbaumaterial kann – auf Basis des derzeitigen Standes der Wissenschaft und der vorhandenen Literatur – mit größter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
  • Auch alle Ergebnisse betreffend die anderen giftigen Inhaltsstoffe gaben keinen Hinweis auf ein vorliegendes Umwelt- oder Gesundheitsproblem.
  • Ein Vergleich mit verschiedensten Chrom-VI-Grenzwerten in Ö, D und CH zeigt, dass die gefundenen Eluat-Konzentrationen deutlich(st) unter allen für den Vergleich herangezogenen Grenzwerten liegen (z.B. Abwassergrenzwert, Grundwasserschwellenwerte, Baustoffgrenzwerte,…). (Anm.: Für Chrom-VI gibt es keinen Trinkwassergrenzwert.)
  • Andere Baustoffe wie Zement enthalten mehr Chrom-VI als LD-Schlacke.
  • Fast das gesamte nachgewiesene Chrom in den LD-Eluaten liegt bereits als Chrom-VI vor. Eine nachträgliche zusätzliche Umwandlung von ungiftigem dreiwertigem Chrom („Chrom-III“) zu Chrom-VI in der Umwelt (z.B. durch Huminsäuren etc.) ist daher äußerst unwahrscheinlich.
  • Aufgrund der bestimmten Eluatwerte in LD-Schlacke (neu) bzw. in altem Straßenbaumaterial ist aus Umweltsicht auch ein Recycling von LD-Schlacken-hältigem Straßenbaumaterial akzeptabel, sofern ein entsprechendes Qualitätssicherungsprogramm durchgeführt wird.
  • Hinzu kommt, dass die ersatzweise Produktion von Primärbaumaterial (Hartgestein) zu einer zusätzlichen großen Umweltbelastung führen würde (Landschaftsverbrauch, Energiebedarf für Gesteinsproduktion etc.). Auch die ersatzweise Deponierung der LD-Schlacke müsste in einer umfassenden Umweltbilanzierung als negativer Faktor berücksichtigt werden.

In jedem Fall notwendig ist aber ein konsequentes Chrom-VI-Monitoring der LD-Schlacke VOR Einsatz im Straßenbau, da rohmaterialbedingt der Chromgehalt schwanken kann, so dass höher belastete Chargen nicht in den Straßenbau gelangen können.

Die voestalpine hat ein solches Monitoring bereits zugesichert. 

Neue Verordnung

Ende Juni 2015 wurde schließlich die neue Baustoffrecyclingverordnung veröffentlicht. Sie ermöglicht nun – bei Einhaltung zahlreicher Vorgaben - wieder einen Einsatz von LD-Schlacke als Straßenbaumaterial. Die meisten Vorschläge von Greenpeace wurden dabei berücksichtigt. So ist zum Beispiel eine lose Schüttung oder ein Einbau in Grundwasserschutzgebieten nicht möglich. 

 

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