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Trinkwasser in Österreich

Infoseite - 26 April, 2011
Sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge ist derzeit für über eine Milliarde Menschen auf dieser Erde unerreichbar. Sie sind damit zu Armut und häufigen Krankheiten verurteilt.

Österreich ist eines der wasserreichsten Länder der Welt. Aber sogar hier kann es lokal zu Wassermangel kommen, wie z. B. fast jeden Sommer im Osten von Österreich. Nicht immer ist dieser Wassermangel naturbedingt. Gewässerregulierungen stören den Austausch mit dem Grundwasser. Flächenversiegelung in Wohngebieten und durch Überlandstraßen macht es dem Boden dort unmöglich, Niederschläge aufzunehmen. Großbauten wie Straßen- und Bahntunnels leiten Bäche ab und unterbrechen Grundwasserströme. Die Intensiv-Landwirtschaft hat einen sehr hohen Wasserverbrauch. All dies kann lokal zu einem starken Absinken des Grundwasserspiegels und in der Folge zu Trinkwassermangel führen.

Gesundes Trinkwasser ist für die meisten, aber nicht für alle BewohnerInnen Österreichs eine Selbstverständlichkeit. Weite Gebiete des Grundwassers, der wichtigsten Quelle für unser Trinkwasser, sind mit Nitrat, Pestiziden oder chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt.

"Quellen" unseres Trinkwassers

Trinkwasser stammt in Österreich zu 49% aus Quellwasser (aus Karst- und Kluftgrundwasser) und zu 50% aus Grundwasser (Porengrundwasser). Nur 1% wird aus Oberflächengewässern gewonnen. Die Reinheit des Grundwassers ist also direkt für die Qualität des Trinkwassers verantwortlich.

Der Großteil der österreichischen Haushalte ist an ein öffentliches Wasserversorgungsnetz angeschlossen, ca. 5,1 Millionen Menschen werden von 185 großen Wasserwerken versorgt, weitere 1,8 Millionen von kleinen Orts-Wasserwerken. Die restlichen ÖsterreicherInnen, ca. 1 Million, beziehen das Trinkwasser direkt aus Quellen und Hausbrunnen.

Wasserverbrauch der österreichischen Bevölkerung

In Österreich werden im Jahr ca. 2 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser verbraucht:

  • 30% davon im privaten Bereich,
  • 70 %von Industrie und Gewerbe.

Jeder Österreicher verbraucht im Durchschnitt 150 Liter Trinkwasser pro Tag. Davon werden nur vier Liter getrunken oder zum Kochen verwendet:

  • 55 Liter verbrauchen das Baden und Duschen,
  • 32 Liter die WC-Spülung,
  • 25 Liter das Wäschewaschen,
  • 8 Liter das Geschirrspülen.

Die ÖsterreicherInnen liegen mit ihrem Wasserverbrauch in Europa im Mittelfeld. Deutschland und Belgien verbrauchen etwas weniger Trinkwasser, Spanien, die Schweiz und Italien mit bis zu 250 Litern wesentlich mehr. Ein US-Amerikaner verbraucht ca. 400 Liter pro Tag.

Einige Zahlen im Vergleich: Ein tropfender Wasserhahn verschwendet ca. 17 Liter täglich, eine rinnende WC-Spülung ca. 40 Liter. Das Präparieren von Pisten mit Kunstschnee verbraucht über 100 Liter Wasser pro m2. Ein Golfplatz braucht so viel Wasser, wie ein Ort mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern.

Qualität unseres Trinkwassers

Die gesetzlichen Regelungen zu Trinkwasser erfolgen im Rahmen des Lebensmittelgesetzes (BGBl. 86/75 bzw. BGBl I 21/2001) durch die Trinkwasserverordnung (TWV) BGBl. II 304 vom 21. August 2001.

Wasser für den menschlichen Gebrauch muss laut dieser Verordnung geeignet sein, ohne Gefährdung der Gesundheit getrunken oder verwendet zu werden. Für Verunreinigung mit Chemikalien, wie Schwermetalle, chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Pestizide gibt es daher Grenzwerte, die im Trinkwasser nicht überschritten werden dürfen.

Trinkwasser muss hygienisch einwandfrei sein. Gefährliche Mikroorganismen, wie Coli-Bakterien, dürfen in Trinkwasser überhaupt nicht vorhanden sein, denn sie können schwere Erkrankungen der Verdauungsorgane verursachen. Dies kann vor allem bei Hausbrunnen oder defekten Wasserleitungen vorkommen.

Bei Quellwasser im Gebirge werden im Sommer in stark touristisch genützten Gebieten oder im Gebiet von Viehweiden manchmal Verunreinigungen mit Krankheitskeimen gemessen.

Die Qualität des Trinkwassers ist in Österreich im Allgemeinen sehr gut. Ungesicherte Mülldeponien und der großzügige Umgang mit Dünger und Pestiziden in der Intensiv-Landwirtschaft haben aber große Grundwassergebiete und damit auch Trinkwasser verseucht. Vor allem Verunreinigungen mit Nitrat und Pestiziden machen es einigen Wasserversorgern unmöglich, sauberes, den gesetzlichen Grenzwerten für Schadstoffe entsprechendes, Trinkwasser zu liefern. Dies ist nur durch problematische Ausnahmegenehmigungen möglich. Sanierungsmaßnahmen, um die Ursachen zu beheben, sind überfällig.

Die schlimmsten Trinkwasserverschmutzer

Im Grundwasser unter einigen alten Deponien in Österreich wurden weiträumige, massive Verunreinigungen mit Chemikalien gemessen. Das größte Problem ist die Verschmutzung eines der bedeutendsten Grundwasserspeicher Mitteleuropas u.a. durch die ehemalige Fischerdeponie im südlichen Wiener Becken. Einige Wasserversorgungsanlagen mussten deswegen aufgelassen werden. An verschiedenen Stellen kommt es, je nach Fließrichtung des Grundwassers, immer wieder zu Verunreinigungen nahe den Grenzwerten.

Auch die III. Wiener Wasserleitung ist davon betroffen. Als größte Gesundheitsgefahr wird die Verunreinigung mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKWs) angesehen. CKWs sind Nervengifte, schädigen Leber und Nieren, einige sind karzinogen.

Problem Intensiv-Landwirtschaft

Der größte Grund- und damit Trinkwasserverschmutzer mit Chemikalien in Österreich ist die Intensiv-Landwirtschaft. Sie ist für die großflächigen Verunreinigungen des Grundwassers mit Nitrat und Pestiziden verantwortlich. In allen Bundesländern außer Salzburg und Tirol gibt es große, durch diese Schadstoffe gefährdete, Grundwassergebiete, insgesamt über 6.500 Quadratkilometer (Vorarlberg und das Burgenland haben zusammen etwa diese Größe).

Grenzwerte

Der Grenzwert für Nitrat im Grundwasser liegt bei 45 mg pro Liter, im Trinkwasser bei 50 mg pro Liter. Außer durch Dünger kann vor allem bei Hausbrunnen die Verunreinigung mit Nitrat auch durch defekte Kläranlagen, zu nahe Sickergruben oder Erdarbeiten in der Nähe verursacht werden.

Der Grenzwert für Pestizide im Grund- und Trinkwasser beträgt 0,1 µg (1 µg = ein Millionstel Gramm) pro Liter für ein einzelnes Pestizid und 0,5 µg für die Summe der enthaltenen Pestizide. Das Umweltbundesamt führt seit 1991 ein österreichweites Grundwassermonitoring-Programm durch. Alle in größeren Mengen eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel finden sich im Grundwasser wieder, viele davon in Mengen über dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert.

Atrazin und seine Abbauprodukte sind die weitaus häufigsten Wasserverschmutzer unter den Pestiziden, obwohl Atrazin in Österreich seit 1995 nicht mehr verwendet werden darf. Der Grund dafür sind der nur sehr langsame Abbau der Pestizide im Grundwasser und in manchen Gegenden auch die illegale Verwendung.

Gesundheitsgefahren durch Nitrat und Pestizide

Nitrat: Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgewandelt. Das Nitrit ist für Kleinkinder und Säuglinge unmittelbar gefährlich und zwar schon in Mengen unter dem gesetzlichen Grenzwert. Es kann durch Oxidation des für den Sauerstofftransport im Blut zuständigen Hämoglobins zu Methämoglobin (Methämoglobinämie) führen. Der Organismus von kleinen Kindern kann Methämoglobin noch nicht schnell abbauen. Eine schlechte Sauerstoffversorgung ist die Folge. Die Vergiftung kann zu blauen Lippen, Händen und Beinen, Kopfschmerz, Atemnot und im Extremfall Ersticken führen. Nitrit ist außerdem karzinogen.

Atrazin steht im Verdacht, karzinogen und erbgutschädigend zu sein. Es ist noch nicht geklärt, ob Atrazin hormonelle Eigenschaften hat. Andere Unkrautvernichtungsmittel wie Bentazon, Pyridate, Metolachlor, Simazin oder Bromacil werden immer häufiger im Grundwasser gemessen. Die meisten dieser Pestizide sind als gesundheitsschädlich und wassergefährdend eingestuft. 

Informationspflicht des Betreibers einer Wasserversorgungsanlage

Die Abnehmer müssen mindestens einmal jährlich über die Analysenergebnisse von Nitrat und Pestiziden informiert werden. Dies kann z.B. auf der Wasserrechnung oder in einer Gemeindezeitung erfolgen. Ist der Abnehmer nicht direkt der Verbraucher, sondern eine Hausverwaltung, muss der Bescheid zur direkten Information der VerbraucherInnen etwa in Gebäuden aufgehängt werden. Die Gemeinde Wien informiert z.B. auf der Rückseite der Wasserrechnung und im Internet unter http://www.wien.gv.at/wienwasser/qualitaet

Hat ein Wasserversorger eine Ausnahmegenehmigung, Trinkwasser abzugeben, in dem Chemikalien über dem gesetzlichen Grenzwert enthalten sind, so muss er die Abnehmer sofort und in der Folge einmal jährlich über Art und Höhe der Verunreinigung und die Sanierungsmaßnahmen informieren. Dabei muss er auch auf mögliche Risiken (z.B. die erhöhte Gefahr für Säuglinge und Kleinkinder durch Nitrit bzw. Nitrat) und entsprechende Maßnahmen hinweisen Ausnahmegenehmigungen können für bis zu 6 Jahre (3 Jahre, verlängerbar um weitere 3 Jahre) erteilt werden.

Werden im Trinkwasser gefährliche Bakterien oder andere Keime gefunden, muss der Verbraucher unverzüglich informiert werden. Maßnahmen zur Sanierung müssen innerhalb von 30 Tagen wirksam sein.

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