Pestizide und Biozide

Infoseite - 27 Dezember, 2010
Pflanzenschutz- oder auch Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) werden hauptsächlich in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. Sie können massive negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben.

Pflanzenschutz- oder auch Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) werden hauptsächlich in der Landwirtschaft, Erwerbsgärtnerei, aber auch in Kleingärten und im Haushalt dazu eingesetzt, Insekten, Milben, Schnecken, Nagetiere, unerwünschte Pflanzen ("Unkraut"), usw. zu bekämpfen. Die meisten Pestizide sind also, um ihre Aufgabe erfüllen können, giftig und umweltschädlich.

Kein Zweig der chemischen Industrie erzeugt so viele giftige, krebserzeugende, erbguts- und fortpflanzungsschädigende Stoffe, die in großen Mengen direkt in die Umwelt ausgebracht werden, wie die Pestizid-Industrie: Jährlich werden weltweit steigende Mengen dieser gefährlichen Chemikalien angewandt, derzeit etwa fünf Millionen Tonnen.

In Österreich beträgt der Pestizidverbrauch rund 3.400 Tonnen pro Jahr. Etwa zwölf Prozent davon, ca. 400 Tonnen, werden im privaten Bereich, in Hausgärten und Haushalten, verbraucht.

 

Welche Pestizide gibt es?

Eine Übersicht der wichtigesten Pestizidarten und ihre Verwendungszwecke:

  • Herbizide - gegen "Unkräuter"
  • Fungizide - gegen Pilzbefall
  • Insektizide - gegen Insekten
  • Akarizide - gegen Spinnmilben
  • Nematizide - gegen Fadenwürmer
  • Molluskizide - gegen Schnecken
  • Rodentizide - gegen Nagetiere
  • Algizide - gegen Algen
  • Wachstumsregulatoren - um z.B. Getreide niedrig zu halten
  • Repellents - zur Abwehr von Wild oder Vögeln
  • Keimhemmungsmittel - gegen z.B. das Austreiben von Kartoffeln

 

Pestizide in Lebensmitteln

Pestizidrückstände finden sich nicht nur in pflanzlicher Nahrung. Tiere, die Pestizide mit der Nahrung aufgenommen haben, geben sie mit dem Fleisch, vor allem mit dem Fett und auch mit der Milch weiter.

In Österreich sind die Mengen an Pestiziden, die z.B. in Getreide, Kartoffeln, Erdbeeren oder Salat, aber auch in Fleisch oder Milch enthalten sein dürfen, für viele, aber längst nicht alle Pestizide gesetzlich geregelt. Regelungen gibt es auch für einige in Österreich verbotene Pestizide, da sie durch deren Langlebigkeit noch in unseren Böden enthalten sein können, oder in Waren aus Ländern importiert werden, in denen diese Pestizide noch erlaubt sind.

Obst und Gemüse aus biologischem Anbau wird prinzipiell sehr streng auf Pestizidrückstände untersucht. Seit 1998 gibt es auch systematische Untersuchungen von Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau auf Pestizidrückstände. Dies geschieht im Rahmen eines EU-weiten Monitoring-Programms. Von den 60.450 Stichproben, die die nationalen Behörden der EU zum Beispiel im Jahr 2004 untersuchten, enthielten 47% messbare Pestizidrückstände. Bei 5 % davon lag die Pestizidbelastung über dem zulässigen Grenzwert. Auch in 2,7 % der untersuchten Babynahrungsmittel waren mehr Pestizide als erlaubt enthalten.

Generell ist importiertes Obst- und Gemüse öfter mit Pestiziden belastet als einheimische Ware. Besonders betroffen sind immer wieder Paprika, Erdbeeren, Salat, Gurken, Tomaten, Marillen und Trauben. Obst und Gemüse ist im Durchschnitt außerhalb der Saison stärker belastet als Saisonware. Der Ausweg aus diesem Problem: Saisonobst und -gemüse aus biologischem Anbau.

 

Gesundheitsgefahren durch Pestizide

Durch Pestizide besonders gesundheitlich gefährdet sind die AnwenderInnen, wie Bäuerinnen und Bauern, Land- und ForstarbeiterInnen, GärtnerInnen und die ArbeiterInnen in Pestizide erzeugenden und verarbeitenden Fabriken. Für diese Gruppe spielt die Aufnahme der Pestizide durch Lunge und Haut eine bedeutende Rolle, besonders wenn keine entsprechende Schutzausrüstung verwendet wird. Sonst nehmen Menschen und Tiere Pestizide hauptsächlich durch Rückstände in der Nahrung auf.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schätzt, dass jährlich 3 Millionen Menschen von schweren akuten Pestizidvergiftungen betroffen sind. Mindestens 20 000 davon enden unmittelbar tödlich, dazu kommen noch tausende Selbstmorde mit Pestiziden. Am meisten gefährdet sind die Menschen in Entwicklungsländern, in denen noch besonders gefährliche Pestizide verwendet werden, die bei uns schon verboten sind und in denen es vielfach kaum Regulierungen für Pestizide und auch keinen ArbeitnehmerInnenschutz gibt.

Die unmittelbar und relativ schnell auftretenden Störungen sind nur ein Teil der Gefährdung, die von Pestiziden ausgeht. Viele Pestizide sind krebserregend, erbgutschädigend und fruchtschädigend, oder stehen im Verdacht es zu sein. Viele Pestizide wurden von Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der US-Umweltbehörde (EPA) oder der EU entsprechend dieser Gefährdungen eingestuft. Ihre Anwendung ist aber deswegen nicht oder nicht in allen Ländern verboten.

Einige Pestizide haben hormonelle Wirkungen, vor allem solche wie weibliche und männliche Sexualhormone. Dadurch kann es zu Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit oder bei Einwirkung auf das ungeborene Kind zu Veränderungen an den Sexualorganen kommen.

 

Umweltgefahren durch Pestizide

Pestizide wirken nicht nur auf den Flächen, auf die sie absichtlich verteilt werden. Bei ihrer Ausbringung werden häufig durch die Abtrift benachbarte Flächen zwangsweise "mitbehandelt", besonders weitläufig bei Wind oder einer Ausbringung vom Flugzeug aus. Ein Teil der ausgebrachten Pestizide verdampft von der Oberfläche der Pflanzen. Wind und Regen verteilen Pestizide außerdem weit über ihr Anwendungsgebiet hinaus. Einige davon, besonders die langlebigen chlororganischen Verbindungen (siehe POPs) wie die Insektizide DDT und Lindan oder das Unkrautvernichtungsmittel Atrazin, sind an so entlegenen Stellen wie unseren Gletschern und den Ozeanen ebenso nachweisbar, wie in der Arktis und der Antarktis, wo im Umkreis von tausenden Kilometern nie Pestizide angewendet wurden. Pestizide gelangen über Niederschläge oder durch Auswaschung aus Böden in Seen und Flüsse, die sie weiter in die Meere transportieren. Die Nordsee und das Mittelmeer enthalten daher teilweise hohe Konzentrationen an verschiedenen Pestiziden. Pestizide sickern durch die Böden und gelangen so ins Grundwasser.

Auch in Österreich ist ein großer Teil des Grundwassers mit Pestiziden belastet, hauptsächlich mit Unkrautvernichtungsmitteln. Atrazin wurde in Österreich 1994 verboten, trotzdem ist es zusammen mit seinen Abbauprodukten immer noch einer der relevantesten Grundwasserverschmutzer.

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