Umweltgefahren durch die PVC-Produktion

Infoseite - 8 Februar, 2011
Die Weiterverarbeitung ihrer hochgiftigen Abfälle bringt der Chlorindustrie große Gewinne: Das Giftgas Chlor fiel ursprünglich als Abfallprodukt an – jetzt wird es weiter zu PVC verarbeitet.

Chlorgas fiel ursprünglich als Abfallprodukt bei der Herstellung von Natronlauge mit der Chlor-Alkali-Elektrolyse an. Dabei wird Kochsalz unter extrem hohem Energieeinsatz in hochgiftiges Chlorgas, Natronlauge und Wasserstoff gespalten. Chlor ist chemisch äußerst reaktionsfreudig und kommt in der Natur nur in gebundener Form (Chlorverbindungen) zum Beispiel als Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) vor.

 

Der Ausgangsstoff: Chlorgas

Das durch die Chlor Alkali-Elektrolyse hergestellte Chlorgas muss - aufgrund seiner hohen chemischen Reaktivität - zwangsläufig Verbindungen mit organischen (d.h. kohlenstoffhaltigen) Substanzen eingehen. Die dadurch entstehenden chlororganischen Verbindungen kommen jedoch in der Natur äußerst selten vor. Gelangen sie ins Ökosystem, können die lebenden Organismen mit diesen Chlororganika nicht fertig werden.

 

PVC-Vorstufe: Vinylchlorid - explosiv und krebserregend

Das im 1. Weltkrieg als Giftgas eingesetzte Chlor wird weiter zu der krebserregenden PVC-Vorstufe Vinylchlorid (VC) verarbeitet. Dabei fallen große Mengen hochgiftiger und krebserregender Abfälle an, die entweder in gefährlichen Sondermüll-Verbrennungsanlagen landen oder weiterverarbeitet werden. VC ist ein leicht entflammbares, explosives und krebserregendes Gas. 95% der VC-Herstellung dienen ausschließlich der Erzeugung von PVC.

Die durch VC-Vergiftung hervorgerufenen Symptome sind vielfältig: Knochenerweichungen, Deformation der Finger, Hautbeschwerden, Impotenz, Kreislaufprobleme, Kurzatmigkeit, Leberschäden bis hin zu einer spezifischen Leberkrebsform ("Angiosarkoma"). In den 1970er-Jahren verursachte der sorglose Umgang mit VC am Arbeitsplatz hunderte von Krebs- und Todesfällen. Trotz wesentlich verbesserter Sicherheitsmaßnahmen setzen die europäischen PVC-Werke noch immer einige hundert Tonnen Vinylchlorid pro Jahr in die Luft frei.

 

Gefährliche Transporte

Vinylchlorid wird international per Bahn, Schiff oder LKW von einer Industrieanlage zur anderen verschickt, wo es dann zu PVC polymerisiert, d. h. umgewandelt, wird. Die mit diesem Transport verbundenen Umweltgefahren stellen eine große Bedrohung für die Gemeinden entlang den Transportrouten dar. Für den Transport wird VC komprimiert und verflüssigt. Jedes Leck kann zu Explosionen führen.

VC ist schwerer als Luft und sinkt daher in Bodennähe ab. Kommt es dort zur Entzündung, schlagen die Flammen sofort zur Leckstelle zurück. Es ist kaum möglich, große VC Brände einzudämmen. Da VC nur in geringem Maße wasserlöslich ist und schnell wieder in den gasförmigen Zustand übergeht, bildet es Schwaden, die über dem Wasser treiben und sich mit der Luft zu extrem explosiven Gasgemischen verbinden. Auch durch Österreich gibt es VC-Transit-Transporte.

 

Problematische Zusatzstoffe

Reines PVC ist chemisch nicht stabil und in dieser Form nicht verarbeitbar und haltbar. Daher müssen dem Roh-PVC verschiedene Zusatzstoffe (Additive) - wie z.B. Weichmacher oder Stabilisatoren - beigefügt werden, um überhaupt ein verwendbares PVC-Endprodukt herstellen zu können. Weitere Additive sorgen z.B. für Farbgebung oder Flammschutz. Bei manchen Produkten werden sogar Biozide eingesetzt, um etwa den PVC-Duschvorhang vor Befall durch Bakterien und Pilze zu schützen. Die beigefügten Additive können über 60 Prozent des Endproduktes erreichen und bergen ihrerseits wieder zahlreiche Gefahren für Mensch und Umwelt.

Weiterhin fällt bei der PVC-Produktion gefährlicher Giftmüll an: schätzungsweise rund zwei Prozent der Produktmasse, insgesamt 40 000 Tonnen im Jahr allein in Deutschland.

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