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Fakten zur Kampagne

Infoseite - 13 Juli, 2011
Bis zu 70% aller Flüsse, Seen und Sammelbecken in China sind von Wasserverschmutzung betroffen. Während unserer aktuellen Untersuchung, haben wir Zusammenhänge aufgedeckt, zwischen mehreren bedeutenden Kleidermarken und Textilfabriken in China, die gefährliche Chemikalien in unserer Flüsse freisetzen.

Darauf nachfolgende Untersuchungen haben Chemikalien in Kleidungsstücken von 14 großen Kleidermarken aufgespürt. Diese Chemikalien setzen sich in Wasser frei, um die selben gefährlichen Chemikalien zu formen, die u.a. giftig und hormonell störend wirken.

Diese Chemikalien sind eine ernsthafte Bedrohung für unsere Gesundheit und die Umwelt, da sie unsere wertvollen Wasserwege rund um den Globus vergiften.

Das Problem

Sauberes Wasser ist nicht nur ein grundlegendes Menschenrecht; es ist die am stärksten bedrohte lebenswichtige Ressource. Die giftigen Chemikalien, die durch die Industrie an Flüsse abgegeben werden, stellen sowohl für die menschliche Gesundheit, als auch für die Ökosysteme eine Bedrohung dar.

 

 

Report "Schmutzige Wäsche"

Eine einjährige Untersuchung von Wasserverschmutzung hat zwei Textilfabriken in China ausfindig gemacht, die eine ganze Reihe an giftigen Chemikalien in den Fluss Yangtze und in das Pearl River Delta freisetzten. Diese Fabriken sind Lieferanten für eine Reihe an Weltmarken, unter anderem Nike, H&M und Lacoste.

Es wurden giftige und beständige Chemikalien mit hormonstörenden Eigenschaften gefunden, die von diesen Fabriken abgelassen wurden. Alkylphenole (inklusive Nonylphenol) wurden in Abwasserproben von beiden Fabriken gefunden, ebenso waren perflourierende Chemikalien (PFC) im Abwasser des Youngor Textilkomplexes aufzufinden. Diese Entdeckungen waren umso schockierender, da in der Youngor Anlage sogar eine modernen Abwasser-Anlage installiert war.

Die Alkylphenole und PFCs die in Proben gefunden wurden, sind Grund für eine ernsthafte Sorge, da diese Chemikalien als hormonell schädigend bekannt sind und bereits in sehr geringem Ausmaße giftig sind. Beide Gruppen an Chemikalien sind menschlich geschaffene Substanzen die sich in der Umwelt nicht abbauen, sondern vielmehr noch gravierender Effekte haben können, da sie sich in der Nahrungskette anreichern können.

Viele giftige Chemikalien werden ebenso in unsere Ozeane, in die Athmospähre und eben unsere Nahrungskette weitergeleitet, um sich an Stellen weit jenseits ihres Ursprungs anzureichern. Sie wurden bereits in den Körpern von Tieren wie Vögeln, Fischen, Walen und Eisbären festgestellt, sogar in menschlicher Muttermilch.

Dem nicht genug, haben unsere Untersuchungen nur zwei von tausenden Industrieanlagen in China abgedeckt. Die Resultate dieser Proben sind also ein Anzeichen von einem viel größerem Problem - eines das über China hinaus und auch jenseits der Textilindustrie angesiedelt ist. Was wir nun benötigen ist eine innovative Führung von Marken, die dazu bereit sind, einen neuen sauberen operativen Weg einzuschlagen. Nur so kann ein Ende von Giftablagerungen in unsere Wasserwege durch die Industrie herbeigeführt werden.

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"Schmutzige Wäsche II"

Weitere Investitionen von Greenpeace haben aufgedeckt, dass KäuferInnen weltweit kontaminierte Kleidung kaufen und damit unbewusst die Wasserverschmutzung vergrößern, indem sie ihre neue Kleidung waschen. Von den 78 Produkten, die in unserem zweiten "Schmutzige Wäsche" Report getestet wurden, wurden 52 davon positiv auf Nonylphenol ethoxylate (NPE) getestet, und zwar über der Nachweisgrenze von 1 Milligram NPE pro Kilogram an Material (mg/kg). Kleidungen von allen außer einer der 15 Marken (GAP, zwei Produkte) haben somit NPE oberhalb der Nachweisgrenze enthalten. Die getestete Kleidung wurde in Shops aus achtzehn Ländern gekauft.

Diese Resultate demonstrieren sowohl das Verwenden von Chemikalien in der Produktion und die konsequente giftige Freisetzung von Chemikalien in die Wasserwege und Flüsse auch über die Grenzen des Herstellungslandes hinaus. Das Problem und die Lösung sind daher nicht nur von lokalem Interesse. Es ist wahrlich ein globales Thema.

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"Schmutzige Wäsche III"

Die Nähe der Gefahr durch giftige Chemikalien in unserer Kleidung ist unabdingbar: Unsere Untersuchungen haben aufgezeigt, dass der Kreislauf die Konsumenten zu unfreiwilligen Komplizen einer Umweltverschmutzung machen: Durch das Waschen von in Asien gefertigten Kleidungsstücken internationaler Marken wird ein signifikanter Anteil dieser Chemikalien freigesetzt und in Flüsse, Seen und Meere gelietet. Für den dritten Teil des Reports wurden 14 der zuvor 78 untersuchten Problen gemäß den simulierten Standardbedingungen einer Haushaltswäsche untersucht.

In EU-Ländern ist die Verwendung von Nonylphenol (NP) und Nonylphenolethoxylaten (NPE) in der Bekleidungsherstellung verboten. Auch die Herstellung technischer Textilien unterliegt strengen Einschränkungen. Ähnliche Regelungen gelten in den USA und Kanada. Mit der Einfuhr und dem Verkauf von jährlich über 881 000 Tonnen Textilien nach Deutschland werden auch viele Tonnen Alkylpheonole bzw. Alkylphenolethoxylate (APE) wie NP und NPE eingeführt. Von den Chemikalien landet ein Großteil in lokalen Gewässern. Laut dem deutschen Umweltbundesamt sind Import-Textilien die größte Einleitungsquelle von NP/NPE in deutsche Gewässer. Dies gilt auch für andere Länder, wie zum Beispiel von Greenpeace Russland erhobene Daten zeigen.

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Chemie für jedes Wetter

Im Herbst 2012 lässt die nächste Untersuchung aufhorchen, auch die Outdoor-Kleidungsindustrie, seit Jahren durch den Hype um ein chemisches Wettrüsten für noch "bessere" Materialien beherrscht, kann sich dem gruseligen Chemikalienmix nicht entziehen. In dieser aktuellen Untersuchung fand Greenpeace in 14 Outdoor-Textilien u.a. hormonell wirksame Stoffe, darunter auch in zwei in Österreich gekauft Kinderjacken der österreichischen Marken Northland (Graz) und Seven Summits (Eigenmarke von Intersport Eybl).

Zeichen des Fortschritts

Die globale Textil-Zulieferkette kann schwer zu entwirren sein. Es gibt zahlreiche Firmen, Geschäfe und Länder die involviert sind - und sie alle teilen die Verantwortung für das Freilassen dieser gefährlichen Chemikalien. Doch normalerweise ist es die Marke, die einen Produktentwicklungsprozess auslöst, inklusive Forschung und Planung. Markenbesitzer sind daher die bestmöglichen Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Produktion von Textilien und Kleidung zu ändern - durch ihre Wahl der Lieferanten, dem Design ihrer Produkte und ihrer Kontrollmöglichkeit können sie Druck ausüben darüber, welche Chemikalien im Produktionsprozess und im finalen Produkt landen.

Im Juli 2011 hat Greenpeace damit begonnen, die weltweit führenden Sportmarken zum Wettkampf um den Champion einer giftfreien Zukunft aufzufordern. Nicht allein sind diese Marken selbsternannte Führer und Innovatoren, sie haben auch die Größe und den Einfluss mit ihren Zulieferern zusammenzuarbeiten, um so echte Veränderungen zu manifestieren, indem sie die Verwendung und das Freisetzen von giftigen Chemikalien unterbinden.

Mit Ende August 2011 haben Nike, Adidas und Puma sich öffentlich dazu bereit erklärt, alle giftigen Chemikalien über ihre gesamte Zulieferkette und ihrer gesamten Produkt-Lebensdauer bis 2020 zu verbannen.

H&M hat im September mit diesen Zustimmungen mehr als nur mitgezogen, indem der weltweite Kleiderriese sich ebenso bereit erklärte, Informationen über die verwendeten Chemikalien seiner Zulieferer zu veröffentlichen. Die erste Runde dieser Informationen werden zum Jahresende 2012 offengelegt, sie werden die Hauptlieferanten von H&M in China und anderen Ländern inkludieren.

Diese vier Firmen, nachdem sie individuelle Zugeständnisse gemacht haben und durch ihr Ziel mit dem gesamten Textilsektor besser und engagierter zusammen zu arbeiten, haben einen gemeinsamen Prozess gestartet und einen "Strategieplan, um das Freisetzen von giftigen Chemikalien zu stoppen" definiert. Während diesem Prozess sind zwei weitere Konzerne dazugestoßen, die ebenso zugestimmt haben, bis 2020 das gleiche Ziel zu erreichen - der chinesische Sportkleidung-Hersteller Li-Ning und der Modehändler C&A.

Mit Mitte November haben diese sechs Firmen einen Entwurf vorgelegt, der jene Schritte aufweist, die sie unternehmen werden um ihre Zugeständnisse auch zu erfüllen, und um auch andere dazu einzuladen, diese proaktiven Entwicklung im Modebereich zu unterstützen.

Über den Entwurf des Strategieplans wurde bereits im Winter 2011 beraten. Von einer Schlüsselgruppe an Interessensvertretern wurde daraufhin ein Feedback erbeten, auch war dieser Entwurf offen für Kommentare der Öffentlichkeit bis Ende 2011.

Während Greenpeace diese Initiative begrüßt, dass die Firmen kollaborativ das Problem angehen, unterschätzen diese potentiellen "giftfreien Champions" der Textil- und Bekleidungsindustrie ihr wahres Potenzial im derzeitigen Entwurf, gemeinsam den Sektor weiterzuentwickeln. Sie müssen noch konkrete und glaubhafte Elemente schaffen, die auch der Öffentlichkeit ihren Fortschritt und ihre Führungsposition vermitteln kann.

Eine detailierte Analyse des Strategie-Entwurfs und jener Elemente, die die Marken noch inkludieren müssen, um wahre Champions einer giftfreien Zukunft zu werden, können hier heruntergeladen werden.

Lösungen

Greenpeace ruft alle Kleidungsfirmen dazu auf, eine giftfreie Zukunft in Angriff zu nehmen, indem sie mit ihren Zulieferern zusammen arbeiten, um das Freisetzen von gefährlichen Chemikalien innerhalb der gesamten Liefer- und Produktkette zu unterbinden. Dafür ist folgendes notwendig:

  • Entwerfe eine bessere Welt: klare Firmen- und Zulieferer-Richtlinien müssen geschaffen werden, die den Schritt von giftigen zu ungefährlichen Chemikalien mit klaren und realistischen Zeitperspektiven vorgeben.
  • Lasse den Worten Taten folgen: Auf die Dringlichkeit der Situation muss entsprechend reagiert werden, indem reale und substanzielle Aktionen gesetzt werden, z.B. durch Priorisierung der schlimmsten Chemikalien und einer sofortigen Eleminierung dieser
  • Mache Transparenz zur Modeerscheinung: Daten müssen öffentlich bereitgestellt werden - wer sind die Zulieferer, was steht auf der Liste an verbotenten Substanzen und welche gefährlichen Substanzen werden durch diese Zulieferer freigesetzt. Sonnenlicht ist ein mächtiges Disinfektionsmittel!
  • Setze den Trend: Sobald ihre individuellen Zugeständnisse in Kraft treten, können einflussreiche Firmen auch die Macht entwicklen, Veränderungen über den gesamten Sportartikelbereich und den Modebereich herbeizuführen, indem sie mit anderen zusammenarbeiten.

Wir bei Greenpeace fokussieren unserer Ressourcen darauf, die dringliche Thematik der Freilassung von giftiger Chemikalien in unsere Wasserwege in Angriff zu nehmen. Wir sind uns aber dennoch über viele andere ernsthafte und dringliche Probleme der Textilindustrie bewusst, die angegangen werden müssen. Sie können mehr über diese Themen und was man dafür unternehmen kann über Organisationen wie UNICEF, Oxfam und Save the Children herausfinden.

Für aktuelle Neuigkeiten darüber, welche Firmen mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden, können Sie marktcheck.at aufsuchen.

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