Chronologie der Ereignisse in Kolontár

Infoseite - 29 September, 2011
Ein Jahr nach der Giftschlamm-Katastrophe. Was geschah seit dem 4. Oktober 2010:

Später Nachmittag des 4. Oktober 2010

Im westungarischen Ajka ereignet sich eine der größten Umweltkatastrophen in Europa der letzten Jahrzehnte. Am späten Nachmittag bricht ein Rotschlammbecken der Aluminiumfirma MAL AG und 700.000 Kubikmeter giftigen Rotschlamms verwüstet Felder, Flüsse und die zwei Orte Kolontar und Devecser. Zehn Menschen kommen ums Leben, mehr als hundert werden verletzt.

5. Oktober 2010

Greenpeace entsendet als erste Nichtregierungsorganisation ein internationales Team in die Unglücksregion, um den Unfall zu dokumentieren und Proben zu nehmen. Dem Team gelingt es unter anderem, eine Probe reinen Rotschlamms zu ziehen. Die Auswertung übernimmt das Labor des Umweltbundesamtes in Wien.

8. Oktober 2010

Greenpeace veröffentlicht die Ergebnisse der Rot-schlammanalyse im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Die Analyse zeigt: Der Rotschlamm enthält nicht nur wie erwartet hohe Mengen an Aluminium und Eisen, sondern unter anderem auch hohe Mengen an giftigem Arsen und Quecksilber. Zu diesem Zeitpunkt schweigen die ungarischen Behörden noch über die Zusammensetzung des Rotschlamms.

12. Oktober 2010

Greenpeace schlägt erneut Alarm. Eigene Feinstaubmessungen ergeben extrem hohe Konzentrationen an Feinstaub. Die Ursache dafür ist, dass der Rotschlamm zu trocknen beginnt und durch Wind und Fahrzeuge aufgewirbelt wird. Greenpeace beauftragt die Uni Wien mit einer Korngrößenanalyse des Schlamms, um mehr Klarheit über das Feinstaubproblem zu erhalten.

15. Oktober 2010

Die Ergebnisse der Korngrößenanalyse liegen vor. Der Rotschlamm besteht zu rund 70 Prozent aus Teilchen, die kleiner als zwei Mikrometer sind. Es besteht somit unmittelbare Gesundheitsgefahr für die BewohnerInnen der Region. Auch eine überregionale Verfrachtung ist zu befürchten.

17. Oktober 2010

Greenpeace ist fassungslos: Die MAL nimmt den Vollbetrieb wieder auf. Der anfallende Rotschlamm wird in ein kleines Ersatzbecken gepumpt. Verlässliche Informationen über dessen Sicherheit gibt es nicht.

26. November 2010

Greenpeace veröffentlicht die Ergebnisse von rund 20 Umweltproben aus der Unglücksregion. Vor allem Brunnenwasser und das Abwasser aus der laufenden Produktion des Werkes sind sehr stark mit Arsen belastet. Entwarnung gibt es für das öffentliche Trinkwasser.

8. Februar 2011

Greenpeace-AktivistInnen entdecken bei einer regelmäßigen Vor-Ort-Kontrolle neuerliche Abwassereinleitungen durch das Aluminiumoxidwerk. Analysen zeigen erneut eine hohe Belastung mit Schadstoffen.

Anfang März 2011

Die MAL AG stellt endlich auf das Trockenverfahren um. Das heißt, dass der Schlamm von da an vor der Deponierung im Werk entwässert wird.

© Rene Huemer / Greenpeace

Frühling/Sommer 2011

Die ungarischen Behörden bemühen sich, die Spuren der Katastrophe verschwinden zu lassen. Die Häuser, die von der Flut erfaßt wurden, werden abgerissen, der Schlamm wird von den Feldern abgetragen oder eingepflügt und neue Häuser werden errichtet.

Mitte September 2011

Die ungarische Regierung verhängt über die MAL AG eine Rekordstrafe von knapp 466 Millionen Euro. Da die MAL AG Berufung angekündigt hat, muss diese Strafe jedoch noch von den Gerichten bestätigt werden.

28. September 2011

Greenpeace veröffentlicht erneut Analyseergebnisse, diesmal von Flusswasser, Boden und einer Maispflanze. Die Schadstoffkonzentration im Fluss Torna, der durch die Unglücksregion führt, ist auch ein Jahr nach der Rotschlammkatastrophe immer noch überdurchschnittlich hoch. Besonders auffällig ist der für Fische hoch giftige Aluminiumgehalt. Auch in Boden- und Mais-Proben wur-den nach wie vor Giftstoffe gefunden, die Konzentrationen sind jedoch angesichts der Dimension der Katastrophe verhältnismäßig gering.

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