Infoseite - 27 Dezember, 2010
"Bio"-Treibstoffe sind eine weitere starke Bedrohung der Urwälder. Für den Treibstoffhunger in den Industriestaaten werden Soja-Plantagen gesetzt. Denn längst schon gibt es nicht genug einheimische Pflanzen - in Österreich beispielsweise Raps - um den Bedarf zu decken.
Soja-Plantage in Brasilien für Agro-Treibstoffe - auf Kosten des Regenwaldes.
© Greenpeace / Rodrigo Baléia
Immer mehr Urwälder werden abgeholzt, um Platz für gigantische Sojaplantagen zu schaffen. Auch Österreich zwingt durch die bestehende Beimischungspflicht Mineralölkonzerne, den Diesel mit Pflanzen-Diesel zu versetzen. Dies führte dazu, dass an den heimischen Tankstellen nur mehr beigemischter Diesel angeboten wird. Da es aber nicht ausreichend einheimischen Raps gibt, um den Bedarf zu decken, greifen die Ölkonzerne auf andere Agro-Diesel zurück - mit fatalen Folgen für das Klima.
Den klimaneutralen Biosprit gibt es nicht. Richtig ist, dass bei der Verbrennung im Automotor nicht mehr Kohlendioxid frei wird, als die Pflanze aufgenommen hat. Doch beim Anbau der Pflanzen und der Herstellung des Kraftstoffs fallen große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen an. Düngemittelherstellung, Stickstoffverluste, der Einsatz von Traktoren und Erntemaschinen setzen Kohlendioxid frei, die Ernteprodukte müssen transportiert und weiterverarbeitet werden, ehe sie als Kraftstoff eingesetzt werden können.
Gegen Agro-Diesel aus Sojapflanzen spricht neben der geringen Energieeffizienz vor allem der hohe Flächenverbrauch: Pro Hektar Sojafläche werden nur rund 500 Liter Kraftstoff erzeugt. Zum Vergleich kann man mit Raps bereits 1.550 Liter je Hektar erzielen. Um also ein Auto (mit einer Fahrleistung von 15.000 km und einem Spritverbrauch von 8 Litern) ein Jahr fahren zu können, müssten demnach 2,4 Hektar Soja angebaut werden. Für diese Anbaufläche wird zusätzliches Ackerland benötigt. Im Falle Südamerikas wird es entweder durch Umbruch von Grünland oder durch Brandrodung gewonnen. Beides verursacht einen enormen Ausstoß an Klimagasen.
Statt auf Agrotreibstoffe zu setzen, sollte lieber alles unternommen werden, um den motorisierten Verkehr einzudämmen und den Spritverbrauch der Autos zu reduzieren.