Rainbow Warrior II

Infoseite - 28 Mai, 2010
Einen Regenbogen kann man nicht versenken

Die Rainbow Warrior 2006 in Dubrovnik/Kroatien während der Konferenz der Internationalen Kommission für die Erhaltung der Tunfischbestände im Atlantik ICCAT.

© Greenpeace/Teresa Novotny

Die Rainbow Warrior II ist die Nachfolgerin des legendären Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior. Sie wurde am 10. Juli 1989, dem 4. Jahrestag des Bombenattentates, mit dem Slogan "Einen Regenbogen kann man nicht versenken" in Dienst gestellt.

1987 zahlte die französische Regierung 8,17 Millionen US-Dollar an Entschädigung an Greenpeace. Mit diesem Geld wurde der alte Nordsee-Trawler Grampian Fame gekauft und in einer eineinhalbjährigen Umbauphase in einer Hamburger Werft in einen Dreimast-Motorsegler verwandelt. Um 11 Meter verlängert und mit einem computergesteuerten Segel-Motor-Antrieb ausgerüstet, setzte es neue Maßstäbe in der Schiffstechnologie: Mit ihm sollte es den Pazifik notfalls auch ohne Treibstoff überqueren können. Die Mission des Greenpeace-Flagschiffes war klar: Verbrechen gegen die Umwelt auch in abgelegenen und nur schwer erreichbaren Gegenden aufzudecken. Trotz geringen Treibstoffverbrauchs ist die Rainbow Warrior II recht schnell, wendig und flexibel einsetzbar.

Podcast Teil 2 - Die Rainbow Warrior II

Die Rainbow Warrior II by GreenpeaceDe

 

Chronologie der Einsätze

1989 Hamburg/Deutschland – Der alte Nordseetrawler Grampian Fame wird auf einer Hamburger Werft verlängert und mit einem modernen Segel-Motor-Antrieb
ausgerüstet. Stapellauf der Rainbow Warrior II am 10. Juli.

1990 Great Barrier Island/Neuseeland – Erster Einsatz der Rainbow Warrior II: Im Pazifik spürt sie Treibnetzfischer auf und blockiert ein Tankschiff der
Fischereiflotte bei Great Barrier Island.

1992 Rio de Janeiro/Brasilien – Die Rainbow Warrior II zeigt beim Erdgipfel in Rio Flagge, es folgen Aktionen gegen Urwaldzerstörung am Amazonas.

1995 Moruroa/Südsee – Die Rainbow Warrior II segelt an der Spitze einer großen Protestflotte gegen die von Frankreich angekündigte Wiederaufnahme der Atomwaffentests. Am 9. Juli wird sie von einem Boot der französischen Marine gerammt und unter Einsatz von Tränengas geentert. Im September dringt die reparierte Rainbow Warrior erneut in die Zwölf-Meilen-Zone von Moruroa ein – und wird wieder gestürmt (Foto). Die Brutalität der Franzosen hat beinahe schon Tradition: Nach den Angriffen auf David McTaggart und seine Jacht Vega in den 70er-Jahren und dem Bombenanschlag auf die Rainbow Warrior ist dies das abschließende Kapitel einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung. Denn bald darauf werden die Atomtests eingestellt.

1998 Nicaragua – Nach dem Hurrikan Mitch beteiligt sich die Rainbow Warrior II an einer humanitären Aktion und verteilt Hilfsgüter.

2003 Valencia/Spanien – Bei einer friedlichen Aktion gegen Urwaldzerstörung in Afrika entern spanische Sicherheitskräfte die Rainbow Warrior II und setzen sie wochenlang fest. Die völlig überhöhte Kautionsforderung wird erst nach weltweiten Protesten gemindert. Der Willkürakt ist offenbar die „Rache“ für eine vorangegangene Aktion gegen den Irakkrieg und das US-Kriegsschiff Cape Horn vor dem spanischen Marinestützpunkt Rota.

2003 Mumbai/Indien – Im Dezember hält die Polizei die Rainbow Warrior II im Hafen von Mumbai fest. Das Schiff hatte zuvor in indischen Gewässern Schrottschiffe aufgespürt, die unter katastrophalen Bedingungen am Strand von Alang abgewrackt werden.

2005 Aceh/Indonesien – Nach dem verheerenden Tsunami transportiert die Rainbow Warrior II 450 Tonnen Lebensmittel und Hilfsgüter nach Aceh (Nordsumatra).

2006 Libanon – Noch während der Bombardierung des Libanon durch israelische Flugzeuge transportiert die Rainbow Warrior II für Ärzte ohne Grenzen Hilfsgüter von Zypern nach Beirut.

2006 Marseille/Frankreich – Am 23. August umzingeln Tunfischfänger die Rainbow Warrior II vor der Hafeneinfahrt. Kapitän Mike Fincken notiert: „23 sehr große, sehr moderne und sehr wütende Fischerboote umzingeln uns, mit auf uns weisendem Bug. Von oben muss es aussehen wie ein maritimes Mandala.“ Am nächsten Tag bedrohen und entern Fischer die Rainbow Warrior II. Schließlich schleppt die französische Marine das Greenpeace-Schiff aufs Meer.

 

Erfolge

In den 30 Jahren ihres Einsatzes haben Greenpeace-Aktivisten und Besatzungsmitglieder an Bord der Rainbow Warrior II zahlreiche spektakuläre Aktionen durchgeführt. Hier ein paar der wichtigsten Kampagnen-Erfolge, die mit Hilfe der Rainbow Warrior II erzielt werden konnten.

Frankreich stellt Atombomben-Tests ein

1995, kurz vor dem 10. Jahrestag des Bombenattentates auf die alte Rainbow Warrior und unmittelbar vor dem 50. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima und Nagasaki, verkündet Präsident Jacques Chirac, dass Frankreich seine Atombombentests im Moruroa-Atoll im Südpazifik wieder aufnehmen will. Die Rainbow Warrior segelt an der Spitze einer riesigen Flotte zum Testgelände im Südpazifik, um gegen die Wiederaufnahme der französischen Atombomben-Tests zu protestieren. Bei der Protestfahrt erlebt die Rainbow Warrior wohl einige ihrer dramatischsten Momente: Am 9. Juli 1995 wird sie von der französischen Marine gerammt und unter Einsatz von Gewalt und Tränengas geentert. Die Greenpeace-Besatzung wird verhaftet und deportiert, aber der Rest der Protest-Flotte kann den Protest fortsetzen. Die weltweite Empörung zwingt Frankreich im Januar 1996 dazu, die Tests einzustellen.

Basler Abkommen zur Schiffsabwrackung

Im Jahr 2004 patrouilliert die Rainbow Warrior vor Indien, um Schrottschiffe zu dokumentieren, die unter untragbaren Bedingungen am Strand von Alang verschrottet werden. Greenpeace kann nachweisen, dass mit Giftmüll verseuchte Schiffe ohne Umweltauflagen oder Schutzmaßnahmen für die beteiligten Arbeiter abgewrackt werden. Der Großteil der Schiffe stammt aus Industrieländern, sie enthalten in der Regel toxische und krebserregende Stoffe wie Asbest, PCB und Schwermetalle. Eigentlich ist der Giftmüll-Export in Entwicklungsländer wie Indien verboten, aber skrupellose Schiffsgesellschaften nutzen - mit Duldung der Regierungen hierfür Schlupflöcher und Graubereiche in der internationalen Gesetzgebung. Nach akribischen Recherchen und Lobbyarbeit beschließen die Regierungen unter dem Abkommen der Basler Konvention, dass zur Verschrottung vorgesehene Schiffe in Zukunft als Giftmüll behandelt werden und nur unter strengen Auflagen exportiert werden dürfen.

Klimawandel und Energie-(R)Evolution

Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für unseren Planeten. Der Rückgang der Gletscher ist dabei das deutlichste Zeichen für die globale Erwärmung. Doch Gletscher sind mehr als nur faszinierende Landschaften: Rund um die Welt sind sie eine Süßwasserquelle für Millionen von Menschen, Tiere und Pflanzen. Im Jahr 2002 dokumentiert die Rainbow Warrior den schnell voranschreitenden Gletscher-Rückzug an den Küsten Norwegens. Mit der Energy [R]evolution - Studie stellt Greenpeace in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Rat für Erneuerbare Energie einen ersten Entwurf zur Halbierung der C02-Emissionen bei steigendem Energieverbrauch dar.

Rettet die Urwälder vor Palmöl-Plantagen

November 2007: Die Rainbow Warrior blockiert in Indonesien drei Tage lang einen Tanker, der 33.000 Tonnen Palmöl geladen hat. Die Aktion ruft ein riesiges Medienecho hervor und löst einen Sturm der Entrüstung aus. Millionen Menschen wird vor Augen geführt, wie in Indonesien Regenwälder zerstört werden, nur damit in Plantagen Palmöl für Produkte wie Seifen oder Biskuits produziert werden kann. Allein in der indonesischen Provinz speichern die Torf-Wälder 14,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid was dem Treibhausgas-Ausstoß der ganzen Erde in einem Jahr entspricht. Die Rodung und Trockenlegung der Urwälder Indonesiens setzt aber nicht nur massive Mengen an C02 frei, sie zerstört auch den natürlichen Lebensraum vieler Menschen und Tiere.

Die Greenpeace-Kampagne führte dazu, dass das Problem der Palmöl-Plantagen von den Medien aufgegriffen und zum Thema in der Öffentlichkeit wird.

Gegen die Kohleindustrie

Die Rainbow Warrior nimmt im Oktober 2008 an einer Aktion im englischen Kingsnorth teil. Der Energieversorger E.ON plant hier ein neues Kohlekraftwerk, das erste in Großbritannien seit 30 Jahren. Nach Umgehen der Polizeiblockade gelingt es, mit der Rainbow Warrior den Kohlehafen zu blockieren und 30 Aktivisten abzusetzen. Jeder Aktivist trägt die Flagge der Länder, die zusammen pro Jahr weniger C02 emittieren als das geplante Kraftwerk.

Nach einer intensiven Greenpeace-Kampagne, breiten Protesten und Verhandlungen vor Gericht gibt E.ON schließlich bekannt, die Pläne für den Bau des Kohlekraftwerkes für drei Jahre auf Eis zu legen.

Meere brauchen Schutzgebiete

Die Rainbow Warrior war sowohl 2006 als auch 2009 für den Schutz der Meere im Mittelmeer unterwegs. Auf Patrouillenfahrt gegen Piratenfischerei konnte sie im Juli 2009 vor Sizilien den Einsatz von illegalen Treibnetzen durch den italienischen Fischer Frederica II dokumentieren.

Treibnetze sind auch als Wände des Todes bekannt, da sie große Mengen an Beifang z.B. Wale, Delfine und Schildkröten töten. Sie sind seit mehreren Jahren durch die UN und die EU verboten. Die Crew der Rainbow Warrior verfolgte den Piratenfischer Frederica II bis die italienische Küstenwache eintraf. Neben dem verbotenen Treibnetz wurden weiterhin eine nicht lizenzierte Langleine sowie 12 Schwertfische und 14 zu kleine Blauflossentunfische konfisziert.

Die Bestände des Blauflossentunfisches im Mittelmeer sind vom Aussterben bedroht. Als Teil der Greenpeace-Kampagne für ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten in 40% der Meere ist die Rainbow Warrior mehrmals im Mittelmeer unterwegs um die verheerende Überfischung von Blauflossentunfisch zu dokumentieren. Im November 2006 segelt die Rainbow Warrior zur Jahreskonferenz der Internationalen Tunfischkommission ICCAT nach Kroatien.

Der Empfang durch Medien und Bevölkerung beim ersten Besuch eines Greenpeace-Schiffes in Kroatien ist überwältigend. Den Besatzungsmitgliedern und den Aktivisten von Greenpeace CEE gelingt es die Rainbow Warrior vor dem Konferenzhotel und direkt unter den Augen der Delegierten mehrere Tage auf- und abzusegeln. Der Grundstein für einen besseren Schutz des Blauflossentunfisches ist gelegt. Der darauffolgende Kampagnenschwerpunkt führt Ende 2009 dazu, dass Monaco beim Washingtoner Artenschutzabkommen CITES einen Antrag auf ein internationales Handelsverbot einreicht. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zwingt u.a. die EU-Kommission, Frankreich und Italien dazu den Antrag zu begrüßen. Der CITES-Antrag wird im März 2010 in Doha verhandelt.

 

Cross-Section & Deck Plan

Daten und Fakten

Schiffstyp: Motorsegler
Baujahr/Ort: 1957, Selby/UK
Kauf: 1987
Im Einsatz: seit 1989
Rufzeichen: PC 8024
Heimathafen: Amsterdam, Niederlande
Länge: 55,20 m
Breite: 8,54 m
Höhe: 41 m
Tiefgang: 4,60 m
Tonnage: 555 BRT/ 166 NRT
Geschwindigkeit: 13 Knoten
Segelgeschwindigkeit: 5-7 Knoten durchschnittlich
Segelfläche: 650 m2, Dreimast-Gaffeltakelung
Motoren: 2 Dieselmotoren Deutz M.W.M. (2 x 6 Zylinder, 2 x 500kW)
Motorreichweite: 9.000 Seemeilen (2 Motoren, 3000 L/Tag)
Crew: 15 (max. 30) Personen
Schlauchboote: 1 Außenbord-Hartschalenboot, 4 Schlauchboote

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