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Die Gründer

Infoseite - 19 Jänner, 2004
In "English Bay", Vancouver, wurde die erfolgreichste Umweltorganisation der Welt von einem Dutzend Frauen und Männern aus der Taufe gehoben.

Ihren Prinzipien – Gewalt­freiheit und direkte Aktion – folgt Greenpeace bis heute weltweit.

Im Jahr 1996, 25 Jahre später, sind die Pioniere der ersten Stunde stolz auf das, was sie erreicht haben: Dorothy Stowe (75), die Witwe von Irving Stowe, Dorothy Metcalfe (64), Jim Bohlen (70) und Bob Hunter (54).

Hier folgend lassen die Regenbogen-Krieger der ersten Stunde Revue passieren, wie alles anfing. Und stellen fest: Wer Greenpeace einmal in sich trägt, wird es nicht mehr los ...

 

Wie alles begann

Bob: Meine Güte, Jim . Ich habe dich das letzte mal vor fünf Jahren gesehen, bei der 20-Jahr-Feier. Bist du's wirklich?

Jim: Paß auf, du, Ich bin zwar älter geworden, aber immer noch der Alte.

Bob: Mich hast du ja auch nicht gleich erkannt.

Jim: Stimmt, ich dachte: "Wer ist der Kerl?"

Bob: Die Erscheinung verändert sich, dafür beginnt der Charakter sich langsam zu formen. Bevor wir ganz verschwinden, wachsen wir noch einmal zur größten Größe. Wie eine Super-Nova.

Jim: Charmant. Man freut sich doch mehr auf die Apokalypse als auf den langsamen Verfall. Übrigens: Das Buch, das du da in der Tasche trägst, den "Rogue Primate", lese ich auch gerade. Aus einer Unzahl möglicher Bücher haben wir beide dasselbe ausgewählt. Einmal geeicht, senden wir immer noch auf der gleichen Wellenlänge.

Bob: Nicht geeicht. Zusammengeschweißt, auf der Greenpeace alias Phyllis Cormack.

Jim: Du meinst, du hast meine Achselhöhlen noch genauso in der Nase wie ich deine? Ich könnte heute noch jeden an seinem Geruch erkennen, so eng haben wir an Bord gehaust.

Dorothy: Ihr seid natürlich schon dabei, wie alles anfing. Eigentlich ging alles in diesem Haus los. Ich sehe Irving jetzt noch auf dem Bett sitzen, das Telefon in der Hand, und jemand erzählt ihm von diesem bevorstehenden amerikanischen Atomtest auf Amchitka. Die Aleuteninsel sei ein wichtiger Lebensraum für Seeotter, die durch den Test gefährdet seien, weil ihre Trommelfelle durch die Explosion platzen könnten. Diese Vorstellung versetzte Irving ebenso in Aufruhr wie die Atomtests selbst. Also rief er Jim an.

Bob: "Jim, tu was!"

Jim: Der Rest ist Geschichte.

Dorothy: Noch nicht.

Jim: Irving rief mich an, weil ich Chef des "Sierra Clubs 1" von British Columbia war. Aber unsere Zentrale in San Francisco wollten keine Kampagne gegen die Atomtests. Also gründeten wir - Paul Cote, Irving Stowe und ich samt Frauen - eine Splittergruppe, das "Don't Make A Wave-Committee", die Keimzelle von Greenpeace.

Dorothy: Die Bohlens und wir Stowes waren ja schon lange in der Friedensbewegung aktiv.

Jim: Auch Paul Cote war schon bei den ersten Atomtest-Protesten 1969 an der Grenze zwischen USA und Kanada dabeigewesen. Bob hatte darüber berichtet und war seither mit uns in Kontakt. Trotzdem mußten wir ihn richtig überreden, nach Amchitka mitzukommen.

Bob: Ich mußte schließlich täglich eine Kolumne für die "Vancouver Sun" schreiben.

Jim: Eine Hippie-Kolumne. Aber Bob war als Medienmann sehr wichtig für uns. Von zwölf Crewmitgliedern war die Hälfte Journalisten. Wir haben von Anfang an viel für die Medien getan, zum Beispiel für den kanadischen Fernsehsender CBC: Wir waren schon fast aus dem Hafen, als deren Kamerateam verspätet auftauchte. Was haben wir getan? Kehrtgemacht und ein zweites Mal abgelegt.

Dorothy: Irving blieb klugerweise zuhause, er hatte ja damals schon Krebs, was keiner wußte, und starb nur drei Jahre später.

Jim: Irving hat an Land wie verrückt gearbeitet, Geld aufgetrieben und jeden Cent zusammengehalten.

Dorothy: Er hat alles akribisch aufgeschrieben: "Spendendose xy: sechs Dollar, 41 Cents." Wir haben später sogar Postquittungen über 37 Cents gefunden.

Jim: Wir waren wirklich knapp damals. Wir finanzierten uns von Spenden, verkauften an belebten Straßenkreuzungen Greenpeace-Buttons, 25 Cent das Stück, und Greenpeace-T-Shirts für drei Dollar.

Bob: Irving hatte dann die Idee eines Solidaritätskonzerts zur Finanzierung der Amchitka-Fahrt. Eintritt drei Dollar für ein Konzert mit Joni Mitchell.

Dorothy: Das hatte seine komischen Seiten: Ein paar Tage vor dem Konzert klingelt das Telefon. Joni Mitchell aus Los Angeles ist dran. Irving hält plötzlich die Sprechmuschel zu und zischt zu uns rüber: "Weiß einer von euch, wer James Taylor ist?" Keiner wußte es. Meine Tochter Barbara rief ihm zu: "Meine Güte, Dad: Das ist dieser schwarze Bluessänger." Sie hatte ihn mit James Brown verwechselt. Irving war immer noch ratlos. "Was mache ich bloß. Sie will, daß er mit zu dem Konzert kommt. Ist der gut?", fragte er Barbara. Dabei war James Taylors neues Album gerade an der Spitze der Charts. Davon hatten wir nichts mitbekommen, weil wir so mit der Vorbereitung der Fahrt beschäftigt waren.

Jim: Wir haben sogar um jeden Posten auf der Proviantliste gefeilscht, bis uns ein Händler alles geschenkt hat. Da hatten wir dann sogar Eiskisten voll mit Steaks. Weißt du noch, Bob, wie wir später überlegt haben, einen Hungerstreik zu machen?

Bob: Aber ja. Ich erinnere mich, daß Captain John Cormack die Idee begeistert unterstützte: Wenn wir alle verhungerten, hätte er mehr zu essen.

Jim: Das war ein guter Grund, es bleiben zu lassen.

Dorothy Metcalfe: Ich war so eine Art 13. Crewmitglied an Land. Ich fütterte die Medien mit Nachrichten von Bord der Greenpeace. Auf dem Höhepunkt der Kampagne habe ich das Haus 15 Tage lang nicht verlassen, um bloß keinen Funkspruch zu verpassen.

Jim: Ohne dich hätten wir in ernsthaften Schwierigkeiten gesteckt. Damals konnte man nicht gleich von Bord aus senden. Du warst unsere Relaisstation und hast phantastisch gearbeitet, daß unsere Geschichten wohlsortiert und redigiert an die Medien gingen.

Dorothy M.: Wir mußten ja auch absolut zuverlässig sein, damit die Presse unseren Meldungen glaubte.

Jim: Trotzdem haben manche behauptet, die erste Reise sei ein Mißerfolg gewesen.

Dorothy M.: Wenn es einer gewesen wäre, gäbe es heute nicht das Greenpeace, das wir kennen.

Dorothy: Nicht zu vergessen, daß auf Amchitka sieben Tests geplant waren, von denen nur drei ausgeführt wurden. Die US-Regierung mußte zugeben, daß die anderen wegen des öffentlichen Drucks abgeblasen worden sind. Später haben sie Amchitka zum Naturschutzgebiet erklärt.

Jim: Für uns war es ein Zeichen der Hoffnung, daß man etwas ändern kann. Und der ganzen Öko-Bewegung gab unsere Aktion einen neuen Namen: Grün. Das war besser als Ökologie - ein Wort, das kaum ein Mensch verstand.

Dorothy: Ich weiß noch, wie wir über Namen für das Schiff nachgedacht haben. Und dann kam Bill Darnell mit der Kombination von "Green" und "Peace".

Jim: Uns war klar, daß am Schicksal einer Phyllis Cormack niemand Anteil nehmen würde. Einer sagte, das Wort "Grün" müsse darin vorkommen. Irving sagte, wichtiger sei noch das Wort "Peace". Woraufhin Bill, später auf der Phyllis Cormack unser Schiffskoch, seinen berühmten Vorschlag machte. Als mein Sohn Paul dann den ersten Button entwarf, hatte er echte Probleme, darauf Green und Peace in zwei Wörtern unterzubringen. Ich sagte, dann schreib es doch in einem: GREENPEACE.

Dorothy M.: Unser Erfolgsrezept war die Frechheit. Alle staunten: Wie können die es wagen, Regierungen zu attackieren und das Ende von Atomtests zu fordern. Das war aufsehenerregend - eben David gegen Goliath. Nur hielten nicht alle zu David: Während eurer Fahrt war ich in diversen Talkshows zu Gast. Da haben Anrufer gewünscht, daß diese Bande von Hippies doch ertrinken möge. Das war schlimm für mich. Denn da kämpfte das Schiff sich gerade durch einen Sturm und zehn Meter hohe Wellen.

Jim: Bis auf Cormack haben alle gekotzt. Das war kein Abenteuer, es war ein ernstes Unternehmen, in jeder Hinsicht. Alle hatten sich für die sechs Wochen auf See freinehmen müssen. Mich wollte man sogar rausschmeißen, weil ich Regierungsangestellter war.

Dorothy: Andere haben eigenes Geld hineingesteckt. Irving zum Beispiel hat für Greenpeace seinen Job als hochqualifizierter Anwalt für Seerecht ganz hingeschmissen. Die Familie habe ich von meinem Gehalt als Therapeutin ernährt.

Jim: Welch wichtige Rolle die Frauen gespielt haben, ist noch viel zu wenig bekannt. Vielleicht wäre Greenpeace nie so erfolgreich gewesen, wenn Dorothy es Irving nicht ermöglicht hätte, seine ganze Energie in die Sache zu stecken. Ohne Irvings Einsatz wiederum hätten wir vieles nie auf die Beine stellen können.

Dorothy M.: Wir waren nur eine Handvoll Leute verschiedenster Herkunft, die aber in einer Hinsicht einig waren: Dieser Planet ist bedroht.

Jim: Mich erstaunt bis heute, daß wir für jedes Talent eine Aufgabe fanden - und für jede Aufgabe fand sich ein Talent.

Bob: Paul Spong etwa, der bekannte Meeresbiologe, kam zu uns, um unseren guten Namen für den Walschutz zu nutzen. So gerieten wir an das Thema Wale. David McTaggart war auch so ein richtiger Mann am richtigen Ort.

Jim: Oder auch Dorothys Ex-Mann Ben Metcalfe, ein Fernseh-Journalist, der als Medienbeobachter an der ersten Fahrt der Greenpeace teilnahm. Er "mutierte", wie du, Bob, zum Aktivisten und wurde unser Presse-Chef. 1972 wollte er, damals Vorsitzender des Vereins, etwas gegen die französischen Atomtests machen und hat in Neuseeland nach Mitstreitern gesucht. So gerieten wir an David McTaggart mit seiner Yacht Vega. Wir machten uns Sorgen, weil keiner etwas über den Kerl wußte. Ben sagte nur: "Wir geben dem Mann ein Funkgerät und ein paar hundert Dollar und schon haben wir eine Kampagne." Wir dachten: "Okay, was haben wir schon groß zu verlieren."

Dorothy M.: McTaggart hat ja damals weniger aufgeregt, daß die Franzosen auf Moruroa Atombomben testen, als daß sie ein riesiges Seegebiet sperrten, obwohl ihnen nur eine Zwölf-Meilen-Zone zustand. Er war an Umweltfragen nicht interessiert. Aber er war abenteuerlustig und hat gesehen, daß Greenpeace ihm eine Plattform bot, etwas Sinnvolles zu tun.

Jim: Zum überzeugten Umweltschützer wurde er erst später, nachdem ihn die Franzosen so übel verprügelt hatten. Das war ihr Fehler.

Bob: Ja, auf der zweiten Reise der Vega nach Moruroa wurde die Besatzung von den Franzosen schlimm zugerichtet. Aber Davids Freundin Anne-Marie Horne schaffte es, Fotos davon zu machen. Sie schmuggelte den Film in ihrer Vagina von Bord und brachte ihn nach Vancouver, wo wir ihn entwickelten und sofort erkannten, was wir damit in der Hand hatten. David lag zu der Zeit noch im Krankenhaus.

Jim: Wir griffen die Franzosen wegen der Prügelorgie an. Die Regierung in Paris behauptete, daß David ausgerutscht wäre und sich dabei die Prellungen und die Augenverletzung zugezogen hätte.

Bob: Dann erst veröffentlichten wir die Fotos. Es war ein K.O.-Treffer.

Dorothy M.: Ab 1974 hat sich die Greenpeace-Richtung so sehr verändert, daß viele der Alten ihr nicht mehr folgen wollten. Statt gegen die atomare Bedrohung ging es um den Schutz von Walen und Robben.

Dorothy: Irving hatte damals schon keine Energie mehr, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen.

Jim: Und ich bin aufs Land gezogen. Habe mein Haus hier in der Stadt verkauft und eine Farm aufgebaut, mit der ich neue Wege zu einer energieautarken Lebensweise erforschen wollte. Wir nannten sie die "Greenpeace Experimental Farm". Aus der Distanz dachte ich, der Laden geht den Bach runter.

Bob: Es gab ja auch viel Streit: Ben und David haßten sich. David fühlte sich von Greenpeace im Stich gelassen beim juristischen Kampf gegen Frankreich.

Jim: Wir hatten hier ein Benefiz-Konzert auf die Beine gestellt, um die zweite Reise der Vega zu finanzieren. Nur hatte sich Paul Watson 2 mit dem Geld aus dem Staub gemacht. Wir waren mal wieder Pleite.

Bob: Ach, das hat er doch schon x-mal wiedergutgemacht. Das waren auch nur 300 Dollar.

Dorothy: Es waren 900 - damals für uns eine Stange Geld. Mich regt aber noch mehr auf, daß er bis heute auf Greenpeace einprügelt.

Bob: Er hat er uns nach der ersten Trennung noch mehr als einen Gefallen getan: 1975 zum Beispiel, als es gegen die Walfänger ging. Ich wußte überhaupt nicht, wie man ein Schlauchboot fährt. Wenn es einen auf der Welt gibt, dachte ich, der weiß, wie man unter den schwierigsten Umständen so ein Ding steuert, dann Paul. Also rief ich ihn an: "Alle sind sauer auf dich. Du hast keine Chance, jemals wieder in der Umweltbewegung Fuß zu fassen, wenn du nicht mit uns zwischen Harpune und Wal fährst." Das hat er unter Lebensgefahr gemacht und so seine Schuld abgezahlt.

Jim: Mich nervt es, daß er uns heute als Avon-Beraterinnen der Umweltbewegung beschimpft. Das klingt zwar lustig. Paul meint es aber ernst.

Bob: Das sind die Spätfolgen all der Streitereien. Wir hatten von 1975 an ein paar schreckliche Jahre - nichts als Grabenkämpfe.

Jim: Damals prallten aber auch ungewöhnlich starke Charaktere aufeinander. Wie soll es mit der Organisation weitergehen? Da klafften die Meinungen weit auseinander. Greenpeace war es - und ist es - wert, um die Richtung zu streiten.

Bob: Wißt ihr, daß für David McTaggart die Greenpeace-Geschichte erst 1979 mit der Gründung von Greenpeace International beginnt?

Jim: Die Gründer von Greenpeace sind drei Menschen. Oder die zwölf, die auf der ersten Reise 1971 ihren Arsch riskiert haben. Als David in Mexico City einmal einen Preis als "Greenpeace-Gründer" entgegengenommen hat, habe ich gekocht vor Wut.

Bob: Manchmal halte ich es für ein Wunder, daß Greenpeace all den Streit überstanden hat.

Jim: Es stimmt eben: "You can't sink a rainbow!" 3 Immer wenn es uns gerade schlecht ging und wir kein Geld mehr in der Kasse hatten, machte irgendeine Regierung einen Fehler, der uns wieder auf die Beine half. Die Greenpeace-Geschichte basiert nicht zuletzt auf vielen Zufällen.

Bob: Wie 1975. Da hing auch alles am seidenen Faden. Wir waren pleite und mußten dringend eine ganze Menge Rechnungen zahlen. Wir waren völlig verzweifelt, weil uns die 8000 Dollar Erlös aus einem Konzert geklaut worden waren. Da komme ich abends ins Büro und finde eine braune Papiertüte auf dem Schreibtisch. Ein Mann mit Krebs im letzten Stadium hatte uns Geld gespendet. Eine ganze Tüte voller Zehn- und Fünfdollarnoten. Bis auf 50 Dollar genau der Betrag, den wir brauchten, um unsere Schulden zu bezahlen. So etwas ist nicht nur einmal passiert. Wir nannten das "kosmische Buchführung".

Jim: Darauf haben sich manche allzu sehr verlassen wollen. Eine richtige Buchführung oder präzise Planung war ihnen fremd.

Bob: Ich habe immer dafür gekämpft, daß wir eine gewisse Bürokratie entwickeln. Entscheidungsstrukturen und so weiter. Die Hippie-Fraktion meinte, ich sei völlig gaga. Meine Antwort: Wenn wir so chaotisch weitermachen, sind wir eines Tages ausgebrannt. Die Bürokratien von Regierungen und Multis aber werden ewig weiterbestehen. Deshalb müssen wir eine bürokratische Maschine schaffen, die Kraft und Ausdauer genug hat, um die anderen großen bürokratischen Maschinen zu bekämpfen.

Jim: Man muß Feuer mit Feuer bekämpfen.

Bob: Meine größte Angst war trotzdem eine Zeitlang, ich würde in einem Vorstands-Meeting mein Leben aushauchen. Aber man bekommt nun mal 30 Länder nicht so ohne weiteres unter einen Hut.

Jim: Den Multis kann man nur international entgegentreten. Deshalb sollte Greenpeace in 25 Jahren in jedem Land der Erde ein eigenes Büro haben.

Bob: Denk mal an China in 50 Jahren. Dort könnte Greenpeace eine führende Rolle in der Umweltdiskussion spielen. Oder in Indien.

Jim: Mir kommt es immer vor, als wenn man dem eigenen Kind beim Erwachsenwerden zusieht. Greenpeace war und ist unser Baby. Und wir haben hart gearbeitet, um es aufzupäppeln.

Bob: Aber es ist doch wirklich schön groß geworden, nicht wahr, Jim?

Jim: Ein Kind bleibt für die Alten aber immer das Kind. Wenn mich heute einer von Greenpeace anruft, reagiere ich wie bei meinen echten Kids. Als erstes frage ich: "Ist was nicht in Ordnung?"

Bob: Die emotionale Bindung an den Verein ist wirklich stark. Einen der schönsten Momente meines Lebens erlebte ich 1976 in der James Bay. Wir standen auf der Brücke unseres Schiffes und sahen, wie die russische Walfangflotte vor uns floh, und ich dachte: "Wow. Wir haben euch." Ein wunderbarer Moment.

Jim: Das Schönste, was mir je passiert ist, war, meine zweite Frau zu treffen.

Bob: Herrje. Ich habe vergessen, meine Frau zu erwähnen.

Jim: Wenn sie das erfährt

Bob: Der Gedanke, Mitgründer von Greenpeace zu sein, sprengt eben die Grenzen meines Verstandes. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wenn mein letztes Stündchen schlägt, werde ich mir sagen: du hast dein Leben nicht sinnlos verschwendet.

Jim: Für mich war Greenpeace auf jeden Fall die Krönung meines Arbeitslebens. Alles selbst bestimmen, alles selbst machen - für sich und für die anderen. Ich frage mich nur, warum heute so wenige auf Greenpeace hören. Wir reden von einem sterbenden Planeten, vom Treibhauseffekt, vom Ozonloch und keiner hört wirklich zu. Erst wenn es zu spät ist, sagen sie, daß wir Recht hatten. Meiner Meinung nach muß die Militanz von Greenpeace zunehmen. Nicht, in dem Sinne, daß wir Schiffe versenken. Unsere Forderungen müssen kompromißloser werden.

Bob: Wenn wir schon bei der Kritik sind: Ich finde, Greenpeace hat sich immer seiner spirituellen Seite zu sehr geschämt. Wer einmal wie ich einem Wal ins Auge geschaut hat, weiß, wieviel mehr sich der Mensch wieder eins mit der Natur fühlen sollte. Aber immerhin: Wir haben dem Verein seine wesentlichen Werkzeuge - gewaltlose Aktion und Medienarbeit - mitgegeben. Es erstaunt mich selbst, wie prägend das bis heute für Greenpeace ist.

Und einen Vorteil habe ich auch davon. Dean, der Barkeeper in meiner Stammkneipe, knöpft mir für ein Bier nur einen statt zweieinhalb Dollar ab. Auf Lebenszeit. Weil er sonst keinen kennt, der eine weltweite Organisation gegründet hat. Das ist doch was.

Greenpeace Magazin 3/96, von Michael Friedrich (Interview) und Tina Hager (Fotos)

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