EU-Steuerzahler finanzieren Meeresraubbau

Newsartikel - 3 Oktober, 2011
Greenpeace-Report zeigt, wie Spaniens Regierung organisierte illegale Fischerei unterstützt.

In einem aktuellen Report zeigt Greenpeace die durch EU-Steuergelder geförderten kriminellen Machenschaften eines Teils der spanischen Fischindustrie auf. Wie die Nachforschungen ergeben, fließen etwa jährlich EU-Subventionen in Millionenhöhe in das Firmennetzwerk des spanischen Familienkonzerns Vidal, dessen Schiffe seit etlichen Jahren in illegale Fischerei verwickelt sind.

Schätzungen zufolge wird 49 Prozent des globalen Fischfangs illegal betrieben. Drei von vier europäischen Fischbeständen gelten daher bereits als überfischt. Im Mittelmeer sind sogar 82 Prozent aller genutzten Fischbestände von Überfischung betroffen. Greenpeace fordert anlässlich des gerade stattfindenden Reformprozesses der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik (GFP) den Beschluss grundlegender Gesetzesänderungen, um dem korrupten profitorientieren Raubbau an den Weltmeeren ein Ende zu bereiten.

Europas Fischereipolitik versagt seit Jahrzehnten

Wie ein grobmaschiges Fischnetz biette die Europäische Fischereipolitik Schlupflöcher für kriminelle Machenschaften korrupter Fisch-Barone, die sich aus dem europäischen Steuertopf bedienen. Der Rest der EU schaut weg. Der Einfluss Spaniens auf die europäische Fischerei ist bedenklich groß. Die Nation kassiert den Löwenanteil der EU-Fördergelder und rüstet damit einen Teil seiner riesigen Industrie-Flotte auf, die nachweislich weltweit in illegale Fischerei verwickelt ist. In der aktuellen Subventionsperiode (2007-2013) erhielt Spanien über eine Milliarde Euro an Fischereibeihilfen – mehr als doppelt so viel als jede andere Nation. Die gut organisierte spanische Fischerei-Industrie verfügt auf nationaler, europäischer wie internationaler Ebene über ein Netzwerk an Lobbyisten und übt gezielt Druck auf Politiker aus - in Spanien ebenso wie auf EU-Ebene.

Wie die Nachforschungen ergeben, existiert eine lange Historie krimineller Fischereipraktiken der galizischen Unternehmerfamilie Vidal, die unwissentlich vom europäischen Steuerzahler finanziert werden. Zwischen 2002 und 2009 gingen über 16 Millionen Euro an EU-Fördergeldern an diesen Familienkonzern, der wiederholt Gegenstand internationaler Ermittlungen wegen illegaler, unregulierter oder undokumentierter Fischerei, Fangquotenüberschreitungen oder Fälschung von Fangaufzeichnungen war. Die spanischen Behörden blieben trotz internationalem Druck bisher meist tatenlos und spielten dem Vidal-Familiennetzwerk weiterhin EU-Subventionen für die Plünderung der Weltmeere zu. Etliche Schiffe im Besitz der Familie Vidal sind auf den „Schwarzen Listen“ der regionalen Fischereiorganisationen zu finden.

Greenpeace fordert

Der derzeitige Reformierungsprozess der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik muss zu einer scharfen Kehrtwende führen. Wir fordern

  • eine wissenschaftlich fundierte Regelung der Fangquoten,
  • Abbau von Fangkapazitäten,
  • die Schaffung von Meeresschutzgebieten und
  • die Einstellung der absurden Subventionspolitik für die größten EU-Fischereischiffe.

Eine neue Gemeinsame Fischereipolitik der EU muss vor allem jene kleinskaligen Fischereien unterstützen, die das größte Potential für eine nachhaltige Fischerei und Arbeitsplätze für Fischer bieten. Alle zehn Jahre wird Europas Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) überarbeitet, derzeit finden in Brüssel die Ratsverhandlungen dazu statt.

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