VW - Darkside

Die dunkle Seite eines Weltkonzerns

Infoseite - 2 Oktober, 2012
Der größte Autohersteller in Europa wehrt sich gegen schärfere Klimaauflagen für Autos. Und: Volkswagen weigert sich, vorhandene Spritspartechnologien in Serie einzubauen: Zwei Gründe für Greenpeace, VW von der dunklen Seite der Macht abzubringen.

 

Im September 2012 hat Volkswagen den neuen Golf 7 vorgestellt. Schon seit Längerem kündigt VW "Sparautos", "1-Liter-Autos" oder auch "3-Liter-Autos" an, doch diese umweltfreundlichen Versprechen hat der Konzern bisher nie umgesetzt. Es stellt sich die Frage, ob VW mit dem neuesten Modell des Golfs ein Auto anbietet, das den Versprechungen Taten folgen lässt und schon in der Basisversion nicht mehr als 80 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt.

Greenpeace hat nachgewiesen, dass ein 3-Liter Spritverbrauch für ein Massenmodell der Kompaktklasse mit den heutigen Möglichkeiten problemlos umsetzbar ist. Bei Anwendung vorhandener Technik, ohne besondere Mehrkosten oder schlechtere Fahrleistungen, könnte der neue Golf ein echtes Drei-Liter-Auto sein. Dies ist das Ergebnis eines technischen Reports.

 

Vier Schritte zum 3-Liter-Auto

Die Berechnungen von Greenpeace basieren auf dem bisher sparsamsten produzierten Golf 6-Modell, in der Diesel- und Benzinvariante. Der Weg zum 3-Liter Auto führt über simple technische Verbesserungen in vier Schritten:

  • weniger Gewicht,
  • weniger Luftwiderstand,
  • weniger Rollwiderstand und
  • effizienterer Antrieb.


In vier Schritten zum Drei-Liter-Golf

Dieselantrieb

Beim Einsatz dieser Spartechnik sollte das neue Diesel-Modell nicht mehr als 2.9 Liter Sprit pro 100 Kilometer, beziehungsweise 75 Gramm CO2 pro Kilometer verbrauchen.

Das neue Basis-Dieselmodell wäre damit um etwa ein Liter beziehungsweise 25 Gramm effizienter als der aktuell sparsamste Golf 6 (3.8 Liter, 99 Gramm). Das entspräche einer Verbesserung von 25 Prozent.

 

In vier Schritten zum Drei-Liter-Golf

Benzinantrieb

Bei dem entsprechenden Benziner-Modell sind es wegen der unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften von Benzin und Diesel 3.4 Liter pro 100 Kilometer Kraftstoffverbrauch, beziehungsweise 80 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer.

Damit wäre das neue Modell etwa 1.8 Liter beziehungsweise 41 Gramm sparsamer als das derzeitig entsprechende Golf 6-Modell (5.2 Liter,  121 Gramm).  Das entspräche einer Effizienzsteigerung von 34 Prozent.

Vorhandenen Stand der Technik einsetzen

Greenpeace erwartet, dass VW nicht nur den im eigenen Haus längst vorhandenen Stand der Technik in sämtliche Modelle einbaut, sondern dass der Konzern diese Technik allen Kundinnen und Kunden ohne Aufpreis zur Verfügung stellt.

"Klimaschutz darf keine Sonderausstattung sein"

Wenn VW den neuen Golf mit serienmäßiger Sprit­spar­technik anböte, würde die Golf 7-Flotte in ihrer Lebensdauer um die 50 Millionen Tonnen CO2 sparen. Seit April 2011 fordert Greenpeace Volkswagen verstärkt zu mehr Klimaverantwortung auf. VW als größter Autokonzern Europas kommt eine herausragende Klimaverantwortung zu. Der Konzern setzt mit dem Golf auch ein Zeichen im laufenden EU-Prozess um strengere Klimaauflagen für Autos. Die Autolobby wehrt sich, obwohl Autohersteller wie Volkswagen ihren Ausstoß viel stärker senken könnten als die EU plant. Der EU-Vorschlag sieht aktuell 95 Gramm CO2 pro Kilometer bis zum Jahr 2020 vor; Greenpeace fordert einen klimapolitisch notwendigen Grenzwert von 80 Gramm.

 

Spritspartechniken

Auto Spritspartechniken

Warum VW vorangehen sollte

670 Millionen Tonnen Öl verbraucht die EU Jahr für Jahr. 60 Prozent davon fallen in den
Verkehrssektor - Tendenz steigend. Die Hälfte davon verbrauchen die europäischen Autos. 13
Prozent dieses Öls kommen aus den besonders riskanten „unkonventionellen Quellen“, das heißt,
vor allem aus der Tiefsee. Wir brauchen scharfe Grenzwerte, um die Abhängigkeit gerade von
diesem besonders unverantwortlichen Rohstoff zu beenden: In einer Studie hat Greenpeace
nachgewiesen, dass ein (technisch durchaus erreichbarer) Grenzwert von 50 Gramm CO2/km im
Jahr 2030 (das entspräche etwa 2 Liter Kraftstoff auf 100 km) den Ölbedarf um 13 Prozent senken könnte und damit den Anteil, gerade des besonders riskanten Öls, überflüssig machen würde.


Greenpeace fordert

  • VW soll BlueMotion als serienmäßigen Standard ohne Aufpreis in jeden PKW integrieren
  • VW soll das Massenmodell Golf 1.4 Benziner mit 6,4 Litern Verbrauch und 149 Gramm CO2-Emissionen ersatzlos vom Markt nehmen
  • VW soll sich an vorderster Front für schärfere CO2-Grenzwerte (80 Gramm bis 2020) und für ein europäisches Klimaschutzziel (minus 30 Prozent bis 2020) einsetzen
  • VW soll sich dazu verpflichten, dass der nächste Golf weniger als 3 Liter verbraucht

 

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