Jahrestag Tschernobyl: Andauernde Katastrophe

Communiqués de presse - avril 26, 2017
31 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind viele Gebiete immer noch kontaminiert, und der russische Energieriese Rosatom kommt immer wieder mit neuen gefährlichen Projektvorschlägen. Ein Blog Beitrag von Raschid Alimow, Atomexperte Greenpeace Russland.

Greenpeace Andrei Allakhverdov poses for a picture standing outside Chernobyl nuclear power station. The new giant steel structure, the "confinement", which will be moved over the old sarcophagus is seen right.

 

Ein graues Ziegelgebäude mit einer Büste von Lenin davor. Eine Schule in Stariye Bobowitschi in der Region Briansk in Russland.



Dieses Bild könnte fast nostalgisch wirken, wäre da nicht die immer noch lauernde Gefahr. Als Greenpeace Russland Bodenproben in der Nähe der Schule und des örtlichen Klubs entnahm, konnte die Radioaktivität noch immer nachgewiesen werden.



Im vergangenen Juni, entnahmen Aktivisten aus 50 Städten und Dörfern Proben und brachten diese vor Rußlands Obersten Gerichtshof: Aber das Gericht gab der Regierung Recht. Es gab Hoffnung, dass die Behörden zumindest das Gebiet in der Nähe der Schule unter Quarantäne stellen würden, wo Kinder sich tagsüber aufhalten und nach dem Unterricht spielen. Aber nichts wurde unternommen.

Starije Bobowitschi ist eine von Tausenden von Gemeinden in Russland, der Ukraine und in Belarus die von den Behörden nach der Reaktorkatastrophe von 1986 als verseucht eingestuft wurden. Kürzlich aber hat die russische Regierung den Status dieses Dorfes aufgehoben und behauptet, dass es sich die Lage verbessert habe. Diese Forderung beraubte die Bewohner dieses Dorfes der bisherigen speziellen medizinischen Versorgung, ihrer Sozialversicherung und den Entschädigungen, die Ihnen als Opfer der Reaktorkatastrophe zustehen würden.

 Wo Verantwortung schrumpft, wächst die Unverantwortlichkeit. Und der Staat, der seine kerntechnischen Anlagen in dem mächtige Rosatom-Unternehmen vereint, entwickelt sein riskantes Geschäft sowohl im In- als auch im Ausland weiter, ohne aus der Vergangenheit gelernt zu haben.




Im Zentrum von St. Petersburg befindet sich ein schwimmendes Kernkraftwerk (NPP) im Bau. Die beiden Reaktoren werden bald hochgefahren. Jeder nukleare Unfall in dieser Stadt hätte unvorstellbar tragische Konsequenzen für seine fünf Millionen Einwohner.

Der nukleare Regulator des Landes, sagte vor kurzem Greenpeace, dass dies "außerhalb seiner Verantwortung" seien. Das ist erschreckend, denn nach Tschernobyl konnte kein Atomkraftwerk näher als 100 km zu einer Stadt mit mehr als zwei Millionen Einwohnern gebaut werden. 2014 wurde dieses Verbot aufgehoben. Unter denen, die unsere Position unterstützen, sind die Verantwortlichen für den Umgang, une Aufarbeitung der Tschernobylkatastrophe.

"Wir sind absolut gegen das schwimmende KKW", sagte Vasily Nayda, Chef von St. Petersburgs Zweig der Tschernobyl-Union. "Das Leningrader NPP in der Nähe der Stadt, das die gleiche Art von Reaktoren wie Tschernobyl hat, reicht für uns, wir wollen kein anderes."

Der Chef der örtlichen Gruppe der St. Petersburger Tschernobyl-Union, Jewgeni Frolow, weist darauf hin, dass in der Sowjetunion den zuständigen Wissenschaftlern welche die Reaktorkatastrophe verfolgten, ausdrücklich verboten wurde, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Heute jedoch kann man die Wahrheit nicht einfach so unterdrücken.

Das schwimmende Kernkraftwerk ist nur eines von vielen gefährlichen Unterfangen von Rosatom. Sie beschleunigen ihre internationalen Projekte in vielen Ländern, versprechen finanzielle Vorteile, Anreize, fortschrittliche Technologien und "garantierte Sicherheit". Aber eine eingehende Analyse der Risiken der internationalen Projekte von Rosatom malt ein ganz anderes Bild.

Rosatoms gewinnorientierte Eitelkeit ignoriert vergangene Katastrophen, ohne dabei sich anzustrengen, um zukünftige zu verhindern. Sie haben aus der Tschernobylskatastrophe nichts gelernt.

Aber wir haben aus Tschernobyl gelernt und wir werden dieser gefährlichen Verantwortungslosigkeit uns widersetzen und der Nuklearindustrie ein klares NEIN mit auf den Weg geben. Bitte teilen Sie diesen Blog, um die neuen gefährlichen Pläne aufzudecken und zu stoppen.

Raschid Alimow ist ein Nuklearcampaigner bei Greenpeace Russland, ergänzt und neu herausgegeben von Greenpeace Luxemburg.