Mitteilung an unsere MitgliederInnen

Actualité - juillet 8, 2014

 Esch/Alzette, 8. Juli 2014

Liebe MitgliederInnen,

aus aktuellem Anlass möchte ich Ihnen heute einen persönlichen Brief schreiben, da ich es mich beschäftigt, wie Sie, liebe MitgliederInnen, die rezente Berichterstattung in den Medien über Greenpeace empfinden.

Durch Ihre Unterstützung von Greenpeace sind Sie Teil einer Bewegung von Millionen Umweltschützerinnen und Umweltschützern weltweit. Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Die Erhaltung des wertvollen Lebensraums Erde. In einer internationalen Organisation zu arbeiten ist voller Herausforderungen und voller guter, aber auch schlechter Nachrichten.

 

Die guten Nachrichten sind zum Beispiel die Erfolge, die unsere Kampagnen weltweit haben. Aktuell ist das der Einsatz für eine giftfreie Textilherstellung in Asien und Südamerika: Adidas hat im Juni nach der Greenpeace DETOX Kampagne zugestimmt, seine Produktion umzustellen. Damit sollen nicht nur die Flüsse in China sauberer werden, sondern auch Ihre Sportkleidung. Die schlechten Nachrichten, die wir durch die internationale Arbeit täglich mehr bekommen, sind der fast nicht mehr überschaubare, weltweite Raubbau an Natur und Umwelt, der unwiederbringlich Teile unserer Erde zerstört.

Zu den schlechten Nachrichten gehört der Millionenverlust, den Greenpeace International mit Sitz in Amsterdam erwirtschaftet hat. Ich verstehe, wenn Sie aufgrund dieser Nachricht von uns enttäuscht sind. Aus tiefstem Herzen möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen.

Was ist passiert? Greenpeace arbeitet weltweit, und daher hat Greenpeace International (GPI) die Aufgabe, Gelder für Kampagnen an Büros in anderen Ländern zu überweisen, damit dort in der eigenen Währung die Kampagnen bezahlt werden können. Jeder kennt das: Wenn man ins Ausland reist und fremde Währungen kauft, wäre das manchmal aufgrund der Wechselkursschwankungen zu einem anderen Zeitpunkt günstiger gewesen. Wenn man wie GPI rund 60 Millionen Euro im Jahr für den Umweltschutz verteilt, dann machen selbst 2 Prozent Schwankung beim Wechselkurs schon 1,2 Millionen Euro Unterschied aus. Manchmal im Plus, manchmal im Minus, in den letzten Jahren hat sich das mehr oder weniger ausgeglichen. Greenpeace International trägt alleine für die anderen Büros das Risiko der Wechselkursdifferenzen, und daher laufen die Gewinne bzw. Verluste aus Wechselkursschwankungen bei GPI alleine auf.

Als viele Menschen Angst vor dem Zusammenbruch des Euro hatten, gab es bei GPI die Überlegung, den Wechselkurs abzusichern. Denn die Büros in Asien oder Südamerika, aber auch in Russland oder Afrika sollten weiterhin die nötigen Gelder für ihre Arbeit und die Kampagnen bekommen. Würde der Euro zusammenbrechen, wäre auch das Geld für den Umweltschutz weniger wert. Deswegen hat ein Kollege bei GPI in Amsterdam 2013 feste Wechselkurse gekauft, in guter Absicht. Als der Euro aber wider Erwarten stieg, konnten die Verträge nicht gekündigt werden und führten zu Verlusten. Hier ist der Fehler entstanden, es gab keine Zockerei an der Börse, es wurden keine Gelder angelegt, um Gewinne zu machen. Es ging um die Absicherung der Arbeit für den Umweltschutz.

Die Ereignisse bei Greenpeace International werden gerade noch untersucht, es wird einen Bericht geben, die Ergebnisse werden bekannt gemacht. Der offizielle Jahresbericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG wurde im Juli veröffentlicht. Der Artikel in der Ausgabe Nr. 26 des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist der Veröffentlichung des Berichts zuvorgekommen. Wir haben noch nicht alle Antworten auf Fragen, die auch wir an GPI gestellt haben. Unter anderem die Frage, warum die Kontrollmechanismen versagt haben. Die Verluste 2013 bzw. die drohenden Verluste 2014 aus der Absicherung von Wechselkursschwankungen belaufen sich auf 3,8 Millionen Euro. Rücklagen zum Ausgleich des Verlustes sind vorhanden.

Was bedeutet der Verlust für Greenpeace in Luxemburg?Greenpeace in Luxemburg hat 2013 18 % des Bruttoeinkommens aus dem Jahr 2011 an Greenpeace International abgegeben, um Kampagnenarbeit auf internationaler Ebene zu finanzieren. Das waren 155.000 EUR, dazu kamen 20.000 EUR für die Befreiung der Arctic 30, was sich auf 21% der Gesamtausgaben beläuft. Dieses Jahr werden es 14% des Nettoeinkommens des Jahres 2012 sein, d.h. 104.000 EUR. Unsere Finanzen sind in unserem Jahresbericht 2013* ausgewiesen und von externen Wirtschaftsprüfern bestätigt.[1]

Eine weitere schlechte Nachricht war die Berichterstattung zu den Arbeitsflügen des Programmdirektors von Greenpeace International, Pascal Husting. Der Luxemburger Greenpeace-Veteran und ehemalige Direktor von Greenpeace Frankreich lebt mit seiner jungen Familie in Luxemburg. Bei Amtsantritt im Jahr 2011 gab es ein temporäres Übereinkommen zwischen Pascal Husting und Greenpeace International, das ihm einerseits erlaubte, seine herausragenden Kompetenzen in den vollen Dienst der Organisation zu stellen und andererseits den Kontakt zu seiner Familie zu pflegen. Aus diesem Grund wurde eine temporäre Ausnahme bei der sonst angewandten internen “Reiseregel” erlaubt. Diese Ausnahme wurde Ende Juni beendet.

In dieser globalen Welt muss Greenpeace global handeln, um sich für die Umwelt einzusetzen. Wir werden alles tun, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Glaubwürdigkeit ist für Greenpeace unendlich wichtig,

Ich versichere Ihnen: Weltweit geben alle Greenpeace-MitarbeiterInnen ihr Bestes, damit der Einsatz für die Umwelt uneingeschränkt weiterläuft. Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen und hoffen, dass Sie gerade auch in schwierigen Zeiten Teil der Greenpeace-Bewegung für den Schutz der Umwelt bleiben.

Ihre Marieke Kremers                                                                                                           



[1] Den Jahresbericht erhalten Sie per Nachfrage via oder 54 62 52 29 oder zum Herunterladen auf unserer Webseite