natur&ëmwelt und Greenpeace stellen Untersuchungsergebnisse von Zierpflanzen aus luxemburgischen Baumärkten und Gartencentern vor

Pestizidrückstände in allen Proben!

Communiqués de presse - juillet 3, 2014

  

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-"Pestizide in Zierpflanzen - Proben aus Luxemburg"

-"Pesticides dans les plantes ornementales - Echantillons en vente au Luxembourg"

-"Pesticides in Ornamental Plants - Samples from Luxembourg"

 

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Luxemburg / Kockelscheuer, 3. Juli 2014. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Kampagne zum Schutz der Bienen haben natur&ëmwelt a.s.b.l. und Greenpeace eine stichprobenartige Untersuchung von Gartenpflanzen aus luxemburgischen Baumärkten und Gartencentern durchgeführt. Die untersuchten Pflanzen, beliebte Futterpflanzen für Bienen, wurden auf Pestizidrückstände getestet. Die Ergebnisse sind erschreckend: in sämtlichen Proben wurden Rückstände von Pestiziden gefunden, darunter auch die wegen ihrer bienengefährlichen Eigenschaften EU-weit mit einem temporären Verbot belegten Neonicotinoide. Greenpeace und natur&ëmwelt fordern sowohl von der Politik als auch vom Handel umgehende Maßnahmen, damit Bienengifte und andere Pestizide sowohl aus der Landwirtschaft als auch aus dem Garten- und Zierpflanzenbau verschwinden.

Bei den 10 stichprobenartig getesteten Pflanzen, die in fünf verschiedenen Baumärkten bzw. Gartencentern in Luxemburg gekauft wurden, handelte es sich um beliebte Zierpflanzen wie Lavendel und Hortensien. Die Laboranalysen ergaben, dass in sämtlichen Pflanzen Rückstände von Pestiziden nachgewiesen werden konnten. 30 verschiedene Substanzen wurden gefunden, von denen acht als bienenschädlich bezeichnet werden können. Aus den Untersuchungsergebnissen lässt sich zwar nicht ableiten, wie stark die Bienen durch die belasteten Pflanzen gefährdet werden. Doch in neun von zehn Pflanzen wurden bienenschädliche Pestizide nachgewiesen. Bei der Hälfte der Pflanzen konnten zwei Neonicotinoide nachgewiesen werden, deren Anwendung in der EU vorübergehend aufgrund ihrer Bienengefährlichkeit für bestimmte Anwendungen verboten ist. Ebenso wurden vier in der EU verbotene Pestizide nachgewiesen (1).

 

Hobbygärtner servieren Bienen und anderen Insekten ohne es zu wissen gefährliche Pestizidcocktails“, erklärt Martina Holbach, Landwirtschafts-Campaigner bei Greenpeace Luxemburg. „Die EU hat 2013 den Einsatz von drei Neonicotinoiden in der Landwirtschaft für zwei Jahre eingeschränkt. Unsere Untersuchungsergebnisse bestätigen, dass dieses Verbot nicht weit genug greift. Handel und Politik müssen dringend dafür sorgen, dass sämtliche bienengefährlichen Wirkstoffe so schnell wie möglich auch aus dem Zierpflanzen- und Gartenbau eliminiert werden.“

 

Die Untersuchungsergebnisse in Luxemburg sind kein Einzelfall. In einer vor wenigen Wochen veröffentlichten Untersuchung (2) in zehn europäischen Ländern wurden 86 Proben von 35 Pflanzenarten untersucht. In 79 Prozent der Pflanzen steckten Wirkstoffe, die Bienen gefährlich werden können.

 

Luxemburg ist, wie viele europäische Länder, besonders stark vom Bienensterben betroffen. Zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2013 ist die Anzahl der Bienenvölker in Luxemburg von 5580 auf 3258 gesunken, was einem Rückgang von mehr als 40 Prozent entspricht. Vorläufige Zahlen über die Verluste im Winter 2013/14 gehen von einem Verlust von etwa 10% aus, von einer Entwarnung kann aber keinesfalls die Rede sein.

 

Neben dem Befall mit der aus Asien stammenden Varroamilbe zählen vor allem der Strukturmangel der Landschaft und der Lebensraumverlust, welche zu einer unzureichenden quantitativen und vielfältigen Pollenversorgung führen, sowie der Einsatz von Pestiziden zu den Ursachen des Bienensterbens. Das Bienensterben ist somit eine direkte Konsequenz der Intensivierung der heimischen Landwirtschaft.

 

Greenpeace und natur&ëmwelt wenden sich nun zum einen an den luxemburgischen Handel, damit die bienengefährlichen Pestizide aus der Produktionskette von Zier- und Nutzpflanzen ausgeschlossen werden. Doch nicht nur der Handel, auch die Politik ist gefordert.

 

 

Damit die bienengefährlichen Pestizide nicht durch die Hintertür in den Garten und auf die Felder gelangen, muss unsere Regierung dafür sorgen, dass die Lücken im europäischen Neonicotinoid-Verbot geschlossen werden. Außerdem appellieren wir an den Landwirtschaftsminister, ein permanentes Verbot dieser Substanzen durchzusetzen, notfalls auch im luxemburgischen Alleingang“, fordert Lea Bonblet, Biologin bei natur&ëmwelt. „Insgesamt ist ein genereller ökologischer Wandel in der Landwirtschaft erforderlich. Die Regierung muss bei der aktuellen Ausarbeitung des Plan de Développement Rural 2014-2020 und im Rahmen der Pestizidgesetzgebung den längst überfälligen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in Luxemburg einleiten.“

 

Weitere Informationen:

Lea Bonblet, natur&ëmwelt, Tel. 290404313,

Martina Holbach, Greenpeace, Tel. 54625224 / 621233362,

 

(1) die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung: 

- In allen 10 analysierten Zierpflanzen-Proben wurden Pestizidrückstände (100%) gefunden. Insektizide, die von besonderer Bedeutung für Bienen sind, wurden häufig gefunden.

 

- von den drei in der EU mit einem temporären Verbot belegten Neonicotinoiden konnten zwei nachgewiesen werden. So wurde Imidachloprid in 50 Prozent, Thiamethoxam in 10 Prozent der Proben gefunden. Clothianidin wurde nicht detektiert.

- neben den zwei Neonicotinoiden wurden zwei weitere für Bienen hochgefährliche Substanzen nachgewiesen. Es handelt sich dabei um Cypermethrin und Deltamethrin. Für beide Substanzen fordert Greenpeace ein sofortiges Verbot.

- vier weitere Substanzen konnten nachgewiesen werden, die auf der Schwarzen Liste Pestizide von Greenpeace stehen und die moderat bis hochbienentoxisch sind: Cyhalothrin, Dichlorvos, Chlorothalonil und Cyfluthrin.

- die in den Pflanzen gefundenen Wirkstoffe Dichlorvos, Vinclozolin und Pyrifenox sind in der EU nicht zugelassen, die EU-Zulassung des Wirkstoffs Cyfluthrin ist Ende April 2014 ausgelaufen. Vier der 10 untersuchten Pflanzen wiesen Rückstände von diesen nicht zugelassenen Wirkstoffen auf.

- 54% der gefunden 30 Wirkstoffe zählen zu den Fungiziden, 30% sind Insektizide. Daneben wurden noch Akarizide, Herbizide und Pflanzenwachstumsregulatoren nachgewiesen.

- Fünf der nachwiesenen Wirkstoffe werden von Bayer CropScience hergestellt, 3 von Syngenta, zwei von Cheminova, die Restlichen von anderen Chemieunternehmen.

(2) „A Toxic Eden: Poisons in your Garden“. An analysis of bee-harming pesticides in ornamental plants sold in Europe, Greenpeace International, April 2014