Manchmal sind wir einfach zu Schnell

Aktiv in der Regionalgruppe Basel

Informationsseite - 1. Juli, 2010
Eine gute Möglichkeit, sich konkret bei Greenpeace zu engagieren, ist die Mitarbeit in einer Regionalgruppe. Ein Porträt der «Regru» Basel.

2000 © Greenpeace / Ex-Press / David Adair

«Nein. Das bleibt unter uns. Dazu wollen wir im Moment nichts sagen.» Den drei Greenpeace-Freiwilligen der Regionalgruppe Basel genügt zur Absprache ein schneller gegenseitiger Blick: Es gibt Dinge, die Aussenstehende nichts angehen und die der Gruppe vorbehalten sind.

Die engen, verwirrenden Gassen, der verabredete Treffpunkt am Rümelinsplatz, die unscheinbare Haustüre, der lange Gang zu einer engen Treppe, die hinauf in den dritten Stock einer Altstadtwohnung führt, Ort zahlloser Zusammenkünfte der Regionalgruppe Basel (Regru Basel): Das alles würde sich bestens für einen Agententhriller in konspirativem Ambiente eignen.

Trotz der Zurückhaltung, über zukünftige Projekte zu sprechen – jeder Greenpeacer weiss: Über bevorstehende Aktionen redet man nicht –, sind sich Yamenah, Regula und Stephan bewusst, dass ihre Unternehmungen sich nicht mit einer ausgewachsenen Aktion vergleichen lassen und dass das Leben als Mitglied der Regionalgruppe Basel eine Spur gemächlicher ist.

«Für Provokationen engagiere ich mich nicht», sagt Stephan, der mit über 40 Jahren der Älteste in der Gruppe und bereits seit 10 Jahren dabei ist. Mit harten Aktionen habe er nichts am Hut, und sie seien auch nicht das wesentliche Merkmal eines Greenpeacers in der Regionalgruppe. Es seien vielmehr die Grundwerte von Greenpeace wie Gewaltfreiheit, die Notwendigkeit, persönlich Zeugnis für seine Überzeugungen abzulegen, die für ihn im Mittelpunkt stünden und ihn immer wieder motivierten, mit kreativen Aktionen Umweltthemen in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Wenn Regula, 22-jährig und von Beruf Hebamme, an die vergangenen Monate zurückdenkt, sind es vor allem die «magischen» Momente, die sie motivieren weiterzumachen: «Plötzlich taucht eine Idee auf, und man erkennt es an den glänzenden Augen der Sitzungsteilnehmer: Das ist es, das müssen wir machen.»

Die Mitglieder der Regru Basel haben in den vergangenen Monaten einige dieser Momente erlebt. Den ganzen Sommer 2006 über haben sie aktiv die Unterschriftensammlung zur Totalsanierung der Chemiemülldeponien in der Region unterstützt. Aktion war begleitet von einer Fotopetition, bei der Menschen aus der Region Basel und auch aus der übrigen Schweiz ihre Bilder zur Unterstützung auf eine Website laden konnten. Am Schluss waren über 10?000 Unterschriften und 1300 Bilder zusammengekommen.

Über 20 Mal sind die Basler Freiwilligen auf die Strasse gegangen, haben im privaten Umfeld Plakate aufgehängt und Unterschriftenkarten verteilt. Manchmal sei es schon zermürbend, ja deprimierend gewesen, gibt Regula zu: «Während im Sommer die Menschen auf der Rheinpromenade relaxten, sammelten wir Unterschriften. Oft hiess es dann: ‹Ihr schon wieder!›, oder: ‹Das Zeug liegt doch schon seit 50 Jahren unter der Erde, was störts uns?›» Oder dann seien die Erwartungen an sie derart gross gewesen, dass die Passanten sie über alles Mögliche ausfragten. Die Mühsal verflog aber rasch, wenn wieder eine Person mit strahlendem Gesicht sagte: «Klar, wo soll ich unterschreiben?»

Ab Mitte Jahr hatten sie das Gefühl, es geschafft zu haben, ein Thema zu setzen. Dies vor allem dank der guten Zusammenarbeit mit Michi Tanner und Uli Krause vom Zürcher Greenpeace-Büro, die von Basel aus für die Kampagne arbeiteten. Als am 19. Oktober 2006 die Bilder von der Übergabe der Unterschriften schweizweit über die Mattscheiben flimmerten, wussten sie, dass sie einen grossen Zwischenerfolg erzielt hatten.

Dass bei so viel Eifer die vereinbarte Zusammenarbeit mit Zürich manchmal der Sache zuliebe leiden muss, versteht sich fast von selbst. «Na ja, manchmal sind wir einfach zu schnell für Zürich», heisst es mit viel Schalk und unterbrochen von einigen wohligen Glucksern.

Mit «Zürich» ist das Greenpeace-Büro in Zürich gemeint, genauer gesagt Beatrice Howald und Ursula Grossmann, die dort für die Betreuung und die Koordination der insgesamt 13 Regionalgruppen zuständig sind.

Als Koordinatorinnen sind sie mit den Gruppen regelmässig in persönlichem Kontakt. Ein umfangreiches Trainingsangebot gehört ebenso zu ihrem Angebot wie Veranstaltungen, an denen die Zusammenarbeit geplant und die Ziele festgelegt werden. Die Selbstbestimmung der Freiwilligen und der Regionalgruppen ist Greenpeace ein wichtiges Anliegen.

Beatrice ist es deshalb wichtig, dass die Regionalgruppen nicht einfach zu willigen Hilfstruppen von Greenpeace werden, sondern ein eigenständiges und intaktes Gruppenleben entwickeln, um sich auf lokaler Ebene wirkungsvoll an den Kampagnen beteiligen zu können.
Es dreht sich sehr viel um «die Gruppe» bei der Regru Basel. Immer wieder beginnt ein Satz mit einem behutsamen «Ja, unsere Gruppe», und die kleine Denkpause, die sich dann breitmacht, ist spürbar «unserer Gruppe» gewidmet, die offensichtlich auf die Sorge angewiesen ist, die ihre Mitglieder ihr zukommen lassen.

«Es ist schon vorgekommen, dass während einer unserer Aktionen jemand aus dem Tram ausgestiegen ist und sich uns sofort anschliessen wollte», erinnert sich Yamenah mit Erstaunen. Die 21-jährige Biologiestudentin ist seit 2005 Mitglied der Regru Basel und hat ihren Weg zur Gruppe über das Internet gefunden: «Ich wollte keine E-Mail-Aktivistin sein, sondern wirklich etwas Konkretes tun.» Drei Tage nach ihrer ersten Zusammenkunft steckte sie bereits in einem Affenkostüm und protestierte gegen die Trinkwasserverschmutzung durch die Deponie Roemisloch.

In der Regru Basel hat sie inzwischen die Aufgabe übernommen, Neumitglieder einzuführen. Sie wundert sich gelegentlich darüber, was für Leute zur Gruppe kommen. Oft wisse sie schon beim ersten Treffen, ob jemand bleiben werde oder nicht. Jene, die die Geduld aufbringen, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und zuzuhören, finden den Zugang zur Gruppe. Andere meinten allerdings, bevor überhaupt irgendetwas diskutiert wurde: «Wo ist das Kletterzeug? Auf zur Aktion!» Na ja, so schnell gehts denn auch in Basel nicht.

Wangpo Tethong ist ehemaliger Greenpeace-Mitarbeiter und heute freier Journalist und Kommunikationsberater.

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