Ça va? Ça geits? So geits!

Aktiv in der Regionalgruppe Biel

Informationsseite - 1. Juli, 2010
Die Regionalgruppe Biel hat ein besonders aktives Jahr hinter sich. Sie überzeugte nicht weniger als neun Gemeinden rund um die zweisprachige Seeland-Metropole davon, künftig eine urwaldfreundliche Einkaufspolitik zu verfolgen. Die lokalen Greenpeace-AktivistInnen setzen sich mit einem unglaublichen Engagement für eine griffige Umweltpolitik in der Region ein.

2000 © Greenpeace / Ex-Press / David Adair

Jackie ist eine Kämpferin: Der 40-jährigen Leiterin der Bieler Regionalgruppe – kurz: Regru – steht das Engagement ins Gesicht geschrieben. Ihr wacher Blick zeugt von einem kritischen und aktiven Geist. Menschen wie sie sind für Greenpeace unersetzlich. Sie verleihen der globalen Umweltpolitik einen lokalen Charakter und präsentieren kommunale Lösungen.

«Global denken, lokal handeln» – diese Devise setzen die UmweltschützerInnen von nebenan konsequent um. Ohne Berührungsängste gehen sie in den Büros der Verwaltungen ein und aus. Sie diskutieren mit GemeinderätInnen über Umweltpolitik und versuchen Medien und Öffentlichkeit für ihre Vorschläge zu gewinnen. Dabei haben die BielerInnen einen besonderen Vorteil: Mit einer Mischung aus Deutschschweizer Aufsässigkeit und welschem Charme verschafft sich die Regru immer wieder Gehör – auch bei hartgesottenen und routinierten Politikern. Alle sind notabene bi(e)lingue, da wird aus «ça va» schon mal «ça geits».

Die Bieler Regionalgruppe besteht derzeit aus vier festen Mitgliedern: Jackie ist nicht nur die Leiterin, sie ist auch für die Presse- und Büroarbeit zuständig. Daneben ist sie Mutter, Hausfrau und Journalistin. «Ich spare halt beim Schlafen», meint sie ganz pragmatisch. Zusammen mit Marcel, einem 31-jährigen Ergotherapeuten und Velokurier, dem 41-jährigen Ökonomen Hans sowie der 28-jährigen kaufmännischen Angestellten Kerstin bildet sie den festen Kern. Marcel ist der Teamverantwortliche, Kerstin ist zuständig für die Finanzen. Hans verblüfft immer wieder mit brillanten Analysen zur Umwelt- und Wirtschaftspolitik.

Jackie und Marcel kamen 1997 zur Regru Biel. Sie protestierten damals gegen Hochspannungsleitungen der Berner Kraftwerke und der SBB quer durch die Stadt Biel. Hans und Kerstin sind seit drei Jahren dabei. Ursprünglich ging die Bieler Gruppe hervor aus den Mitgliedern der damaligen autonomen Regru Solothurn und einer Hand voll BielerInnen, die sich 1995 über die französischen Atombombentests im Mururoa-Atoll empörten. «Wir sind keine Schreier, sondern stille Macher», sagen sie. Und es ist erstaunlich, wie professionell und gut organisiert die Freiwilligen sind.

Trotz allem – sie kämpft weiter!

Ein Tiefpunkt war die verlorene Abstimmung zu «Strom ohne Atom» vom 18. Mai 2003. «Das war schon ein harter Schlag», sagt Jackie, «seither agiere ich am Limit meiner Kräfte.» Und nachdenklich fügt sie hinzu: «Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich nichts von all dem wüsste, was unsere Arbeit überhaupt erst nötig macht.» Aber sie bleibt kämpferisch, und ans Aufhören denkt sie schon gar nicht.

Ansonsten stand das Jahr 2003 im Zeichen des Urwaldschutzes. Gäbe es einen Preis zu vergeben für die Freiwilligen, die die meisten Gemeindeverwaltungen dazu animiert haben, auf Urwaldfreundlichkeit umzustellen, hätten ihn die BielerInnen auf sicher. Nicht weniger als neun Gemeinden rund um den Bielersee haben sie dazu gebracht, künftig nur noch urwaldfreundliches Holz und Papier zu verwenden (www.urwaldfreundlich.ch). Sie lassen sich auch dadurch nicht beirren, dass Nidau und Erlach nicht einmal eine Stellungnahme zur Urwaldfreundlichkeit abgegeben haben. Im Gegenteil: Im Frühling starten sie die Aktion «Urwaldfreundliche Seeland-Gemeinden von A bis Z». Damit wollen die Bieler Freiwilligen dieses Jahr die Projekte «Urwaldfreundliche Gemeinden» und «Urwaldfreundliche Schulen» weiter vorantreiben.

«Wir brauchen aber unbedingt mehr Leute», sagen die vier. Die Bieler Regionalgruppe will sich 2004 deshalb auch der Suche nach engagierten Freiwilligen widmen. Mittun heisst, internationale und nationale Greenpeace-Kampagnen auf lokaler Ebene umzusetzen oder eigene Themen aufzuarbeiten und regionale Umweltziele zu verfolgen.

Die Regruaner treffen sich regelmässig, um ihre Arbeit zu koordinieren. Damit aber nicht genug: Wenn es gilt, aktiv für die Anliegen von Greenpeace einzutreten, sind sie auch dort an vorderster Front dabei. Geld fliesst nicht in Strömen. Für jede Regionalgruppe hat Greenpeace pro Jahr einen Betrag von 1000 Franken budgetiert. Und «ab und an drückt uns jemand einen Fünfliber in die Hand», sagt Kerstin – damit der Kampf für ein umweltfreundliches Seeland weitergehen kann. Allons-y!

Yves Zenger, Mediensprecher Greenpeace Schweiz

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