Ein Jahr nach Fukushima – Stimmen aus Japan in der Schweiz

Story - 22. Februar, 2012
Der Atomunfall von Fukushima vor bald einem Jahr hat das Leben vieler Japanerinnen und Japaner radikal verändert.

Greenpeace Schweiz hat eine kleine Delegation von Menschen aus Fukushima in die Schweiz eingeladen, um sie darüber berichten zu lassen, wie sie die vergangenen zwölf Monate erlebt haben. Frau Nishiyama, English-Lehrerin und Familienmutter, und Herr Nemoto, Landwirt, werden von ihrer Erfahrungen erzählen. Gerne laden wir Sie zu drei öffentlichen Veranstaltungen ein.

Lesen Sie auch das grosse Interview mit unseren japanischen Gästen von gestern, 21. Februar 2012, kurz nach ihrer Ankunft in Zürich.

Termine

  • Mittwoch, 22. Februar 2012, 19:00h: Langenthal, Alte Mühle (Lageplan)
  • Donnerstag, 23. Februar 2012, 19:30h: Hinterkappelen, Kipferhaus (Lageplan)
  • Freitag, 24. Februar 2012, 19:00h: Langnau, Kirchgemeindehaus (Lageplan)
  • Samstag, 25. Februar 2012, 16:15h: Genf, Uni Dufour salle U300 (Lageplan)

Unsere japanischen Gäste werden sich vorstellen und eigene Fotos aus Fukushima zeigen. Anschliessend soll eine Diskussion mit dem Publikum stattfinden.

Referenten

Yuko Nishiyama, Englischlehrerin aus Fukushima, ist eine der „freiwillig Evakuierten“. Wie viele andere Mütter ist sie im vergangenen Sommer mit ihrer dreijährigen Tochter nach Kyoto umgesiedelt – ohne Ehemann. Die Sorge um die Gesundheit der Kinder, die Angst vor verstrahlten Lebensmitteln und das Misstrauen gegenüber den behördlichen Strahlenmessungen bewegten sie zu diesem Schritt. Sie will nie wieder zurück nach Fukushima.

 

Satoshi Nemoto ist Bauer und lebt im Distrikt Fukushima. Er ist Präsident des lokalen Bauernverbands “Nomiren Fukushima”. Er führt Messungen der Böden und Ernten durch und setzt sich für die Entschädigung der Landwirte ein. Im Dialog mit den Behörden vertritt er die Anliegen der Bauern.

 

 

Greenpeace-Fotoausstellung, 3.-17. März – Bern, Waisenhausplatz
Zone interdite - Unterwegs in der Sperrzone

Strahlenmessung in der Sperrzone

© Greenpeace / Christian Aslund

Im Juni 2011 reiste der Schweizer Fotograf Guillaume Briquet ein erstes Mal in die 20 Kilometer-Sperrzone von Fukushima. Zu Fuss durchstreifte er das evakuierte Gebiet – gut ausgerüstet zwar, aber mit der Angst als ständiger Begleiterin: Da war das Risiko, von den Wärmebildkameras entdeckt zu werden, mit denen die Behörden die Sperrzone überwachten, und da war die unheimliche Bedrohung durch die radioaktive Verseuchtheit des Gebiets. Insgesamt 38 Stunden war Briquet unterwegs, bevor er die Gegend wieder verlassen musste, weil er sich verletzt hatte. Im Dezember 2011 schaffte er es ein weiteres Mal in die verbotene Zone einzudringen. Von diesen beiden Expeditionen zeugen die 18 Bilder, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Guillaume Briquets Bilder wirken auf den ersten Blick unspektakulär und teilweise beliebig. Doch je ungezwungener der Fotograf Ausschnitte aus Landschaften oder Räumen gewählt hat, desto stärker dringt die beklemmende Gemeinsamkeit der Bilder durch: Das Fehlen jeglichen menschlichen Lebens. In den Blickwinkeln und in der Distanz, mit welcher Briquet seinen Sujets gegenübertritt, widerspiegeln sich die Verlassenheit und die permanente Angst entdeckt zu werden. Wo einst strenge Ordnung herrschte, holt sich heute – sinnbildlich für den Verlust von Tradition und Struktur – die Natur ihren Raum zurück. Winzige Details und eine alle Bilder durchdringende Grundstimmung lassen das Leid der Menschen, die durch die Atomkatastrophe vertrieben wurden, erahnen.

Guillaume Briquet

Der  48-jährige Genfer Fotograf Guillaume Briquet dokumentiert  in seinen Arbeiten die Krisenherde dieser Welt:  Schauplätze politischer Umwälzungen wie China oder Simbabwe und Katastrophengebiete wie Tschernobyl , Haiti - oder Fukushima.