Seit unzähligen Jahren bin ich Mitglied von Greenpeace und zahle jeweils mehr als nur den Mitgliederbeitrag ein. Aber nach der Lekture der beiden Artikel im „Magazin“ frage ich mich, ob ich noch im rechten Verein bin. Es ist mir völlig unverständlich, warum sich Greenpeace gegen die Ecopop-Initiative wendet. Mir scheint diese in keiner Weise in Widerspruch zu den Zielsetzungen von GP zu stehen und Greenpeace höchstens am Rande zu berühren. Hat man im Magazin wirklich nichts Besseres mitzuteilen? 

Ich trat Ecopop (EP) seinerzeit bei seiner Gründung aus der gleichen Grundeinstellung bei, wie ich Mitglied von Greenpeace (GP) geworden bin: Ich bin politisch unabhängig, als Biologe meinem gesunden Menschenverstand und meinem Fachwissen verpflichtet und als Bürger und Gymnasiallehrer umwelt- und verantwortungsbewusst. Ich war glücklich, als (ohne meine Mitwirkung!) diese Initiative lanciert wurde. Endlich eine Migrations-Initiative, die aus Besorgnis für die langfristige Zukunft unseres Landes ergriffen wurde und bewusst vermeiden wollte, fremdenfeindlich zu sein! Dass die Schweiz langfristig eine solche Zuwanderung wie in den letzten Jahren nicht  verkraften kann, ohne schweren Schaden in sozialer, politischer und oekologischer Hinsicht zu nehmen, scheint mir klar. Wir müssen die Einwanderung begrenzen, bei der die Dritte Welt zahlenmässig aber nur eine kleine Rolle spielt. Wenn man die Forderung nach Unterstützung der Familienplanung in der Dritten Welt in die Initiative aufgenommen hat, geschah dies aus Verantwortungsbewusstsein und um die Folgen unserer Einwanderungsbegrenzung in gewissen Entwicklungsländern zu mildern.

Zuerst zum Artikel von H. Grassegger. Er besteht aus lauter Verdächtigungen. Für mich steht als Tatsache fest, dass die weltweite Umweltbelastung zu wesentlichen Teilen a) von der Bevölkerungszahl und b) von den Ansprüchen des Einzelnen (vor allem in den Industrieländern) abhängt. Sagen Sie mir, warum das nicht stimmen soll! Ob dabei der Herr XY (Naess) oder die Ideologie YZ (Tiefenökologie) ähnliche Ansichten vertreten, tut nichts zur Sache. Von beidem habe ich noch nie etwas gehört im Zusammenhang mit EP. Vollends gemein finde ich, wenn Grassegger mit vagen Andeutungen die bekannte „Nazikeule“ schwingt („Dunst von Eugenik“). Einen „Rechtsdrall“ habe ich bei Ecopop nie bemerkt; darauf wäre ich sensibel. Dass es auch  Mitglieder mit einer politischen „Rechtsaussen-Vergangenheit“ gibt, mag sein, kann man aber EP nicht anlasten. Ich bin der Ansicht, ein richtiger Gedanke sei nicht falsch, auch wenn er unter anderem von „bösen“ Leuten ausgesprochen wird. Man wirft dem Naturschutz auch nicht vor, dass die Nazis  damals sich sehr dafür eingesetzt haben. Im übrigen dünkt mich, Ideen wie „Biodiversivität“ und „Mensch als Bestandteil des Oekosystems“ sollten dem GP nicht so abwegig erscheinen!

Der erste Abschnitt des Artikels von S. Boos beginnt absolut richtig und endet dann vielsagend: „Nicht alles was logisch scheint, ist richtig.“ Nun erwartet man natürlich den Gegenbeweis: Der zweite Abschnitt beginnt dann mit einem richtigen Zitat. Aber die „kühne Kausalkette“ nachher ist von Boos konstruiert! Sie soll mir zeigen, wo EP behauptet, die Immigration aus Entwicklungsländern führe zu überfüllten Zügen etc.! Im Folgenden benützt Boos  immer das gleiche Muster. Es wird eine Menge an sich richtiger Informationen gegeben, die aus dem Zusammenhang gerissen sind oder mit dem Anliegen der Initiative kaum zu tun haben (z.B. fehlender Nachwuchs in Europa; zwar abnehmende Zuwachsrate, die aber in vielen - nicht allen! – Entwicklungsländern immer noch viel zu hoch ist) Und dann konstruiert sie hanebücherne Zusammenhänge.  Boos scheint keine grosse Ahnung von den Zuständen in gewissen Entwicklungsländern zu haben, sonst könnte sie eine Hilfe zur Frauenempanzipation nicht als „kolonialistisch und falsch“ beschimpfen.  – Ich müsste einen eigenen Artikel schreiben, um alle üblen Unterschiebungen und falschen Schlüsse von Boos zu widerlegen. Steckt dahinter Unkenntnis oder üble Agitation?

Ich habe mir nun Mühe gegeben, Ihnen darzulegen, weshalb ich über die beiden Artikel empört und über die Haltung von GP verunsichert bin. Mir scheint, dass Sie zum Vornherein gegen die Initiative eingestellt  waren und dann nach Gegenargumenten suchten. Ich begreife einfach nicht, weshalb sich GP auf so unqualifizierte Weise in eine innenpolitische Auseinandersetzung einmischt, die mit seiner Zielsetzung meiner Meinung nach nichts zu tun hat. Ich bitte Sie also, mir Ihre Haltung verständlich zu machen. Noch besser wäre eine Stellungnahme im Magazin. Warum nicht verschiedene Positionen zu Wort kommen lassen, wenn Sie wirklich der Meinung sind,  die Initiative sei für GP ein wichtiges Thema? Sollte ich von Ihnen keine befriedigende Stellungnahme erhalten, müsste ich mir überlegen, aus Ihrem Verein auszutreten. Ich würde dies sehr bedauern, da ich Ihr Grundanliegen bisher voll mitgetragen habe und es immer noch tue. Aber es gibt bekanntlich genügend andere gute Umweltschutzorganisationen.

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Bisherige Kommentare:

A. Thommen, Ecopop sagt:

Danke für diese klaren Worte Herr Oelhafen! Als langjährigem Mitglied von Greenpeace ist auch mir nicht ganz klar, wieso sich Greenpeace überhaupt zu diesem innenpolitischenThema äussert und erst Recht bleibt im Dunkeln, wieso GP nicht eine differenziertere Analyse veröffentlicht hat. Wir von Ecopop wären für Rückfragen gerne bereit gewesen!