Fangmethoden

Wie der industrielle Fischfang die Meere zerstört

Story - 14. August, 2010
Von oben gesehen umhüllt die Erde ein tiefblauer Mantel: das Meer. Mit Satellitenbildern ist es heute kinderleicht, ungeahnte Gegenden zu entdecken. Gibt man auf Google Maps den Begriff «Timbuktu, Mali» ein, so kann man sogar die Spuren erkennen, welche Fahrzeuge auf dem Weg zur mythischen «Wüstenperle» im Sand hinterlassen haben.

Fangmethoden

Industrielle Fischerei mit verheerenden Folgen: Die breiten Schleppnetze hinterlassen katastrophale Schäden an Korrallenbänken und anderen sensiblen Lebensräumen. Ein Netz von 500 m Länge kann in einer Sekunde bis zu 1'750 m2 Meeresgrund zerstören.

Ein Blick auf «Altamira, Brasilien» macht deutlich, wie die Urwaldzerstörung im Amazonasgebiet aussieht. Will man jedoch die Meere besichtigen, sieht man nur noch blau – während unter dem Meeresspiegel die Zerstörung voranschreitet. In den Weltmeeren leben mehr als 80 Prozent der Lebewesen des Planeten. Die industrielle Fischerei richtet dort massive Schäden an. Beifang und verheerende Fangmethoden zerstören Arten, Ökosysteme und Meeresboden. Tiefseefischerei zielt auf Fischfang nahe dem Meeresgrund ab, also in sehr grosser Tiefe. Begehrt sind etwa Kaiserbarsch, Heilbutt, Schwarzer Degenfisch oder gewisse Haiarten, die in einzigartigen Ökosystemen aus Tiefseebergen oder Korallenriffen leben. Von den verschiedenen Techniken wird das Grundschleppnetz am häufigsten verwendet (siehe Grafik). Tiefseegebiete finden sich jenseits der Festlandsockel in grosser Tiefe. Sie gehören zu den letzten grossen Reserven wilder Artenvielfalt und sind gegenüber Störungen jeglicher Art besonders empfindlich. Viele dort lebende Arten sind verletzlich und wachsen langsam heran, wie Kaltwasserkorallen, die über Tausende Jahre leben können. Die meisten Tiefseefischarten sind bereits stark gefährdet durch Überfischung. Sie leben in Schwärmen in der Nähe von Tiefseebergen und sind daher für die Überausbeutung ein leichtes Opfer.

Beifang

Die Methoden des industriellen Fischfangs unterscheiden nicht zwischen den gesuchten Arten und jenen, die nicht kommerziell nutzbar sind, dem sogenannten Beifang. Als Beifang werden etwa Wale und Meeressäugetiere, Haie, Schildkröten und Seevögel sterbend oder tot ins Meer zurückgeworfen. Der Beifang macht jährlich bis zu 38 Millionen Tonnen aus, das sind 40 Prozent der totalen Fangmenge. Mancherorts beeinträchtigt diese erschreckende Praxis gar das Funktionieren der marinen Ökosysteme.

Technologische Fortschritte und Forschungen bringen laufend neue Erkenntnisse über diese einsamen Lebensräume nahe dem Meeresgrund, mit ihren Furchen, Tiefseebergen, hydrothermalen Quellen und kalten Sickerstellen (sogenannte Cold seeps). Das schnelle Anwachsen der Tiefseefischerei und die Nachfrage nach weiteren Ressourcen (Erdöl- und Gasförderung, demnächst auch Tiefseebergbau) laufen Gefahr, grossflächige und unwiederbringliche Schäden in diesen fragilen Ökosystemen anzurichten, bevor diese überhaupt richtig erforscht sind. Faktisch beutet die Tiefseefischerei die letzten Zufluchtsorte für kommerziell genutzte Fischarten aus. Greenpeace fordert, dass Tiefseefische nicht als Ersatz für die zusammengebrochenen Bestände aus höheren Meeresschichten dienen dürfen. Tiefseegebiete müssen mit ihren Lebewesen und komplexen Ökosystemen durch sofortige und strenge Massnahmen erhalten und geschützt werden.

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