Einen Regenbogen kann man nicht versenken

Die letzte Tour der Rainbow Warrior II

Story - 24. Januar, 2011
Bevor ein jüngeres Schiff ihr Erbe antritt, wird die nun 52 Jahre alte Rainbow Warrior II ein letztes Mal als Schutzbefohlene der Ozeane durch die Meere ziehen. Damit machen Schiff und Crew ihrem Namen mal wieder alle Ehren – So sagt die Namen gebende Sage der Cree-Indianer die Ankunft der „Regenbogen-Krieger“ voraus, die aus allen Teilen der Erde zusammen kommen werden, um unseren Planeten zu schützen!

von Inga Laas

Am 10. Juli 1989 tritt die Rainbow Warrior II ein ehemaliger und umgebauter Nordseetrawler, mit ihrer ersten Fahrt eine gewichtige Nachfolge an: Vier Jahre zuvor explodierten auf den Tag genau zwei Minen an den Aussenwänden der Rainbow Warrior I. Das Schiff versank innerhalb weniger Minuten; der Greenpeace Fotograf Fernando Pereira kam ums Leben, der Rest der Crew konnte sich in letzter Minute an Land retten.

Der Anschlag Seitens der französischen Regierung sollte verhindern, dass Greenpeace-Aktivisten anstehende Atomtests im französisch-polynesischen Moruroa stören würden.

Niemand hatte damit gerechnet, dass die französische Regierung dabei über Leichen gehen würde. Ein hart umkämpfter Strafprozess verurteilt die französische Regierung zu Schadensersatzzahlungen und die ausführenden Agenten zu Gefängnisstrafen. Alle eingebundenen Minister müssen zurücktreten. Trotzdem werden die Agenten Jahre später nachträglich noch mit einem Verdienstorden ausgezeichnet.

Heute liegt das gesunkene Schiff an der Nordküste Neuseelands und ist ein belebtes künstliches Riff für Fische und Korallen.

Fortan ist es die Rainbow Warrior II, welche im Kampf für Natur und Umwelt mit Greenpeace durch die Meere zieht. Die letzte grosse Reise führt Schiff und Besatzung durch den Ostasiatische Raum: Taiwan, Hongkong und Korea. Und durch den Pazifik. Einst reich an Thunfisch-Beständen, war der pazifische Ozean für Millionen Menschen und Tieren die Nahrungsgrundlage. Heute sind die Fischbestände durch jahrelanges Überfischen dezimiert und das Gleichgewicht droht zu kippen. Auf der Oceans-Defender Tour wird Greenpeace vor allem für ein weltweites Netzwerk von Meeresschutzgebieten kämpfen und sich für die konsequente Ausführung sinnvoller Gesetze zum Schutz vor Überfischung und Verschmutzung durch die Industrie stark machen. Dabei wird Greenpeace die verschiedenen Staaten ansegeln, und auffordern den Schutz der Ozeane zu unterstützen. Die verschiedenen Ziele sind aber nicht zufällig gewählt. Derzeit weilt die Crew zum Beispiel vor der Pingtun Provinz in Taiwan. Hier gab es noch vor ein paar Jahren riesige Bestände des Roten Thuns.

Alljährlich zogen die Schwärme die Küste entlang – eine willkommenes Spektakel für Tourismus und Fischer, ein traditionelles Fest unter den Einheimischen. Heute hat der weltweite Sushi Boom für eine fast vollständige Ausrottung des Roten Thunfischs geführt und die Fische bleiben aus. Mit ihnen Einkommen und Nahrung der Bevölkerung. Alternativen sind gefragt. Hier hat die Crew es sich zur Aufgabe gemacht, alle nur möglichen Kräfte für sinnvolle Ideen und Alternativen zu mobilisieren. Mit Aktionen und Infoveranstaltungen „on Board“ der Rainbow Warrior versucht Greenpeace Bevölkerung und Regierung zu informieren und vor allem zu bewegen jetzt zu handeln und jetzt für den Schutz der bedrohten Arten zu sorgen.

Wer das legendäre Schiff und seine Crew auf seiner Reise besuchen will, kann das mit einer Live-Webcam tun. Eine kleine Führung durch Herz, Bauch, und Rumpf des Schiffes gibt  Captain Mike.  Er erklärt auch, warum es nie möglich sein wird, einen Regenbogen wie diesen zu versenken. Wie auch schon ihre Vorgängerin Rainbow Warrior I, wird auch die Rainbow Warrior II ein Erbe hinterlassen: Die Rainbow Warrior III. Das Schiff ist seit Anfang 2010 im Aufbau und soll noch dieses Jahr erstmals die Segel hissen.

Die ziemlich bunte Crew kommt aus allen Teilen der Welt. Jojo zum Beispiel, ist aus Neuseeland und derzeit Koordinatorin auf der RWB II. „Vollies“ nennt sie die Volunteers liebevoll und berichtet über deren unermüdlichen Einsatz und ihr Talent selbst graue und nasse Tage zum Strahlen zu bringen. Robert ist aus Tschechien und zweiter Kapitän auf der RWB. Derzeit beantwortet er alle Fragen der Besucher. Dass es dabei manchmal recht lustig zugeht und er bei manchen Fragen auch passen muss, erzählt er hier.

Die Greenpeace-Taucherin Sari erzählt, wie sie in einer Telefonzelle auf dem Grund der Nordsee um Hilfe für die Meere gerufen hat.

Wer die aktuelle Oceans-Defender Tour verfolgen möchte, sollte sich unbedingt den Blog der Crew anschauen, hier erfährt man alle aktuellen Ereignisse der Tour.  Wir wünschen eine gute Fahrt!