Rohstoffe ohne Grenzen?

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Story - 1. Februar, 2012
Der Bedarf an Rohstoffen, Energie und Metallen ist immens, und einfach zugängliche fossile Vorkommen sind rar geworden. Die Konzerne dringen darum in immer entlegenere Regionen vor. Berge köpfen in den Appalachen, Gletscher sprengen in den Anden, Tiefseeböden umpflügen im Pazifik, Schiefergas fördern in der Schweiz und dereinst gar das Meer enteisen für Methangas. Der Boom scheint ohne Grenzen, doch er ist es nur, solange wir ihm keine setzen. Fünf Beispiele, viel Dreck und ein Schimmer Hoffnung.

Von Thomas Niederberger


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Sprengung in einer Kupfermine in Chile

© Ron Watts / Corbis

 

Die Folgen des Rohstoffrausches sind katastrophal. Manche stehen kurz im Fokus der Öffentlichkeit, wie die Ölpest der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko oder der Bruch des Rückhaltebeckens der Aluminiumfabrik MAL AG in Ungarn, beide von 2010. Die schleichende Vergiftung, die alltägliche Korruption und Menschenrechtsverletzungen, die das Geschäft mit Rohstoffen meist begleiten, sind hingegen schwer erfassbar. Die gesamte Dimension des Desasters übersteigt die Vorstellungskraft des Einzelnen, aber wichtige Elemente zum Verständnis des Problems liegen vor unserer Haustüre: Die Schweiz gehört zu den Ländern, die am kräftigsten zulangen auf der Rohstoffparty.

 

Berge köpfen für Kohle

Seit Beginn der industriellen Revolution wird Kohle verbrannt, um Energie zu gewinnen. Die Methode ist genauso primitiv wie billig. Wie lange die Reserven noch reichen, ist umstritten, die Datenlage ist zweifelhaft. Sicher ist: Der Abbau wird immer zerstörerischer, je seltener die am einfachsten zugänglichen Vorkommen werden.

Der Guyandotte in West Virginia (USA) ist einer von 500 Gipfeln, die abgetragen wurden, um an Kohle zu gelangen.

© Kent Kessinger and Appalachian Voices

Im US-amerikanischen Appalachen-Gebirge wurden schon über 500 Berge «geköpft». Die Abbaumethode heisst «Mountain Top Removal» (MTR), Bergspitz-Entfernung. Zuerst wird abgeholzt und die oberste Erdschicht abgetragen, dann der Fels gesprengt bis hinunter auf die Kohleschicht, die dann mit Spezialbaggern ausgehoben wird. Danach wird wieder gesprengt bis zur nächsttieferen Kohleschicht. Die Gesteinsmassen, die mal ein Berg waren und jetzt «Abraum» sind, werden in anliegende Senken und Täler gekippt und am Schluss behelfsmässig begrünt. Der arsen- und schwermetallhaltige Schlamm, der beim Waschen der Kohle entsteht, wird in riesigen Rückhaltebecken abgelagert. Anders als bei den traditionellen Untergrundminen erlaubt die MTR-Methode den Einsatz riesiger Maschinen, mit denen wenige Arbeiter ein Mehrfaches an Kohle fördern können. Doch die indirekten Kosten für Mensch und Natur sind gewaltig: In den Appalachen wurden bereits 5000 Quadratkilometer Wald abgeholzt und über 2000 Kilometer Fliessgewässer unter Schutt begraben – ein dramatischer Verlust an natürlichen Biotopen. Der Staub der Sprengungen vergiftet die Luft, die Gewässer werden verschmutzt. Studien zeigen in der Region deutlich höhere Raten für Krebs, Atemwegserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen.

Kohleenergie boomt. Trotz allen offiziellen Beteuerungen, etwas gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen: Die Preissteigerung bei den Energieträgern erzeugt auch einen Boom bei der Kohle, mit 43 Prozent Anteil am globalen CO2-Ausstoss Klimakiller Nummer eins. China und Indien gehören zu den grössten Produzenten, müssen aber wegen ihres schnell wachsenden Verbrauchs immer mehr Kohle importieren. Die USA produzieren fast die Hälfte ihrer Elektrizität mit Kohle, ohne die Absicht, daran etwas zu ändern. Im Gegenteil: Gegenwärtig sind über 150 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.

 

Pro Tonne gesprengten Gletscher fallen in der argentinischen Mine Veladero 1,5 Gramm Gold an.

© Greenpeace / Martin Katz

 

Gletscher sprengen für Gold

Im spärlich besiedelten Andengebirge zwischen Chile und Argentinien sind rund 200 Gold-, Kupfer- und Silberminen geplant, im Bau oder bereits im Betrieb. Die meisten gehören zur Kategorie der sogenannten «Mega-Minen». Diese haben nichts mehr mit dem traditionellen Untertage-Bergbau gemein, bei dem Arbeiter mit Pickeln und Dynamit in die Stollen stiegen. Mega-Minen fördern Metallkonzentrationen im Spurenbereich, indem im Tagebau riesige Gesteinsmassen gesprengt, mechanisch zermahlen und mit Hilfe von Zyanid in ihre Bestandteile aufgelöst werden – unter enormem Ressourcenverschleiss.

Ein Beispiel ist die Mine Veladero, die der kanadische Konzern Barrick Gold in den argentinischen Anden auf fast 5000 m ü. M. betreibt: Pro Tonne gesprengten Fels fallen hier gerade mal 1,5 Gramm Gold an. Aus einer Tonne -Elektroschrott kann zehnmal mehr gewonnen werden. «Das Gold ist nicht sichtbar, es wird chemisch und geologisch erraten», schreibt der Journalist Jesús Rodríguez, der auch erfahren hat, was nach der aufwändigen Extraktion geschieht: Das Rohgold wird nach Zürich geflogen und in einem Schmelzwerk im Tessin zu zertifizierten Goldbarren geschmolzen. Dann gelangt es auf den Weltmarkt – für Schmuck und eingelagert als krisensichere Wertanlage.

Erstmals wurden wir stutzig, als in der Nähe der Mine Füchse ohne Pelz gesehen wurden.

 

Die Mine Veladero liegt zu einem guten Teil in der Permafrostzone. Für ihren Bau wurde eine Strasse mitten durch einen Gletscher gelegt. Unabhängige Geologen haben im Gebiet von Veladero zahlreiche kleinere Gletscher entdeckt, die dem Abbau zum Opfer fallen werden, was eigentlich verboten wäre (siehe unten). Wie Veladero liegen die meisten der geplanten Minen direkt an den Wasserquellen, von denen Tiere, Pflanzen und Menschen abhängen, die in oasenähnlichen Flecken am Fuss der Berge leben. Etwa in Andalgalá, einer unterhalb der Mine La Alumbrera gelegenen Kleinstadt. 1997 als erste Argentiniens in Betrieb genommen, hat diese Mega-Mine einen Wasserverbrauch von 100 Millionen Liter pro Tag, die aus dem Grundwasser einer Hochebene abgepumpt werden. Die Wassermenge in den Flüssen hat seither dramatisch abgenommen. Ausserdem vergiften der Staub der Sprengungen und die zur Auslösung der Metalle eingesetzten Chemikalien Luft, Boden und Wasser der ganzen Region. Ein Aktivist der lokalen Bürgerinitiative gegen die Mine erinnert sich: «Erstmals wurden wir stutzig, als in der Nähe der Mine Füchse ohne Pelz gesehen wurden.» Unterdessen würden auch Kinder und Erwachsene immer häufiger erkranken, nur fehlten die Statistiken, um den Zusammenhang schlüssig beweisen zu können.

Ein Gesetz für die Gletscher. Was ist ein Gletscher? Wo endet er? Was passiert, wenn er verschwindet? Selten wurden Fragen wie diese so heftig debattiert wie gegenwärtig in Argentinien. Dort ist der Bergbau im Gletschergebiet seit Oktober 2010 per Gesetz verboten. Ein weiterer Erfolg für Umweltorganisationen und die landesweite Basisbewegung Unión de Asambleas Ciudadanas (Vereinigung der BürgerInnenversammlungen), nachdem sich im Jahr 2003 in der Kleinstadt Esquel 81 % der Bevölkerung gegen eine Tagebau-Goldmine gestimmt hatten. Die Bergbaukonzerne versuchen nun mit allen Mitteln zu bestreiten, dass ihre Projekte im Gletschergebiet liegen, und machen gleichzeitig Druck auf Provinzregierungen und Gerichte, um das Gesetz und die darin verlangte Kartierung der Gletscherzonen zu blockieren. Noch gibt es kein offizielles Register, aber Umweltorganisationen haben schon mal angefangen zu zählen und im Gebiet der geplanten Minen Dutzende von mit Geröll vermischten sogenannten «Blockgletschern» entdeckt, die in den Umweltverträglichkeitsberichten der Konzerne nicht auftauchen, obwohl sie für den Wasserhaushalt als ausgleichende Puffer eine bedeutende Rolle spielen. Für die Konzerne handelt es sich dabei eben nicht um «richtige» Gletscher. Und wo genau hört die «periglaziale Zone» auf, in welcher der Abbau verboten ist? Heere von Anwälten und Richtern sind jetzt daran, Gletscherkunde zu studieren, denn selten ging es bei einer Karte um so viel Geld wie bei dieser.

 

Tiefseeböden umpflügen für polymetallische Sulfide …

Die Ölkonzerne sind seit einiger Zeit daran, in die Tiefsee vorzudringen. Jetzt geschieht dasselbe auch für Metalle. Die erste kommerzielle Tiefseemine heisst Solwara 1, liegt in den Hoheitsgewässern von Papua-Neuguinea und soll frühestens 2013 in Betrieb genommen werden. Die kanadische Firma Nautilus Minerals hat im letzten Januar die Bewilligung erhalten, auf 59 Quadratkilometern Tiefseeboden in rund 1600 Meter Tiefe polymetallische Sulfide abzubauen. Diese bilden sich, wo Kontinentalplatten auseinanderdriften und Wasser bis in die Nähe des Magmas sickern kann. Dort wird es erhitzt, mit gelösten Metallen angereichert und schiesst in geysirähnlichen Kanälen aufwärts zum Meeresboden, wo es sich abrupt abkühlt und eine mit Kupfer, Zink, Gold, Silber und weiteren Metallen durchsetzte Kruste bildet. Diese soll nun mit ferngesteuerten Raupenfahrzeugen abgefräst werden. Das Sulfid würde dann mit Meerwasser zu einem Schlamm vermischt und auf das Produktionsschiff gepumpt, wo das Wasser wieder ausgeschieden und in die Nähe des Meeresbodens zurückgepumpt würde. Das Erz würde an Land verschifft, wo die verschiedenen Metalle in chemischen Verfahren herausgelöst werden könnten.

Die indigene Bevölkerung von Papua-Neuguinea befürchtet eine Wiederholung der bewaffneten Konflikte von 1997. Auch damals ging es um Rohstoffe und Umweltzerstörung.

© Alex Smailes / Sygma / Corbis

 

Nautilus Minerals beteuert, die durch den Abbau verursachten Schäden seien unbedeutend. Doch Meeresbiologen und Umweltorganisationen sind alarmiert. Über die äusserst sensiblen Spezies der Tiefsee ist sehr wenig bekannt. Sicher ist, dass die Bodenorganismen in den Abbauschneisen komplett zerstört würden. Es dürfte Jahrzehnte dauern, bis sie sich regenerieren. Die aufgewirbelten Partikelwolken könnten auch das Leben in entfernteren Zonen ersticken. Indigene Küstenbewohner befürchten negative Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlage, die Fischerei, und haben sich deutlich gegen das Projekt ausgesprochen:
«Wir sind keine Versuchskaninchen», titelte eine Meldung vom letzten Juli. Das Misstrauen kommt nicht zuletzt von den extrem negativen Erfahrungen mit dem «klassischen» Bergbau, der in Papua-Neuguinea ganze Flusssysteme vergiftet, indigene Gemeinschaften vertrieben und bewaffnete Konflikte ausgelöst hat. Nautilus Minerals dreht das zu einem Argument für ihre Methode: «Die Produktion am Meeresgrund erfordert keine Umsiedlung und führt daher zu keiner Störung von traditioneller Landnutzung.» Unerwähnt bleiben die Kreaturen der Tiefsee, die noch kaum jemand zu sehen bekommen hat und deren Verschwinden unbemerkt bleiben wird.

 

Neben Nautilus Minerals haben sich viele weitere Firmen Explorationslizenzen für den Tiefseeboden gesichert, bisher vor allem in den Hoheitsgewässern von pazifischen Inselstaaten. Dort kommt nationales Recht zur Anwendung, im Unterschied zu den internationalen Gewässern, die als «Erbe der Menschheit» gelten, weshalb die UN-Meeresbodenbehörde für die Schürflizenzen zuständig ist. Über die genauen Regeln wird immer noch verhandelt. Bis anhin hat die Behörde lediglich an staatliche Forschungsunternehmen Explorationslizenzen für Manganknollen und polymetallische Sulfide im nördlichen Pazifik und im Indischen Ozean erteilt. Dabei sind China, Frankreich, Deutschland, Indien, Japan, Russland, Südkorea, ein osteuropäisches Konsortium und seit kurzem die pazifische Inselrepublik Nauru.

 

 

... und demnächst: Meere enteisen für Methanhydrat?

Propheten der fossilen Energie sagen, wenn Öl, Gas und Kohle ausgehen, können wir immer noch Eis verbrennen. Methanhydrat ist in Eis eingeschlossenes Methangas, das aus dem Abbau von organischem Material stammt. Die Vor-kommen befinden sich in den Böden der Permafrostzonen des Nordens ab einer Tiefe von 150 Metern, vor allem aber im Meer an den Kontinentalrändern, je nach Temperatur und Druck in einer Tiefe von 100 bis 300 Metern. Methanhydrat ist die grösste fossile Energiereserve überhaupt. Geschätzt wird, dass darin dreimal mehr Kohlenstoff gebunden ist als in den Vorkommen von Öl, Gas und Kohle zusammen.

Verschiedene Forschungsunternehmen erproben Techniken, bei denen warmes Wasser, Enteisungsmittel oder flüssiges Kohlendioxid (CO2) in die Lagerstätten des Methanhydrats injiziert werden, um das Eis zum Schmelzen zu bringen und das Methangas absaugen zu können. Einen Haken hat die Sache: Methan ist ein Klimakiller. Es wirkt 20 bis 30 Mal stärker als CO2, wenn es in die Atmosphäre gelangt. Der Abbau von Methanhydrat, sei es im Permafrostboden an Land oder im Meer, ist kaum möglich, ohne dass grosse Mengen Methan unkontrolliert entweichen.

Ob und wann der Abbau beginnt, hängt von der technischen Entwicklung und den Energiepreisen ab. Im Permafrost Alaskas könnte es bereits 2015 losgehen. Im Meer dürfte es mindestens zehn Jahre länger dauern. Denn da gibt es noch einen zweiten Haken, der den Forschern Kopfzerbrechen macht: Wie der Permafrost im Gebirge stabilisiert Methanhydrat das Gestein der Kontinentalabhänge im Meer. Es abzubauen, könnte die Hänge ins Rutschen bringen und Tsunamis auslösen.

Schmutzige Konzerne waschen grün. Auch die Rohstoffkonzerne können sich der Kritik an ihren Methoden nicht entziehen. Unterdessen publizieren die meisten Nachhaltigkeitsberichte und spenden an lokale Hilfswerke oder Naturschutzpärke. Auf der internationalen Ebene setzen sie auf freiwillige Richtlinien und Zertifizierungssysteme. Nur: Solange deren Einhaltung nicht rechtlich bindend und einklagbar ist, solange es keine unabhängige Überprüfung gibt, sind diese guten Vorsätze der vielleicht schmutzigsten Industrie nicht viel mehr als ein unglaubwürdiges «Grünwaschen».

 

Die Rebellion der Nüchternen. Hoffnung wächst von unten.

Fossile Energie und Metalle sind begrenzt, die einfach und günstig zugänglichen Vorkommen weitgehend erschöpft.

Neue Technologien und die hohen Rohstoffpreise ermöglichen es zwar, in immer entlegenere Regionen vorzudringen und immer tiefere Konzentrationen auszubeuten. Gleichzeitig wird dafür aber auch immer mehr (immer teurere) Energie aufgewendet, und die hohen Investitionen werden immer riskanter sowie anfälliger auf spekulative Preisschwankungen. Die eigentliche Konzentration der Rohstoffe ist oft nicht mehr entscheidend für die Wahl des Standorts, stattdessen orientiert sich der Gewinn an Faktoren wie tiefen Steuern, tiefen Kosten für Energie und Wasser und Umweltgesetzen, die entweder lasch sind oder nicht durchgesetzt werden. Daraus ergibt sich auch eine Verschiebung von den reicheren Ländern des Nordens in den ärmeren Süden, wo «schmutzige Industrien» bisher auf weniger Widerstand stiessen. Doch die Welt wird auch für die Konzerne immer enger. Die lokale Bevölkerung war früher meist schlecht informiert und wehrte sich erst, wenn eine Mine in Betrieb ging und Schäden sichtbar wurden. Aufgrund der negativen Erfahrungen mit früheren Minen geschieht dies heute oft bereits in der Planungsphase. Nicht selten erfolgreich: In Argentinien, Mexiko, Peru, Bangladesh, der Türkei und anderswo gelang es starken Basisbewegungen, einzelne Minen durch Blockaden und andere direkte Aktionen zu verhindern oder gleich die Parlamente dazu zu bewegen, den Einsatz von Zyanid oder den Tagebau insgesamt zu verbieten. Weltweit beharren indigene Völker immer stärker auf dem von der UNO garantierten «Recht der freien informierten Zustimmung» bei Projekten auf ihren traditionellen Territorien – inklusive des Rechts, Nein zu sagen. All das stärkt das Bewusstsein, dass die Zeit der billigen Rohstoffe vorbei ist und wir ernsthaft nach Alternativen suchen sollten.

Standort Schweiz

Die UBS hat eine knappe Milliarde Dollar in US-amerikanische Konzerne investiert, die die «Mountain Top Removal» Methode anwenden. Genf und Zug zählen neben London, Singapur oder New York zu den bedeutendsten Rohstoff-Handelsplätzen, die Zuger Schwesterkonzerne Glencore und Xstrata spielen in der obersten Produzentenliga. In Kolumbien etwa will Xstrata 40 Millionen Tonnen pro Jahr aus der Kohlemine Cerrejón holen. Der einzige Fluss der trockenen Region La Guajira müsste umgeleitet, zwölf indigene Gemeinschaften müssten umgesiedelt werden. Der Stromproduzent Repower, zu 46 Prozent im Besitz des Kantons Graubünden, plant in Süditalien und Norddeutschland zwei Mega-Kraftwerke, die mit billiger Kohle vom Weltmarkt, zum Beispiel aus Kolumbien, befeuert würden. Xstrata betreibt auch die Kupfer-Gold-Mine La Alumbrera in Argentinien (siehe Artikel) und plant mit El Pachón, Agua Rica und Filo Colorado drei Mega-Projekte, die auf Widerstand der Bevölkerung stossen. Zwei Drittel des jährlichen Goldbedarfs laufen durch Schweizer Handelshäuser und Schmelzwerke — unter strengster Geheimhaltung.
Im Buch «Rohstoff — das gefährlichste Geschäft der Schweiz» geht die Erklärung von Bern dem Erfolgsgeheimnis des Standorts Schweiz nach: Tiefe Steuern, Diskretion und das Wegschauen von Politik und Behörden. So wird etwa das Geldwäschereigesetz nicht auf Rohstoffhändler angewandt, obwohl sie darin ausdrücklich erwähnt sind. Die Regulierungslücken dürften jedoch bald unter Druck kommen: In den USA wurde ein strenges Gesetz zur Offenlegung von Finanzflüssen des Rohstoffsektors verabschiedet, die EU hat ähnliche Pläne. Die Schweiz wird nachziehen müssen.

 

Von Thomas Niederberger


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