«Karten sind Beweise»

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Story - 13. April, 2012
Kiki Taufik wurde in West-Java (Indonesien) geboren. Der 36-Jährige interessiert sich seit seiner Jugend für Landkarten. Als GIS-Spezialist für Greenpeace (GIS = Geografisches Informationssystem) dokumentiert er die Gefährdung des Naturwaldes.

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Greenpeace: Wann hast du begonnen, Karten zu erstellen? Macht es dir Spass?

Kiki Taufik: Als ich in der High School war, schloss ich mich einer Naturwald-Gruppe an. Ich liebte das Wandern und das Kartenlesen. Einer meiner Freunde schlug mir vor, im College Geografie als Hauptfach zu belegen – was ich auch tat. Beruflich befasse ich mich  seit 1996 mit Karten. Die Arbeit ist sehr befriedigend.

 

Wieso hast du das Kartografieren mit dem GIS zum Beruf gemacht?

Ich fand es einfach interessant, zu lernen, wie man Karten und geografische Informationssysteme erstellt, vor allem in Bezug auf Wälder. Ich hatte ein ernsthaftes Interesse am Kartenlesen und liess mich davon treiben – und so bin ich hier gelandet.

 

Greenpeace-Kartenexperte Kiki Taufik: «Meine Arbeit kann irreführende Informationen widerlegen.»

© Greenpeace

 

Kanntest du Greenpeace, bevor du zu ihr gestossen bist?

Zum ersten Mal hatte ich in der Schulzeit von Greenpeace gehört, als die Rainbow Warrior in den 90er-Jahren nach Jakarta kam. Es ging um eine Kampagne gegen illegalen Transport von Chemieabfällen. Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war. Jahre später, als ich für eine Kartierungsorganisation arbeitete, kam Greenpeace ab und zu vorbei und bat mich um Daten über Waldbestand, Abforstung und anderes mehr. Bevor ich aber zu Greenpeace stiess, war das Erstellen von Karten eher eine Nebenarbeit.

Bei Greenpeace sind Karten unerlässlich – wir brauchen sie als Informationen für unsere Kampagnen. Das macht den Job aufregend: Ich schaffe etwas von Bedeutung. Greenpeace braucht immer Analysen und Berichte. Die Organisation ist auf die Kenntnisse von Spezialisten angewiesen, um zu erfahren, was sich abspielt. Nur so können wir irreführende oder veraltete Informationen anfechten.

 

Hast du vor deinem Greenpeace-Engagement schon für eine andere Nichtregierungsorganisation (NGO) gearbeitet?

Zuvor war ich für die Beratungsfirma Sarvision Indonesien tätig, die sich mit Satelliten-Karten befasst. Wir arbeiteten eng mit der NGO BOS Foundation (Borneo Orang Utan) zusammen. Ich half auch anderen nicht profitorientierten Organisationen. Zum Beispiel versorgte ich Walhi, die grösste und älteste Umwelt-Interessengruppe Indonesiens, mit Karten zu den Waldbeständen.

Für mich gibt es nur zwei Gründe für eine Stelle. Erstens sollte die Arbeit mit meiner Ausbildung in Verbindung stehen: Das GIS ist also eine gute Option. Zweitens werde ich für keine Organisation arbeiten, die der Umwelt schadet. Das tönt sehr prinzipientreu, nicht wahr? Aber es kommt aus der Seele, die ich der Umwelt verschrieben habe.

 

Wie muss man sich deine Arbeit bei Greenpeace vorstellen?

Ich stelle Daten zusammen, die für Karten wichtig sind, wie Angaben zum Waldbestand, zu Torfmoorwäldern, kritischem Landbestand, Waldschutzgebieten, zu entwaldeten Regionen oder zu Gebieten, für die Unternehmen Konzessionen erhalten haben. Dann studiere ich diese und erstelle für Greenpeace eine Analyse mit Informationen, welche die Organisation für  ihre Kampagnen braucht.

Eine Karte der indonesischen Provinz Riau mit geschützten Gebieten (Grün = Wald, Rot = Torflandschaft) überlappt mit Konzessionen der Regenwaldindustrie (Gelb). Viele Konzessionen ragen weit in geschützte Gebiete hinein (insgesamt 1.7 Mio Hektar).

© Greenpeace

 

 

Du wirst als «leitender GIS-Spezialist» bezeichnet. Übertrieben?

Leicht, ja. Aber das Geoinformationssystem ist eine bedeutende Spezialisierung bei der Erstellung von Karten. Das Wort «Spezialist» bezieht sich darauf. «Leitende» Fachkraft – das sagt man vielleicht, weil ich vier Kinder habe,  mehr als meine Kollegen. Es mag daher so aussehen, dass ich der Älteste bin.

 

Ist es wichtig, dass Forst- und NGO-Sektoren Karten erstellen?

Ja. Auch andere Institutionen, die sich mit Raum- oder Ressourcenplanung befassen, sollten eine Kartierungsdivision haben. NGO wie Greenpeace, die Kampagnen durchführen, müssen zudem Beweise vorlegen können. Karten sind neben Fotos und Videos die besten solchen Beweise.

 

Du beschäftigst dich seit Jahren mit Forstwirtschaft. Wie ist der Zustand der Wälder in Indonesien?

Unsere Wälder befinden sich in einer kritischen Lage. Am schlimmsten sind die Schäden auf Sumatra, wo tiefe Torfmoorwälder für Plantagen zerstört wurden. Das ist nicht nur für die Wälder eine Katastrophe, sondern auch für das globale Klima, da diese Wälder immense Mengen von Kohlenstoff binden.

Die Abholzung von Wäldern auf der Insel Sumatra begann in den 80er-Jahren, doch seit Ende der 90er-Jahre ist es schlimmer geworden. Seither gibt es viel weniger Kontrolle. Provinz- und Lokalregierungen verkauften Land, das für Palmöl-, Papier- oder Holzplantagen sowie für Bergbau umgenutzt wurde. Das dauert bis heute an.

Vielleicht erinnerst du dich an die riesigen Waldbrände von 1997/98? Der Rauch zog auch über die Nachbarländer Malaysia und Singapur. Seither hassen die uns deswegen.

Abholzung und Waldschädigung müssten gestoppt werden. Wenn nicht, werden wir unseren Schatz verlieren. In der Provinz Riau auf Sumatra gab es einst 9 Millionen Hektar Wald, bis heute haben 931 000 Hektar überlebt, Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 die komplette Zerstörung bedeutet, stehen die Regenwälder Indonesiens bei 8.

 

Bist du optimistisch für die Zukunft der Wälder? Kann das Moratorium, für das sich euer Präsident einsetzt, Erfolg haben?

Ich bin pessimistisch. Ausser es gelingt uns, die Regierung unter Druck zu setzen. Es gibt noch immer Beamte, die gegen Regeln verstossen. Sie arrangieren «Schwarzgeschäfte», um viel Geld zu erhalten, ohne je in Betracht zu ziehen, was das nach sich zieht. Wenn die Gesetze nicht rasch eingehalten werden, werden wir bis 2050 alles verloren haben.

Ich will, dass meine Kinder die Schönheit der Wälder noch geniessen können, wenn sie erwachsen sind, dass sie die Natur lieben können, wie es auch ihr Vater tut. Ich nehme sie schon früh hinaus in die Natur, damit sie diese  schätzen lernen.

Ich möchte allen Unterstützerinnen und Unterstützern von Greenpeace in der Schweiz sagen, wie dankbar ich bin. Dank finanzieller Unterstützung können wir weiter daran arbeiten Indonesiens Wälder zu retten. Jeder Beitrag hilft, eine bessere Zukunft zu schaffen.

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