Urtümliche Buchenwälder sind in Deutschland rar geworden

Story - 10. Dezember, 2012
Urtümliche Buchenwälder sind rar geworden. Umso wichtiger ist es, diese Naturparadiese zu bewahren.

von Sara Westerhaus


Buchenwälder kommen europaweit vor. Sie sind die Heimat vieler Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und Erholungsorte für uns Menschen. Doch nun sind Deutschlands alte Buchenwälder bedroht: Sie wurden privatisiert und genutzt, die Forstwirtschaft umstrukturiert und mächtig Holz eingeschlagen. Alles, um billig und schnell Holz zu liefern. Greenpeace fordert deshalb einen sofortigen Einschlagstopp für alle Buchenwaldbestände, die älter als 140 Jahre sind. Dieser soll solange gelten, bis langfristig zehn Prozent der öffentlichen Bestände alter Laubwälder auf zusammenhängenden Flächen aus der Holznutzung genommen und dauerhaft geschützt werden.

Schützenswert: der europäische Buchenwald.

© Michael Kunkel / Greenpeace

Nur noch sieben Prozent der nacheiszeitlichen Buchenwaldfläche, die zwei Drittel Deutschlands überspannte, sind heute als junge oder alte Buchenwälder noch so ursprünglich, wie sie einmal waren. Die übrige Fläche musste Äckern, Weiden, Grünflächen und Waldplantagen mit Fichten und Kiefern weichen. Letztere haben mit einem natürlichen Wald kaum noch etwas gemein.

Laubmischwälder, wie sie in Europa schon ewig wachsen, können sich auch in Zeiten des Klimawandels am leichtesten anpassen. Denn die Natur kann es immer noch am besten! Zudem können sie noch im höheren Alter das Klimagas CO2 aufnehmen und langfristig speichern. Damit helfen sie den CO2 -Gehalt in der Atmosphäre zu verringern. Mit jedem verlorenen alten Laubwald wird das Klima weiter angeheizt und die Anpassung an die Klimaerwärmung erschwert.

Deutschland ist Entwicklungsland beim Urwaldschutz

International existiert eine breite politische Allianz zum Schutz der tropischen Regenwälder vor Abholzung. Dagegen ist Deutschland beim Schutz von alten Wäldern ohne forstliche Nutzung schlimmer als ein Entwicklungsland. Nur etwa ein Prozent der deutschen Waldfläche ist den natürlichen Prozessen und den dort heimischen Tieren und Pflanzen überlassen. Aber es gibt Hoffnung: Durch einen Beschluss der Bundesregierung und des Bundestages sollen bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder geschützt werden. Da sich rund die Hälfte unserer Wälder in privater Hand befindet, soll diese Quote erreicht werden, indem zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Dieser Plan muss jetzt umgesetzt werden.

Greenpeace startet Buchenwälderkampagne

Im April 2011 hat Greenpeace ein Gutachten veröffentlicht, das die Suchräume für Buchenwald-Schutzgebiete identifizierte und im Januar 2012 forderte Greenpeace zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, dem Naturschutzbund und dem Forum Umwelt und Entwicklung einen sofortigen Einschlagstopp für alte Laubwälder in öffentlichem Besitz.

Obwohl Bürgerinnen und Bürger die Eigentümer dieser Wälder sind, machen viele Bundesländer die Umweltdaten über besonders wertvolle Bestände nicht öffentlich zugänglich. So hält auch Bayern wenig von Transparenz und verweigert Angaben über die genaue Lage sowie Holznutzungplanungen der Einzelbestände der öffentlichen Buchenwälder.

Aus diesem Grund wurde Greenpeace selbst aktiv: Im Februar und März waren Greenpeace-Aktivisten im bayerischen Spessart mit GPS-Geräten unterwegs und erfassten knapp 24.000 ökologisch wertvolle alte Buchen und Eichen. Die Umweltschützer haben Flächen von mehr als 6800 Hektar erfasst und Luftbilder ausgewertet. Dabei deckten sie auf, dass die Bayerischen Staatsforste (BaySF) mit ihrer Waldbewirtschaftung gegen europäische Natura 2000-Richtlinien und das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen.

 

Ein erster Erfolg in Bayern

Aus Protest gegen diese illegale Bewirtschaftung der Wälder im bayerischen Spessart haben Greenpeace-Aktivisten im April bei Aschaffenburg Baumsetzlinge ausgetauscht und gesichert. Sie ersetzen etwa 1600 Nadelbaumsetzlinge der Baumart Douglasie durch junge Buchen und bauten die eingetopften Pflanzen zwei Tage später vor dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf.

Nach dieser und weiteren Protestaktionen haben Forstminister Brunner und der Vorstandsvorsitzende der BaySF erstmalig eingelenkt: Während die BaySF zuvor sagten, dass es nichts zu kritisieren gäbe, verkündeten sie im Juni diesen Jahres einen vorübergehenden Pflanzstopp für die nordamerikanische Nadelbaumart Douglasie in einem Schutzgebiet. Außerdem sprachen sie sich gegen die Holznutzung in über 180-jährigen Buchenbeständen ‚in den nächsten Jahren’ aus. Sie veröffentlichten zudem Karten dieser Wälder aus 13 der 41 BaySF-Betriebe. Noch ist der Schutz nicht rechtlich abgesichert und somit sind die Wälder nicht dauerhaft vor der Profitgier geschützt. Zudem werden die viel größeren Flächen der über 140 jährigen Buchenwälder weiterhin viel zu intensiv, naturfern genutzt. Ein echtes Schutzkonzept von zehn Prozent der Bayerischen Staatswälder fehlt komplett. Im Oktober kehrten die Aktivisten deshalb zurück in den Spessart, um weiter zu kartieren und damit Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

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