Forschung soll Erkenntnisse zum Wohl von Mensch und Gesellschaft hervorbringen. Was das Wohl ist und was dazu beiträgt, ist hier nicht Thema. Hingegen soll im Fall der Klimaforschung die These beleuchtet werden, dass sie das Klimahandeln eher behindert als fördert. Umweltverbände verstärken zudem die Behinderung mit ihrem Hang, Forschungsresultate zuzuspitzen.

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Klimaforschung ist populär und hat zum Beispiel den Berner Klimaphysiker Thomas Stocker in die Medien befördert. Er sagt unmissverständlich, die Klimaveränderungen seien menschgemacht. Er nimmt beherzt öffentlich Stellung und sagt, es müsse sofort gehandelt werden. Er macht seine Sache gut und der Beifall der Umweltorganisationen (UO) ist ihm sicher. Stockers Team ist mit Tiefenbohrungen im ewigen Eis der Antarktis von 440 000 auf 740 000 Jahre Klimazeitraum vorgestossen. Fernziel: eine Million Jahre Klimageschichte. Erkenntnisgewinn: In die vier bisher bekannten Eis- und Warmzeiten reihen sich vier weitere ein. Ausserdem hofft man die Frage, ob es in den nächsten 100 Jahren durchschnittlich 1.5, 3 oder 6 Grad wärmer wird, genauer beantworten zu können. Insgesamt sind im Forschungsschwerpunkt Klima in den Jahren 2001–2009 gesamtschweizerisch 110 Millionen Franken verforscht und in 519 Artikel, 1676 Konferenzbeiträge, 982 öffentliche Auftritte und 15 Dissertationen gegossen worden.

Dieser Publikationsstrauss zeigt eindrucksvoll, dass jene Forschung offenbar kaum etwas erreicht, in deren Folge es kein Produkt, sondern nur eine Idee zu verkaufen gibt. Eine einzige, z.B. von der Öllobby in Auftrag gegebene und von einem PR-Büro inszenierte Gegenstudie kann die potenzielle Wirkung der gesamten Klimaforschung aufheben. Das ist ein Grund, warum trotz 98 Prozent Einigkeit unter den Klimaforschenden nichts Namhaftes geschieht: Immer noch kann beispielsweise der kanadische Premierminister eine neue Studie zitieren, die zeige, dass der Klimawandel nicht gesichert sei. Um dann aus dem Kyoto-Protokoll auszusteigen. Ohne dass er verhaftet wird. Und es wirkt: So zeigte eine Befragung unter gut gebildeten WählerInnen der republikanischen Partei in den USA, dass eine Mehrheit glaubt, der Klimawandel sei nicht erwiesen – während 70 Prozent der weniger gebildeten US-BürgerInnen nicht an ihm zweifeln.

Aussagen wie «Wir brauchen ein vertieftes Verständnis» sind Fallen, da sie suggerieren, exaktes Wissen sei möglich und ohne müsse nicht gehandelt werden. Das Klima wird man indes nie genau verstehen können. Es ist, als ob ein Arzt beim Kind «Erde» feststellte, es sei krank und wenn man nichts unternehme, werde das Fieber höchstwahrscheinlich steigen. Die Therapie sei einfach – Energieeffizienz und erneuerbare statt fossile Energien – und risikolos. Wenn mehr als nötig therapiert werde, sei das kein Problem, da Energiesparen ohnehin gesund sei. Doch die Eltern sagen: «Nein, tun Sie lieber nichts. Wir wollen zuerst genauer wissen, was das Kind hat und um wie viel das Fieber zunehmen könnte.» Für den Einzelfall eine absurde Vorstellung – im Weltmassstab ist sie real.

Um nicht tiefer in diese «Noch mehr Forschung»-Falle zu geraten, erscheint die Forderung, die Klimaforschung auf Eis zu legen, gar nicht mehr so ketzerisch. Dass Forschende selbst ein Moratorium in der Klimaforschung postulieren, kann von ihnen nicht erwartet werden. Da aber fürs Handeln keine weitere naturwissenschaftliche Erkenntnis nötig ist, wäre dem Klimaschutz mehr gedient, würde statt eingleisige Tiefenforschung vermehrt interdisziplinäre, umsetzungsorientierte Forschung betrieben.

Mit einem solchen Moratorium würden sich die UO auch vor sich selber schützen – vor ihrem Hang, Forschungsresultate für ihre Zwecke zu interpretieren. UO setzen gerne auf Studien, die ihnen aber ausser Kurzzeit-Publikationserfolgen bisher kaum etwas gebracht haben. Ein Durchbruch ist nicht möglich, weil sie der falsche Absender sind (nicht «neutral») und weil jede Studie eine Gegenstudie nach sich zieht, die Laien und PolitikerInnen verwirrt. Ist die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines AKW-GAU in der Schweiz nun alle 1000 oder alle 33 000 Jahre? Werden die Erdölreserven in 30, 80 oder 300 Jahren ausgehen? Verursacht eine Kilowattstunde Atomstrom 10 oder 100 Gramm CO2? Oder mehr? Für jede Zahl gibt es eine Studie, die unterstützt, was der Interpret will. UO meinen offenbar, je schwärzer die Zukunft gemalt werde, desto eher würde gehandelt. Ein kolossaler Irrtum. Da niemand durch Verhaltensänderung ein Umweltproblem lösen kann, warten wir notgedrungen ab. Und wenn die angedrohte Katastrophe (z.B. «Der Wald stirbt») nicht übermorgen eintritt, hat Schwarzmalerei bei der Mehrheit einen gegenteiligen Effekt.