Lärmige Strasse

© Steve Morgan / Greenpeace

«Ich sprühe es auf jede Wand, neue Männer braucht das Land» sang Ina Deter in den 1980er Jahren. Heute stellen wir fest, dass zumindest eine Art neuen Mannes da ist: der Lärmer. Wo Lärm, da Mann. Fast immer. Still ist er nur am Grill. Der Umkehrschluss «wo Mann, da Lärm» trifft indes nicht zu: Es handelt sich nur um eine kleine, aber unüberhörbare Randgruppe motorisch getriebener Männer. Ob Laubbläser, Modellflugzeug, Bassverstärker im Auto, Elektroheckenschere oder Motorsäge: Wenn’s lärmt, sitzt meist ein Mann an der Quelle. Mit einer Ausnahme: dem Staubsauger. Erste Tests, das Engagement besagter Männer im Haushalt mit einem Kochherd zu erhöhen, der beim Anstellen wie ein Ferrari aufheult, schlugen allerdings fehl.

«Ich lärme, also bin ich» scheint die Seinserkenntnis des lärmoyanten Mannes zu sein. Er braucht den Lärm, wie der Star die Bühne. Fehlt der innere Motor, muss offenbar ein äusserer her.

Männer beim lärmen

© Steve Morgan / Greenpeace

Gewiss, hinter fast jedem Motorenlärm verbirgt sich eine gewisse Nützlichkeit: Wer will heute noch Holz hacken? Blätter zusammen blasen geht schneller als sie rechen und ein Alpenflug ist enorm schön. Trotzdem ist es frappant, mit welcher Selbstverständlichkeit Lärmer agieren. Als gäbe es ein Menschenrecht, Lärm machen zu dürfen. Kein Privatflieger, der sich früge, ob es womöglich ein Problem sein könnte, sich einem Gipfel geräuschvoll zu nähern. Kein Yamahaner auf der Passstrasse, der nicht dächte, dieser Ton ist so geil, dass das andere auch so sehen bzw. hören müssen. Nichtdestotrotz fragt man sich, wer eigentlich zugelassen hat, dass Quads zugelassen wurden, und auch: Warum müssen 50-Kubik-Kleinmotorräder, erlaubt für Mikromacker ab 16, derart laut sein?

Wie auch immer. Würden Störenfriede in einer wöchentlichen Lärmstunde pro Lärmart gebündelt, wäre es jedenfalls einfacher sich zu schützen. Beispielsweise könnte man Passstrassen gezielt und zeitgenau meiden. Mit einer solchen Fokussierung würde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass man sich von Lärmgenossen nicht gestört fühlt: Wer selber mit einem lauten Motor Rasen mäht, empfindet das Rasenmähen des Nachbarn nicht als Lärm.

Solche und ähnliche Massnahmen wären eigentlich aufgrund von Lärm-Studien zu erwarten, denn sie zeigen, dass sich vier Fünftel der Bevölkerung durch Lärm belästigt fühlen. Und da man festgestellt hat, dass Lärm Kinder dumm macht, denkt man zum Beispiel in Deutschland laut über eine Lärmsteuer nach, während in der Schweiz sich das Bundesamt für Umweltschutz leise überlegt, mit dem «Lärmpolizisten» eine neue Berufsgattung einzuführen.

Möchte man allerdings Lärmer wirklich heilen, müssten Still-Kurse eingeführt werden. Dann erst würde weniger gerattert, gekreischt, geheult, gebrummt, gedonnert, geknallt, getost, gepoltert und rumort.

Der Lärmarten gibt es viele, Stille aber nur eine.

Auch bei Greenpeace machen Männer gerne Lärm

© Sergio Ferraris / Greenpeace