Umweltorganisationen setzen einen Grossteil ihrer Kräfte dafür ein, Informationen zu sammeln, aufzubereiten und zu verbreiten. Sie meinen, dadurch aufklären und die Menschen zu einem umweltverträglichen Verhalten bewegen zu können. Dabei deutet nichts darauf hin, dass das auch funktioniert – im Gegenteil, wie Alltagserfahrungen zeigen.

Noch nie was von Kuno gehört?

Wer ist Kuno?

 

Ein merkwürdiges Phänomen ist, dass bei ein und derselben Person Informationsgläubigkeit und -resistenz auftreten können. Das geht auch meiner Freundin K. und mir so. Ich versuche zum Beispiel seit Jahren, sie durch gezielte Informationen vom Coca-Cola-Trinken abzubringen. Doch weder die erwiesene Ungesundheit des Getränks noch die Tatsache, dass Coca-Cola Gewerkschaftsrechte in Bolivien mit Füssen tritt, beeindrucken sie. Sie ist im Cola-Fall informationsresistent.

Handkehrum glaubt sie aber selber an eine Verhaltensänderung von mir aufgrund von Informationen. Als eine der wenigen, die ohne Handy überlebt, schiesst sie jedenfalls mit grobem Info-Geschütz gegen diese Errungenschaft. Sie weiss viel, zum Beispiel, dass die Produktion Unmengen Energie, Rohstoffe und Wasser verschlingt und der Gebrauch Tumore fördern soll. Sie informiert mich ausführlich und will mich zu meinem Besten von meiner Viel-Mobiltelefoniererei abbringen. Sie ist überzeugt, und Recht hat sie wohl schon. Dennoch kann sie mich nicht überzeugen. Mein Verhalten blieb jedenfalls unverändert – und ich kaufe auch weiterhin jedes Jahr ein neues Phone. Auf eins mehr oder weniger kommt es nicht an. Ausserdem ist das mit dem Tumor nicht sicher, und wir sterben alle irgendwann an irgendwas. Wären Handys wirklich schlimm, wären sie verboten. Und warum sollte ich als Erster verzichten, wenn es doch so praktisch ist? Ausserdem verzichte ich ja andererseits auf WLAN zu Hause und habe Sparlampen.

Trotz gegenteiliger persönlichen Erfahrungen glauben K. und ich weiterhin tapfer, steter Informationstropfen höhle irgendwann den Stein der Resistenz. Auch wenn Aufklärung offensichtlich oft bloss zu Abgeklärtheit führt – und die Ausredenvielfalt erhöht.

Nicht dass Informationen nie Wirkung hätten. Bekannt ist z.B.: a) Überzeugte lassen sich gerne ihre Überzeugung bestätigen. b) Öffentliche Personen wie Direktorinnen oder Gemeindepräsidenten beachten News, die ihre Firma oder Gemeinde betreffen, weil sie meinen, man schaue genau, was sie tun. c) An einem Thema Interessierte vermehren ihr Wissen gerne. d) Kann man dank einer Information einer Gefahr ausweichen, wie beim Rinderwahnsinn durch Verzicht, wird sie verhaltensrelevant. e) Informationen, die eine Handlung(sabsicht) bestätigen, haben verstärkende oder gar auslösende Wirkung.

Nun werde ich meiner Freundin erstmals eine Information vorenthalten. (Dass Coca-Cola in Indien Brunnen zum Versiegen bringt, weil ein Liter Cola neun Liter Trinkwasser braucht.) Ich bin offenbar der falsche Absender, um sie von ihrem Laster zu befreien. Hoffen kann ich noch darauf, dass eines Tages eine ihr unsympathische Person für Coca-Cola Werbung macht. Dann würde sie vielleicht aus Trotz von diesem Gebräu lassen. Ähnlich wie George W. Bush mit dem Irakkrieg 2003 die Friedensbewegung reaktivierte.


PS: Obwohl ein grosser Teil der Ressourcen der Umweltverbände in Beschaffung und Aufbereitung von Informationen fliesst, ist diese Informationsresistenz für sie insofern kein grosses Problem, als dass sie nicht spendenrelevant ist. Aber halt trotzdem etwas unangenehm, glauben Umweltaktive doch unerschütterlich an Aufklärung durch Information. Das nur zur Information.