Auch gemäss dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sind die 30 festgenommenen Greenpeace-Arktisschützerinnen und Arktisschützer “offensichtlich keine Piraten”. Trotzdem behauptet er, die Besatzung der Arctis Sunrise habe gegen internationales Recht verstossen - obwohl er noch vor ein paar Jahren seine Sympathie für Greenpeace geäussert hatte. 

 

 

«Mit Erstaunen sehe ich manchmal, wie eine Gruppe von Menschen in einer kleinen Barkasse versucht, grossen Kriegs- oder Industrieschiffen Widerstand zu leisten. Ich muss sagen, das löst nur Sympathie aus», sagte Putin im Jahr 2000 in einem Interview mit der "Moscow Times".

Der Geschäftsführer von Greenpeace International Kumi Naidoo ist froh, dass Präsident Putin den Piraterie-Vorwurf ins Abseits stellt und somit anerkennt, dass die Crew der Arctic Sunrise nur zum Schutz der Arktis gehandelt hat. «Die Aktivisten haben versucht, auf die Bohrplattform zu klettern, um gegen die umweltschädlichen Ölbohrungen in der Arktis zu protestieren. Es war eine friedliche Aktion für den Klimaschutz und gegen Gazprom, der erste Konzern, welcher eine Ölproduktion nördlich der Eisgrenze aufbaut», fügt Kumi Naidoo hinzu.


Nicht haltbar ist jedoch für Greenpeace die Aussage Putins, wonach die Aktivistinnen und Aktivisten gegen internationales Recht verstossen hätten, wie der russische Präsident im Rahmen des Arktis-Forums in Salekhard (Nordsibirien) laut Medienberichten behauptete. Diesem Vorwurf widersprechen zahlreiche Juristen, darunter der auf internationales Seerecht spezialisierte Rechtsberater Professor Stefan Kirchner, der das russische Vorgehen in einer persönlichen Einschätzung kritisiert.

Die 30 festgenommenen Arktisschützerinnen und Arktisschützer, darunter auch ein Schweizer, befinden sich zurzeit immer noch in Murmansk. Alle wurden in Anwesenheit eines Anwalts vernommen und sollten heute vom zuständigen Gericht erfahren, ob gegen sie eine Anklage erhoben wird. Ein Greenpeace-Team ist vor Ort und konnte mit einem Teil der Crew der „Arctis Sunrise“ kurz in Kontakt treten.  

Die schweizer Diplomatie hat inzwischen einen Vertreter nach Murmansk geschickt und beim russischen Aussenministerium sowie bei der russischen Botschaft in der Schweiz um Erklärungen zum Fall ersucht. Zahlreiche Diplomaten haben sich zusammengeschlossen, um den russischen Behörden ausdrücklich ihre Bedenken gegenüber dem mangelhaften rechtlichen Beistand und der fehlenden Klarheit über den Aufenthaltsort der gefangenen Aktivisten mitzuteilen. Die Niederlande ziehen zudem in Erwägung, rechtliche Schritte beim Internationalen Seegerichtshof in Hamburg einzuleiten.

Auch Sie können sich für die Arktisschützerinnen und Arktisschützer einsetzen: Schreiben sie an die russische Botschaft und fordern Sie die sofortige Freilassung von Marco und die ganze Crew der Arctic Sunrise!