Montag, 15. April 2013

© Greenpeace /Ex-Press/ Michael Würtenberg

Heute früh sind Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten der Basler Firma Syngenta auf Dach und Fassade gestiegen. Der Agrochemiekonzern leugnet systematisch, dass seine Pestizide Bienen töten. «Syngenta Pesticides Kill Bees!» ist denn auch der Bannerspruch, den die Bienenschützerinnen und Bienenschützer dem Syngenta-Hauptsitz verpasst haben.

Seit etwa 15 Jahren sterben Bienen in Europa und Nordamerika in besorgniserregendem Ausmass. Je nach Jahr und Region beträgt die Sterblichkeit der Bienenvölker bis zu 53 Prozent. Bienen sind für unser Überleben zentral: Mindestens ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion hängt von der Bestäubung durch Bienen und anderen Insekten ab. Der volkswirtschaftliche Wert der von Bienen erbrachten Bestäuberleistung in der Schweiz wird auf jährlich mindestens 260 Millionen Franken geschätzt. Neben Parasiten und Krankheiten, Klimawandel und einem Rückgang natürlicher Lebensräume sind industrielle Landwirtschafts-Praktiken, insbesondere aber der Einsatz von Pestiziden mitverantwortlich für das verheerende Bienensterben.

Die Syngenta-Produkte Actara und Cruiser basieren auf dem Wirkstoff Thiamethoxam, einem der bienenschädlichsten Pestizide überhaupt. Mit einem Jahresumsatz von 14,2 Milliarden US Dollar ist Syngenta der weltweit grösste Pestizidkonzern. Die Umsatzzahlen für Thiamethoxam, das zur Gruppe der berüchtigten Neonicotinoide gehört, hält der Agrarmulti unter Verschluss – doch das Blockbuster-Bienengift dürfte gegen 10 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Sie werden zur Saatgutbeizung eingesetzt oder direkt auf die Pflanze gespritzt. Umfassende Studien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie eine Mitte April veröffentlichte Greenpeace-Studie belegen neben akuten Vergiftungserscheinungen, dass schon eine geringe Dosis bei Bienen zu Flug- und Navigationsproblemen führt, die Fortpflanzungsfähigkeit und die Fähigkeit für eine effiziente Nahrungssuche reduziert sowie Bienenvölker krankheits- oder parasitenanfälliger machen kann.

Gegen das Verbot dieser Bienenkiller-Pestizide läuft die Agrar-Industrie derzeit Sturm. In Frankreich, Deutschland, Slowenien und Italien sind diese Gifte teilweise bereits seit Jahren verboten – mit sich erholenden Bienenpopulationen und ohne Ernteeinbussen, wie verfügbare Zahlen aus Italien belegen. Während die EU-Kommission offenbar gewillt ist, trotz massivem Widerstand seitens der Industrie weitreichende Restriktionen zu erlassen, verharrt die Schweizer Regierung in Passivität. Landwirtschaftsminister Schneider-Amman scheint sich von den Drohgebärden Syngentas einschüchtern zu lassen.

Marianne Künzle, Landwirtschafts-Expertin bei Greenpeace Schweiz sagt: «Syngenta soll aufhören, Unwahrheiten zu verbreiten. Syngenta geht es um den Profit statt um den Bienenschutz. Das dramatische Sterben von Wild- und Honigbienen ist ein Symptom einer fehlgeleiteten industriellen Landwirtschaft, die hauptsächlich den Interessen mächtiger Konzerne wie Syngenta dient. Damit muss jetzt Schluss sein.» An Landwirtschaftsminister Schneider-Ammann richtet sie die Forderung: «Schützen Sie unsere Bienen und die Landwirtschaft - verbieten Sie diese Bienenkiller-Pestizide!»

Im Februar hatte Greenpeace zusammen mit Imkern aus der ganzen Schweiz den Behörden in Bern eine Petition zum Schutz der Bienen überreicht. Darin unterstützen über 80’000 Menschen die Forderungen der Umweltorganisation.