Nachdem Greenpeace wiederholt alarmierend hohe Schadstoffwerte in Migros-Kinderjacken nachgewiesen hat, machte Migros letzte Woche erste Detox-Bekenntnisse gegenüber den Medien. Die Aussagen von Migros lassen aber immer noch viele wichtigen Fragen offen. Damit ihre Beteuerungen nicht reine Lippenbekenntnisse bleiben, muss Migros unter anderem offenlegen, wie sie die schadstofffreie Produktion von Kleidung sicherstellen will.

Migros hat in ihrer Medienmitteilung von letzter Woche zum ersten Mal kommuniziert, dass sie Phthalate (Weichmacher) 2012 verboten haben will, und dass sie damit begonnen hat, per-und polyfluorierte Chemikalien (PFC) zu eliminieren. Greenpeace begrüsst es, wenn Migros diese gefährlichen Chemikalien nun verbannen will.

Die Aussagen von Migros lassen aber immer noch viele wichtige Fragen offen:

  • Will Migros alle Phthalate aus allen ihren Produkten verbannen und verbietet sie auch deren Einsatz konsequent in der gesamten Produktionskette?
  • Bis wann eliminiert Migros PFC vollständig aus allen ihren Produkten und der gesamten Produktionskette?
  • Bis wann eliminiert Migros alle Alkylphenolethoxylate aus allen ihren Produkten und auch aus der gesamten Produktionskette?
  • Wird Migros sicherstellen, dass bei der Produktion von Migros-Textilien gar keine Phthalate, PFC und Alkylphenolethoxylate mehr in die Umwelt freigesetzt werden, oder setzt Migros lediglich einen Grenzwert für die Menge dieser gefährlichen Chemikalien, die in den Produkten noch erlaubt ist?
  • Wie stellt Migros sicher, dass für die Produktion von Migros-Kleidung keine Phthalate, keine Alkylphenolethoxylate und keine PFC mehr in die Umwelt freigesetzt werden?
  • Gelten allfällige Massnahmen auch für Textilien von Migros-Tochtergesellschaften wie Globus und Interio?
  • Bis wann und von wie vielen ihrer Lieferanten wird Migros Abwasserdaten veröffentlichen?
  • Wieso verkauft Migros weiterhin Kinderjacken mit gefährlichen Schadstoffen, obwohl die darin gefundenen Konzentrationen zehnmal höher sind als in der Kinderjacke, welche Migros im Februar 2013 bereits aus dem Verkehr genommen hat?

Damit die Aussagen von Migros glaubwürdig sind, müssen diese Fragen genau beantwortet werden. Nach eigenen Aussagen will Migros bis Ende 2017 alle Textilien ihrer Eigenmarken nach ihren Eco-Richtlinien produzieren. Die Testergebnisse von Greenpeace haben aber gezeigt, dass Migros heute keine schadstofffreien Textilien mit ihrem Eco-Standard garantieren kann, da auch ihre Eco-Standard-Kleidungsstücke zum Beispiel Nonylphenolethoxylate enthalten.

Wenn Migros also bis Ende 2017 alle Textilien nach Eco-Standard produziert, ist damit das Problem noch nicht gelöst, weil immer noch hormonell aktive Chemikalien in die Umwelt freigesetzt werden. Ausserdem ist es notwendig, dass die gefährlichsten Chemikaliengruppen sofort eliminiert werden, nicht erst Ende 2017. Coop zum Beispiel eliminiert NPE und PFC noch in diesem Jahr.

Insgesamt verlangt Greenpeace von Migros einen konkreten Massnahmenkatalog mitsamt Zeitplan, bis wann welche Chemikalien eliminiert werden und bis wann Migros von wie vielen ihrer Lieferanten Abwasserdaten veröffentlichen will. Zusätzlich sollen wichtige Prinzipien und Definitionen festgehalten werden, damit es keine Schlupflöcher mehr gibt.

Wenn Migros eine Detox-Verpflichtung unterzeichnet und diese veröffentlicht, wäre auch für die Kundinnen und Kunden der Migros genau nachvollziehbar, was die Verpflichtung beinhaltet und was Migros nun konkret unternimmt, um auf eine giftfreie Kleiderproduktion umzustellen. Solange Migros dies nicht tut, bleiben ihre Aussagen schwammig.

Mit ihrer internationalen Detox-Kampagne hat Greenpeace in den letzten Monaten zahlreiche Firmen dazu bewegt, die Entgiftung der Textilindustrie und ihrer globalen Zuliefererkette anzugehen. Bis anhin haben 17 Unternehmen – darunter führende Textilmarken- und Detailhändler wie Zara, H&M, C&A, Marks & Spencer und Coop – sich dazu verpflichtet, bis spätestens 2020 gar keine gefährlichen Chemikalien mehr in die Umwelt freizusetzen.