Montag, 6. August 2012

Illegales Holzkohle-Camp im brasilianischen Urwald. In den Brennöfen wird die Holzkohle hergestellt. © Marizilda Cruppe / Greenpeace

Alle Roheisen-Hersteller aus dem brasilianischen Bundesstaat Maranhao haben ein wichtiges Abkommen unterzeichnet. Die sieben ansässigen Konzerne verpflichten sich darin, keine Holzkohle mehr aus Urwaldzerstörung oder indigenen Gebieten zu nutzen. Zudem sagten sie zu, keine Sklavenarbeit mehr in der Holzkohleherstellung zu dulden. Der gesamte Produktionsprozess wird zukünftig über ein Monitoring-System überwacht werden.

Ein Grossteil der Holzkohle wird in den nordostbrasilianischen Bundesstaaten Para und Maranhao in kleinen abgelegenen Camps hergestellt. Häufig werden dabei Indianergebiete zerstört. Auch vor sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen wird nicht haltgemacht.

Zahlreiche indigene Völker in der Region leiden unter der Holzkohleherstellung. Das 400 Köpfe kleine Volk der Awa-Guaja beispielsweise lebt völlig isoliert als Jäger und Sammler im Grenzgebiet der Provinzen Para und Maranhao. Erst vor 40 Jahren wurden sie erstmals von Wissenschaftlern kontaktiert. Heute ist ihr Überleben extrem bedroht, da Holzfäller knapp ein Drittel ihres Landes zerstört haben.

Holzkohle für die Stahlproduktion der Industriestaaten

Für die Produktion von Roheisen brauchen die Konzerne grosse Mengen Holzkohle. Das dafür verwendete Holz stammt meist aus illegaler Abholzung. Viele Roheisenhersteller aus Maranhao beliefern US-amerikanische Stahlkocher. Darunter den Stahlhersteller Severstal in Columbus, Mississippi, der nach eigenen Angaben Autohersteller wie BMW, Ford oder Mercedes zu seinen Kunden zählt.

Greenpeace veröffentlichte im Mai den Report Driving Destruction in the Amazon. Damit konnte die brasilianische Öffentlichkeit auf das Problem der Holzkohleherstellung aufmerksam gemacht werden. Kurze Zeit später folgte eine spektakuläre Aktion, die auch viel prominente Unterstützung bekam: Zehn Tage lang hatten Aktivistinnen und Aktivisten sich abgelöst, um an der Ankerkette des Frachters Clipper Hope gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds für Holzkohle zu protestieren. Das Schiff sollte Roheisen in die USA verfrachten, das mithilfe der urwaldzerstörenden Holzkohle hergestellt wurde.

Der Vize-Gouverneur von Maranhao rief Industrie und Zivilgesellschaft auf, die zerstörerischen Praktiken miteinander zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Nach nur wenigen Wochen wurde nun das Akommen zum Schutz der Urwälder im Governeurspalast von Maranhao unterzeichnet.

«Diese Vereinbarung mit der Industrie ist für den Schutz des Amazonas und seiner Menschen ein wichtiger Schritt nach vorne», sagt Paulo Adario, Direktor der Amazonas-Kampagne von Greenpeace Brasilien. «Strenge Kriterien für den Bezug von Kohle werden dazu beitragen, dass die Lieferkette frei von Urwaldzerstörung, Sklaverei und Betrug ist.»