© Greenpeace/ Marizilda Cruppe

Der Protest der Greenpeace-Aktivisten im Hafen von Sao Luis, Brasilien, dauert an. Seit Montag wechseln sich Kletterer auf der Ankerkette des Frachters Clipper Hope ab. Sie protestieren gegen die Urwaldzerstörung für Roheisen. Der daraus hergestellte Stahl geht unter anderem an Autokonzerne wie BMW oder Mercedes.

Die Aktivisten waren mit Schlauchbooten vom Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior gekommen, das seit März auf dem Amazonas unterwegs ist. Die Tour führt nach Rio de Janeiro, wo im Juni der Erdgipfel Rio+20 stattfindet.

Brasiliens Regenwald - zerstört für die Stahlproduktion

Ein neuer Greenpeace-Report belegt, dass der Amazonas-Regenwald nicht nur durch Ackerbau und Viehzucht gefährdet ist. Ganze Wälder werden gefällt, um Holzkohle für die Produktion von Roheisen zu gewinnen. Der daraus hergestellte Stahl geht an Autokonzerne wie Ford, BMW oder Mercedes.

«Die Zerstörung für Holzkohle ist abermals ein Beispiel dafür, dass Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff dem Schutz des Regenwaldes dringend wieder mehr Gewicht geben muss», sagt Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace. «Konkret heisst es, dass sie das vorliegende neue Waldgesetz nicht akzeptieren darf. Sonst wird auch für die Eisenherstellung immer mehr vom einzigartigen Amazonas vernichte.»

Existenzielle Gefahr für indigene Völker

Der Greenpeace-Report zeigt die Wege des Rohmaterials auf. Ein Grossteil der Holzkohle wird in den nordostbrasilianischen Bundesstaaten Para und Maranhao in kleinen abgelegenen Camps hergestellt. Häufig werden dabei Indianergebiete zerstört. Auch auch vor sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen wird nicht haltgemacht.

Zahlreiche indigene Völker in der Region Nordostpara und Maranhao leiden unter der Holzkohleherstellung. Das 400 Köpfe kleine Volk der Awa-Guaja lebt völlig isoliert als Jäger und Sammler im Grenzgebiet der Provinzen Para und Maranhao. Erst vor 40 Jahren wurden sie erstmals kontaktiert. Heute ist ihr Überleben extrem bedroht. Holzfäller haben knapp ein Drittel ihres Landes zerstört.

Montag, 21. Mai 2012

Aktivisten auf der Ankerkette, Brasilien. © Marizilda Cruppe / Greenpeace

 

Vom Holz zum Stahl zum Automobil

Das Holz wird illegal gefällt. Die daraus hergestellte Holzkohle dient später dem Eisenhersteller Viena zum Schmelzen von Eisenerz. Viena ist einer der ältesten und grössten Roheisenhersteller in Maranhao. Das Unternehmen beliefert US-amerikanische Stahlkocher, unter anderem den Stahlhersteller Severstal in Columbus, Mississippi, der nach eigenen Aussagen Autohersteller wie BMW, Ford oder Mercedes zu seinen Kunden zählt.

Brasiliens neues Waldgesetz - eine Gefahr für den Regenwald

Zur Petition

 



Das brasilianische Parlament hat vor zwei Wochen ein neues Waldgesetz verabschiedet. Es sieht unter anderem vor, Farmer zu amnestieren, die in den letzten Jahren den Regenwald illegal zerstört haben. Auch werden Schutzzonen an Wasserläufen reduziert und der bisherige Schutz des Waldes stark eingeschränkt. Millionen Hektar Regenwald sind bedroht, wenn dieses neue Waldgesetz in Kraft tritt. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat bis zum 25. Mai Zeit, ihr Veto einzulegen. Dies hat sie im Vorfeld und während der Parlamentsdebatten wiederholt zugesagt.

«Präsidentin Rousseff muss ihr Wort halten und ihr Veto einlegen. Alles andere wäre eine Katastrophe für den Regenwald, die Menschen und Tiere des Waldes, aber auch für unser Klima», sagt Salge.