Dienstag, 20. März 2012

© Greenpeace / Matthias Gunsch

 

Giftige und hormonell wirksame Chemikalien gelangen auch durch die normale Haushaltswäsche in Schweizer Gewässer. Nach einer neuen Greenpeace-Untersuchung treten bis zu 94 Prozent der Nonylphenolethoxylate (NPE) in Import-Textilien bei der ersten Haushaltswäsche aus. Im Abwasser bildet sich aus NPE das Umweltgift Nonylphenol (NP).

Für den aktuellen Report «Schmutzige Wäsche – Gefährliche Chemie aus der Waschtrommel» hat Greenpeace Textilien diverser Modemarken aus elf Verkaufsländern untersucht. Aus dem Schweizer Handel wurden zwei Kleidungsstücke positiv getestet: Ein Kinder-Shirt der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft von Puma sowie Pyjama-Hosen von Calvin Klein. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Textilbranche einen Schadstoff-Kreislauf von globalem Ausmass verursacht: Von der Produktion der Textilien mit hohem Chemikalieneinsatz über Rückstände in den fertigen Textilien bis zum Auswaschen. Die direkten Verschmutzungsauswirkungen der Textilbranche gehen weit über das jeweilige Herstellungsland hinaus.

«Modemarken machen ihre Kunden zu unfreiwilligen Komplizen bei der weltweiten Wasserverschmutzung», sagt Matthias Gunsch von der Chemiekampagne bei Greenpeace Schweiz. «Die Branche muss ihre Produktion endlich entgiften.»

Insgesamt wurden in der Hälfte der untersuchten Stoffproben mehr als 80 Prozent NPE mit der ersten Wäsche entfernt. Es ist davon auszugehen, dass über die gesamte Lebensdauer eines Textilproduktes alle Rückstände von NPE ausgewaschen werden, ein Grossteil bereits in den ersten beiden Waschvorgängen. Die NPE gelangen mit dem Waschwasser in die Kanalisation und somit in Kläranlagen. Diese können NPE nicht effektiv filtern und die Einleitung der Chemikalien in die Umwelt verhindern. Im Abwasser bildet sich aus NPE das hormonell wirksame Umweltgift Nonylphenol (NP), das mit dem behandelten Wasser freigesetzt wird. Nur die Aufrüstung von Kläranlagen mit Aktivkohlefiltern könnte die Freisetzung von NPE und NP verhindern.

In den Herstellungsländern der getesteten Textilien – China, Vietnam, den Philippinen, Thailand, Sri Lanka und der Türkei – ist der Einsatz von NPE nicht geregelt. In den Absatzländern der EU hingegen ist die Verwendung und Freisetzung von NPE verboten oder stark eingeschränkt.

In zwei vorangegangenen Berichten «Schmutzige Wäsche 1» und «Schmutzige Wäsche 2» hatte Greenpeace aufgedeckt, dass die internationale Textilindustrie die Trinkwasserdepots von Millionen Menschen in China vergiftet. Eine breite Auswahl (78 Artikel) in Asien gefertigter Textilien liess Greenpeace anschliessend auf NPE-Rückstände untersuchen.

Einen Ausstieg aus der Produktion mit gefährlichen Chemikalien bis zum Jahr 2020 haben bisher Nike, Adidas, Puma, Li Ning, H&M und C&A zugesagt. Greenpeace engagiert sich mit der Kampagne «Detox» für eine Textilproduktion ohne gefährliche Chemikalien. Die Umweltorganisation fordert alle Markenhersteller auf, den Einsatz von NPE in Produktionsprozessen bis zum Jahr 2013 zu beenden. Es sind längst ungefährlichere Alternativen auf dem Markt.