Heute haben die deutsche Menschenrechtsorganisation ECCHR gemeinsam mit der britischen Menschenrechtsorganisation Global Witness bei der Staatsanwaltschaft Tübingen Strafanzeige eingereicht gegen einen leitenden Mitarbeiter und deutschen Staatsangehörigen des deutsch-schweizerischen Holzkonzerns Danzer Group. Dies wegen Beihilfe zur Vergewaltigung, gefährlichen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Brandstiftung jeweils durch Unterlassen. Dem Angezeigten wird vorgeworfen, Verbrechen durch kongolesische Sicherheitskräfte am 02. Mai 2011 in der Demokratischen Republik nicht verhindert zu haben.

Am frühen Morgen des 2. Mai 2011 überfiel ein Einsatzkommando von Sicherheitskräften ein Dorf im Norden der Demokratischen Republik Kongo. Die Polizei- und Militärkräfte misshandelten und vergewaltigten Bewohner und Bewohnerinnen des Dorfes und nahmen willkürlich 16 Personen fest. Diesem Vorfall ist ein Konflikt zwischen den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern und dem in der Region ansässigen Unternehmen Siforco S.A.R.L., damals ein Tochterunternehmen der Danzer Group, vorausgegangen. Siforco war seinen vertraglichen Verpflichtungen, Sozialprojekte in den Regionen zu realisieren, nicht nachgekommen. Greenpeace brachte den Vorfall im Mai 2011 ans Licht und publizierte im November 2011 den Bericht Stolen Future. Die Danzer Group hat Siforco Ende Februar 2012 verkauft. 

Die traurigen Ereignisse in Yalisika waren hinblicklich früherer Konflikte zwischen der Danzer Tochterfirma Siforco und kongolesischer Dorfbewohnerinnen und - bewohnern keine Überraschung. Greenpeace hatte über frühere  Konflikte in Publikationen wie Carving up the Congo in 2007 or  « Forest reform in the Democratic Republic of the Congo: Leaving people out »  in 2010 berichtet.

Greenpeace begrüsst und unterstützt die Strafanzeige, dank welcher die Rolle und Verantwortung des Managements eines europäischen Mutterunternehmens mit Sitz in der Schweiz strafrechtlich ermittelt wird. Der Fall Danzer zeigt auf, dass auch in der Schweiz angesiedelte Firmen immer wieder Menschenrechte und Umweltstandards verletzen trotz freiwilliger Firmeninitiativen. Greenpeace fordert als Mitglied der Koalition Recht ohne Grenzen deshalb auch klare Regeln für Schweizer Konzerne. Der Bundesrat ist gefordert, im Rahmen der Strategie zur Implementierung der UNO-Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten konkrete Vorschläge zur Beseitigung dieser Gesetzeslücken vorzulegen. Nur so ändert sich das Geschäftsgebaren aller Firmen.

 

Weitere Informationen:

 Recht ohne Grenzen

 ECCHR 

Global Witness (english)