Ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt: Das AKW Mühleberg produziert Strom teurer als zum marktüblichen Preis. Die Betreibergesellschaft BKW kann das Atomkraftwerk nur deshalb am Leben erhalten, weil sie ein Monopol im Kanton Bern hat und den Endkunden den überteuerten Strom berechnet.

*Florian Kasser ist Atomexperte bei Greenpeace Schweiz.

Das Gutachten (Zusammenfassung des Gutachtens) des Basler Energieexperten und Ex-Nationalrates Rudolf Rechsteiner rechnet vor: Der Betrieb des AKW Mühleberg rentiert schon heute nicht mehr. Die tiefen Preise an der Strombörse haben den Bernischen Kraftwerken (BKW) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach Konzern-Angaben produziert Mühleberg zu Gestehungskosen von "ungefähr 7 Rappen pro Kilowattstunde". Der Grosshandelspreis an der Strombörse beträgt seit anfang 2012 nur durchschnittlich 5,9 Rappen. Mit ihrer überteuerten Atomstrom-Produktion entgehen der BKW 30 Millionen Franken bis Ende Jahr.

Diese Diskrepanz wird sich künftig noch vergrössen, da die BKW im August ankündigte, weitere 370 Millionen Franken in allfällige Reparaturen am Reaktor stecken zu wollen, um den Weiterbetrieb bis 2022 zu garantieren. Das wird die Produktionskosten um weitere 1,5 Rappen pro Kilowattstunde steigern.

Die BKW wälzt das ökonomische Risiko von Mühleberg auf die Bevölkerung ab. Damit stellt das AKW für sie nicht nur ein Sicherheitsrisiko dar, sondern auch eine stetig wachsende finanzielle Belastung.

Die BKW klammert sich ans Prinzip Hoffnung und spekuliert auf eine Erholung der Strompreise. Diese wird jedoch nicht stattfinden: Der europäische wie auch der Schweizer Strommarkt sind wegen der Wirtschaftskrise von sinkender Nachfrage und grossen Überkapazitäten bei Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken geprägt. Zudem steht Atomstrom in zunehmender Konkurrenz zur immer günstigeren Solar- und Windenergie. 

Auch ist das regulatorische Umfeld sehr ungewiss: Auf 2014 ist eine vollständige Liberalisierung der Strommärkte geplant. Sollte zudem die kantonale Volksabstimmung «Mühleberg vom Netz» oder die nationale «Atomausstiegsinitiative» vom Stimmvolk angenommen werden, so würde das AKW spätestens 2017 still gelegt und liessen sich die getätigten Investitionen  gar nicht mehr amortisieren.

Der Kanton Bern als Mehrheitseigentümer der BKW ist zum Handeln aufgefordert. Im Interesse der Bevölkerung muss der Berner Regierungsrat sich für die sofortige und endgültige Abschaltung von Mühleberg einsetzen.

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