Halliburton, eine der für die Deepwater Horizon-Katastrophe im Jahr 2010 mitverantwortlichen Firmen, hat nun zugegeben, Beweismaterial im Zusammenhang mit dem Unglück vernichtet zu haben. Der US-Mischkonzern hat ausserdem 55 Millionen Dollar an die National Fish and Wildlife Foundation gezahlt und sich dazu bereit erklärt, Strafzahlungen in Höhe von 200'000 Dollar zu akzeptieren.

An der Deepwater Horizon ereignete sich im April 2010 eine Explosion, woraufhin die Plattform in 1'500 Meter Tiefe sank. Elf Arbeiter starben bei dem Unglück. Über einhundert Tage strömte Öl an der Unglücksstelle in den Golf von Mexiko.

Für Halliburton sind diese Zahlungen von Schmerzensgeld gut angelegt, gestatten sie es dem Konzern doch, weiter im Öl- und Gasgeschäft mitzumischen und dicke Gewinne einzustreichen.

Auch ein anderer Big Player hat das Deepwater Horizon-Unglück erstaunlich gut verwunden: BP – oder «British Polluter», wie der Konzern von Umweltschützern genannt wird. Der Konzern treibt das riskante Öl-Geschäft weiter voran. Die bewährte Strategie «Gewinne für uns, Risiko für alle» hat dem Konzern in den Jahren 2011 und 2012 wieder Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe beschert.

Greg Palast, ein Journalist aus den USA, hat das Ganze pointiert kommentiert:

«Das ist so, als wenn du einem erwischten Bankräuber sagst: Leg das Geld wieder zurück, dann ist alles wieder in Ordnung!»

Tatsächlich ist es noch schlimmer, denn die langfristigen Schäden sind noch überhaupt nicht überschaubar, immer noch belastet das Unglück die Natur und beeinträchtigt die Lebensgrundlagen vieler Menschen und Tiere negativ (siehe dazu unser Bericht «Ein Jahr nach Deepwater Horizon»).

Das Deepwater Horizon-Desaster war ein Weckruf. Man hätte danach die Ölindustrie an die Kandarre nehmen, Tiefseebohrungen und Bohrungen in gefährlichen Regionen verbieten und sich aus der zerstörerischen Abhängigkeit von Öl- und fossilen Brennstoffen befreien müssen. Man hätte ein System in Frage stellen müssen, für das Tote nur Kollateralschäden bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen sind.

Doch leider wurden diese Lehren nicht gezogen.

Seit dem Desaster im Golf von Mexiko hat es noch dutzende weitere Ölunfälle gegeben. Jüngst ist eine Gas-Plattform im Golf von Mexiko explodiert. Sogar in der Arktis soll nach Öl gebohrt werden, obwohl ein Unfall in dieser Region beinahe unabwendbar in einer Katastrophe münden würde (unsere Petition zum Schutz der Arktis können Sie hier unterzeichnen).

Wir wissen, dass wir weg müssen vom Öl, weg von den fossilen Energieträgern, da wir nur so eine Chance haben, die Folgen des Klimawandel zu begrenzen. Doch die besten Überzeugungen haben dem zügellosem Profitstreben der Konzerne und der Konsumsucht offenbar wenig entgegenzusetzen.