Dienstag, 19. Februar 2013

Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten steigen der Migros unter das Dach und verlangen die Entgiftung ihrer Kleidungsproduktion. 02/13/2013, © Miriam Künzli / Ex Press / Greenpeace

Die Blicke eines Teils der Öffentlichkeit sind seit letzter Woche auf Greenpeace und die Migros gerichtet. Grund: Greenpeace verlangt vom Grossverteiler die Eliminierung sämtlicher Giftstoffe aus der Produktion seiner Kleider-Eigenmarken – zu was sich im Rahmen unserer Detox-Kampagne zuvor weltweit 17 bekannte Unternehmen – darunter Coop, Zara oder H&M – bereits verpflichtet hatten. Die Migros war bisher leider nicht in der Lage, diese Forderungen zu erfüllen. Noch immer vergiftet die Produktion ihrer Kleidung die asiatischen Flüsse. Und macht Menschen und Tiere krank. 

Es ist nicht so, dass Greenpeace die Migros damit gleich an die Öffentlichkeit zehrte. Wir hatten den Grossverteiler extra früh bereits im Sommer kontaktiert. Wir appellierten an die Leaderrolle der Migros in Sachen Nachhaltigkeit und Weitsicht (Englisch). Sie sollte eine Messlatte sein für andere Unternehmen, die sie in dieser Sache mittlerweile längst überholt haben.

Greenpeace war immer bereit, mit dem Migros-Management über eine Verbesserung ihrer Produktionsstandards zu reden und hatte darum damals einen Dialog zum Entgiften ihrer Kleidung angeregt. Doch die Migros lehnte es stets ab, unsere Detox-Vorschläge zu diskutieren und zu unterzeichnen. Dies obwohl wir sie darauf hingewiesen hatten, dass sie ein Problem mit gefährlichen Chemikalien in ihren eigenen Kleidermarken hat.

Wir kontaktierten die Migros seit ihrem negativen Entscheid vom letzten September noch drei weitere Male, um doch noch eine Detox-Lösung zu finden, die etwas ambitionierter ist als ihr bisheriges Programm – leider bis heute erfolglos.

Auch nach der Veröffentlichung unserer Studie «Schadstoffe in Textilien» haben wir von der Migros bisher keine zufriedenstellende Antwort erhalten, ob sie nicht doch bereit ist, ein Detox-Versprechen abzugeben – stattdessen drohte sie mit juristischen Konsequenzen.

Die Resultate unserer Studie zeigen deutlich, dass die aktuellen Bemühungen von Migros nicht genügen, um Kunden und betroffene Menschen in den Herstellungsländern eine giftfreie Produktion zu garantieren. Offensichtlich hat die Migros ihre Produktion nicht vollständig im Griff. Das zeigt das Beispiel der Kinder-Regenjacke, die wir testeten: Dort fanden wir eine inakzeptabel hohe Konzentration von gefährlichen, hormonell aktiven Weichmachern (Phthalate). Dies, obwohl Migros sagt, diese seien in ihrer Produktion verboten. Auch in den Eco-Standard und Biobaumwoll T-Shirts fanden wir deutliche Konzentrationen von Nonylphenolethoxylaten. Das ist nicht nur ein Problem für die Kundinnen und Kunden der Migros, die diese Jacken kaufen. Es ist in erster Linie ein gewaltiges Problem in den Herkunftsländern, wo die Produktionsstätten diese Gifte einfach in die Flüsse leiten und Mensch und Tier vergiften.

Die Migros schrieb uns jetzt einen Brief, indem sie uns ein Gespräch anbot für nächste Woche. Dieses nehmen wir gerne wahr  – obwohl das eine weitere Hinhaltetaktik ist, denn der Grossverteiler versäumte es bisher offenbar, mit den Produzenten überhaupt zu sprechen und die nötigen Abklärungen zu treffen. Wir haben noch immer keine Absichtserklärung und noch immer keinen verbindlichen Massnahmenplan in der Hand, in dem die Migros uns mitteilt, wie und wann sie ihre Kleiderproduktion komplett entgiften will.

So lange das nicht der Fall ist, bleiben wir hartnäckig an der Migros dran. Ermuntert von Tausenden von Migros-Facebook-Fans und empörten Kundinnen und Kunden wird sich Greenpeace nun umso mehr einsetzen, dass die Migros weniger giftig und stattdessen wieder ein M besser wird! Und so ihrem guten und nachhaltigen Ruf gerecht wird.

Fordere hier den CEO der Migros zum Entgiften auf!