Am Dienstagabend kamen Janos und Christoph, zwei junge Dokumentarfilmer aus Basel, im Camp an. Sie machen einen Film über die Palmölindustrie und ihre Auswirkungen - lokal bis global - auf Mensch und Natur. So ging es gleich gestern nochmals zur Forest Wall, diesmal mit den beiden Schweizern, zwei Fotografen von Getty Images, zwei Journalisten vom indonesischen Kabelfernsehen und den beiden Greenpeace-Bildleuten (Oka für Foto und Doro für Film) – also eine geballte Ladung Bildjäger.

Tausende von Bildern wurden geschossen, welche die Zerstörungen der Duta Palma veranschaulichen. Angestellte, die zufälligerweise unseren Weg kreuzten, wurden mit Blitzgewitter begegnet. Ich wurde von den Baslern für ihren Dokumentarfilm eingespannt. Ich redete über meine Motive und zeigte kräftig Empörung, was ich durchaus gerne gemacht habe.

Vor dem Entwaesserungskanal Vor dem Forest Wall  Yusup und ich beim Kriegstanz


Die fünf Kilometer durch die Palmölplantage, die wir zurücklegen müssen, um in den Wald zu gelangen, sind extrem deprimierend. Der Höhepunkt des Tages sind denn auch die paar Schritte, die wir im intakten Waldstück machen können. Nik und ich wuehlen in der Torferde des WaldesSo führte ich die kleine Truppe in den Wald, liess sie den Geruch vom frischen Holz an den Baumstrünken einatmen, die Rinde berühren, die Hand in die Torferde tauchen, die Epiphyten an den glatten Bäumen, die Riesenfarnen bestaunen.

Weiter Waldeinwärts steht der Weg zum Holzfällercamp im starken Kontrast dazu: Es ist ein Hindernisslauf über gefällte Baumstämme, Geäst, über Pfützen in den Traktorspuren. Das Camp selber ist bloss eine mit Planen überdachte Hütte, die mit einem Holzpodest für die Schlafmatten der Arbeiter versehen ist. Es wohnen zehn Leute hier, alles Männer der gleichen Familie, aus Kuala Cenaku. Früher waren sie Fischer, sie mussten aber ihren Job aufgeben, weil es immer weniger Fisch gab. Wie sich herausstellt, wissen sie nicht, dass dies mit dem intensiven Kunstdünger und Pestizid-Einsatz auf den Palmölplantagen zu tun hat. Nun arbeiten sie auf Kontraktbasis für dieselbe Firma, die mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen ihre bisherige Lebens- und Erwerbsgrundlage zerstört hat, und führen das Zerstörungswerk fort. Mit dem Unterschied, dass sie früher selbständig waren und bis zu 10 mal mehr am Tag verdienten als jetzt. Heute mühen sie sich für 25 bis 30 % des gesetzlichen Minimallohnes in Indonesien ab. Ein massiver sozialer Abstieg also und eine beträchtliche Verschlechterung der Lebensbedingungen für diese Menschen.

Pak Mursyid, die Basler Dokumentarfilmer Janos und Christoph und ich, der einaeugige PiratWenn wir am Abend kurz vor dem Forest Defenders Camp das Entwässerungskanal überqueren, pflaume ich einen meiner Holzstöcke mit einer äusserst ungeschickten Bewegung in mein rechtes Auge rein. Deshalb war ich gestern Abend und heute den ganzen Tag kaum einsatzfähig und lief wie ein einäugiger Pirat herum.

Wenn ich heute drei Wünsche fuer Gutmenschen (nach Weltwoche-Definition) äussern darf:

  1. Bitte kauft nichts mehr, das Palmöl enthalten könnte, also immer bio und fairtrade, ok?
  2. Und um Himmelswillen tankt nicht mit Biodiesel, sondern kauft lieber ein Energiesparauto mit Hybridtechnologie - wenn schon, denn schon!
  3. Schreibt der EU-Kommission und anderen, die glauben, Biodiesel sei DIE Lösung, dass das grösstenteils Bullshit ist, eine völlig unausgegorene, unreife Idee für Geschäftemacher, aber sicherlich keine Lösung für das Energie- und das Klimaproblem!
  4. Kauft keine Weltwoche mehr. Die ist nichts fuer Gutmenschen.

 Mit herzlichem Gruss, Christian